Ge­sucht: Ein Mit­tel ge­gen Dia­be­tes

Dia­be­tes zählt zu den Volks­krank­hei­ten, die zwar the­ra­pier­bar, aber nicht heil­bar sind. Das In­sti­tut für Stoff­wech­sel­phy­sio­lo­gie der Hei­ne-Uni­ver­si­tät forscht des­halb nach neu­en Wirk­stof­fen, die ei­ne Hei­lung er­mög­li­chen. In­sti­tuts­lei­ter Eck­hard Lam­mert st

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON ANANDA MILZ

Men­schen, die stets nach vor­ne den­ken und sich mit dem Ist-Zu­stand nicht zu­frie­den­ge­ben, sind ein wich­ti­ger Mo­tor un­se­rer Ge­sell­schaft. Ei­ner die­ser Pio­nie­re ar­bei­tet und lebt in Düsseldorf: Pro­fes­sor Eck­hard Lam­mert lei­tet das In­sti­tut für Stoff­wech­sel­phy­sio­lo­gie an der Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät und hat ein er­klär­tes Ziel: die Volks­krank­heit Dia­be­tes zu hei­len.

Sei­nen vi­sio­nä­ren Blick in ei­ne mög­li­che Zu­kunft stell­te er jetzt erst­mals ei­nem brei­te­ren Pu­bli­kum vor. Auf Ein­la­dung der An­ton-Bet­zStif­tung der Rhei­ni­schen Post über­zeug­te der For­scher bei sei­nem Vor­trag in der Kunst­samm­lung NRW auf mehr­fa­che Wei­se.

So leg­te er et­wa zu Be­ginn of­fen, dass er selbst seit 22 Jah­ren am Dia­be­tes Typ I er­krankt sei und es ihm auch pri­vat ein gro­ßes An­lie­gen sei, an ei­ner Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on zu ar­bei­ten. Mit sei­ner ver­ständ­li­chen und struk­tu­rier­ten Rei­se durch die Dia­be­tes-For­schung hol­te der 39-Jäh­ri­ge im An­schluss die zahl­rei­chen Zu­hö­rer ab und in­for­mier­te über Krank­heits­bild, For­schungs­stand so­wie über mög­li­che Chan­cen in der na­hen Zu­kunft.

Obers­tes Ziel war da­bei, das Be­wusst­sein zu schu­len. So führ­te Lam­mert sei­nem Pu­bli­kum vor Au­gen, dass ei­ne Blind­darm­ent­zün­dung im Ge­gen­satz zu heu­te vor rund 100 Jah­ren noch töd­lich ver­lief. Ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung, die sei­ner Ein­schät­zung nach auch auf Dia­be­tes über­trag­bar ist: „Die For­schung lie­fert bis­lang vie­le Hin­wei­se da­für.“

Als Bei­spiel nann­te Lam­mert die Ent­de­ckung von zwei Sub­stan­zen, die seit mehr als 50 Jah­ren die Be­hand­lung von Dia­be­tes Typ II, dem so­ge­nann­ten Al­ters­zu­cker, mit Ta­blet­ten er­mög­licht. „Bei der Be­hand­lung von kran­ken Sol­da­ten mit An- ti­bio­ti­ka ent­deck­te man zu­fäl­lig, dass die Pa­ti­en­ten in den Un­ter­zu­cker fie­len“, er­klär­te der Wis­sen­schaft­ler. Seit­her wer­den mit so­ge­nann­ten Sul­fonyl­harn­stof­fen Dia­be­tes-Pa­ti­en­ten ein­ge­stellt und the­ra­piert. Ähn­lich sei es bei Bocks­kraut ge­we­sen – ei­ner Heil­pflan­ze, de­ren Sub­stan­zen eben­falls ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf die Pro­duk­ti­on von In­su­lin hat.

Der Man­gel an In­su­lin, der zu Dia­be­tes führt, steht in Zu­sam­men­hang mit Zel­len in der Bauch­spei­chel­drü­se, die auf­grund ih­rer in­sal­ar­ti­gen An­ord­nung und ih­res Ent­de­ckers auch Lan­ger­hans-In­seln ge­nannt wer­den. Das Ziel von Lam­mert ist es, Sub­stan­zen zu fin­den, wel­che die Pro­duk­ti­on der Lan­ger­han­sIn­seln wie­der an­re­gen und vor al­lem auch er­hal­ten. Ak­tu­ell un­ter­sucht sein Team die Lo­tus­blu­me un­ter an­de­rem mit ei­nem spe­zi­el­len Le­se­ge­rät, das zum Groß­teil von der An­ton-Betz-Stif­tung der Rhei­ni­schen Post fi­nan­ziert wur­de. Die­se Ana­ly­sen las­sen Lam­mert hof­fen, dass es nach Stu­di­en und kli­ni­schen Tests in ei­ni­gen Jah­ren ei­ne heil­sa­me Wirk­stoff­kom­bi­na­ti­on ge­gen Dia­be­tes ge­ben wird.

Auch sei ei­ne sys­te­ma­ti­sche Su­che nach Sub­stan­zen sinn­voll: „Vi­el­leicht steht be­reits ein Me­di­ka­ment in der Apo­the­ke, von des­sen Po­ten­zi­al wir noch nichts wis­sen.“ Bis­her sind nur zehn der ins­ge­samt 250 Wirk­stoff­ka­te­go­ri­en auf Dia­be­tes hin ge­tes­tet wor­den. Doch die För­de­rung der For­schung rei­che bis­lang nicht aus, um ei­nen bahn­bre­chen­den Er­folg zu er­zie­len. „Wir sind auf die Hil­fe aus der Ge­sell­schaft an­ge­wie­sen“, sagt Lam­mert.

Auf die­se Wei­se könn­te aus sei­ner Vi­si­on Rea­li­tät wer­den.

„Die Sub­stanz könn­te in der Lo­tus­blu­me ste­cken“

For­schungs­pro­jekt und Kon­takt:

RP-FO­TOS (2): CHRIS­TOPH GÖTTERT

Eck­hard Lam­mert re­fe­rier­te in der Kunst­sammmlung NRW am Gr­ab­beplatz.

Von links: Mo­de­ra­to­rin Na­ta­scha Plan­ker­mann; Michael Ro­den, Di­rek­tor des Deut­schen Dia­be­tes-Zen­trums; Eck­hard Lam­mert, Lei­ter des In­sti­tuts für Stoff­wech­sel­phy­sio­lo­gie; die RP-Her­aus­ge­ber Es­t­her Betz und Gott­fried Ar­nold.

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