Initia­ti­ve ge­gen Ko­ma-Trin­ken

Das neue Pro­jekt „Stand­fest“ der Dia­ko­nie klärt Ju­gend­li­che über die Fol­gen von Al­ko­hol auf. Sie wer­den auf Par­tys oder in der Alt­stadt von Eh­ren­amt­li­chen an­ge­spro­chen, die kaum äl­ter sind als sie selbst.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON JEN­NI­FER KOCH

Seit et­wa zwei Mo­na­ten geht die 25-jäh­ri­ge Chris­ti­na Bot­scher mehr­mals in der Wo­che be­ruf­lich auf Par­tys. Aber nicht, um dort zu fei­ern. Die So­zi­al­päd­ago­gin ar­bei­tet für das neue Pro­jekt „Stand­fest“ der Dia­ko­nie, bei dem Ju­gend­li­che über die Ge­fah­ren des so ge­nann­ten Ko­ma-Trin­kens auf­ge­klärt wer­den. Wäh­rend ih­rer Ar­beits­ein­sät­zen ist Bot­scher nicht al­lein. Sie wird be­glei­tet von eh­ren­amt­li­chen Mit­ar­bei­tern der Dia­ko­nie, die nur we­nig äl­ter sind als die­je­ni­gen, die in der Alt­stadt, auf der Kir­mes oder auf Schü­ler­par­tys an­ge­spro­chen wer­den.

„Wir nen­nen das Peer-to-PeerPäd­ago­gik“, er­klärt An­ja Ven­nedey, die Lei­te­rin des Sucht­be­ra­tungs­und The­ra­pie­zen­trums der Dia­ko­nie, von dem das Pro­jekt „Stand­fest“ ent­wi­ckelt wur­de. Ge­meint ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter gleich­ran­gi­gen Ge­sprächs­part­nern. Seit dem Be­ginn des Pro­jekts wur­den sechs Peers aus­ge­bil­det. Sie al­le sind zwi­schen 18 und 22 Jah­re alt und kei­ne kla­ren Geg­ner des Al­ko­hols. „Es muss ei­ne ge­wis­se Ak­zep­tanz da sein, schließ­lich möch­ten wir nicht mit dem er­ho­be­nen Zei­ge­fin­ger auf die Ju­gend­li­chen zu­ge­hen“, er­klärt Ven­nedey. Die Peers wur­den zum größ­ten Teil an der Uni­ver­si­tät ge­fun­den, an der sie so­zia­le Fä­cher stu­die­ren.

Spie­le­ri­scher Um­gang

Statt mit dem er­ho­be­nen Zei­ge­fin­ger soll mit dem The­ma spie­le­risch um­ge­gan­gen wer­den. „Wir ge­hen zum Bei­spiel mit ei­nem Quiz auf Par­tys, bei dem die Ju­gend­li­chen zehn Fra­gen be­ant­wor­ten kön­nen“, er­zählt Bot­scher. Für die rich­ti­gen Ant­wor­ten auf Fra­gen, wie „Wie lan­ge hat man noch Al­ko­hol im Blut, nach­dem man ein Glas Bier ge­trun­ken hat?“ gibt es klei­ne Prei­se, zum Bei­spiel ei­ne Han­dy­Ta­sche, Sti­cker oder ei­ne Post­kar­te.

An­de­re Mög­lich­kei­ten der Kon­takt­auf­nah­me ha­ben die sechs Peers und Bot­scher wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en ge­übt. In ei­nem Fe­ri­en­pro­gramm ei­ner Ju­gend­frei­zeit­ein­rich­tung ha­ben sie ei­nen „Rausch-Par­cours“ auf­ge­baut, bei dem Ju­gend­li­che ei­ne Bril­le tru­gen, die die Sicht ei­nes Be­trun­ke­nen mit mehr als ei­nem Pro­mil­le Al­ko­hol im Blut imi­tiert, und dann be­stimm­te Prü­fun­gen ab­sol­vier­ten. „Wir möch­ten die Ju­gend­li­chen spie­le­risch für das The­ma sen­si­bi­li­sie­ren“, sagt Bot­scher.

Wich­tig da­zu sei, dort­hin zu ge­hen, wo die Ju­gend­li­chen ih­re Frei­zeit ver­brin­gen. Des­halb ha­ben die Peers ih­re Ein­sät­ze zum Bei­spiel in der Alt­stadt, sie ge­hen zu Schüt­zen­fes­ten, auf Par­tys oder im Som­mer auf die Rhein­wie­sen. Zu Be­ginn hat­ten Bot­scher und Ven­nedey die Be­fürch­tung, dass die jun­gen Eh­ren­amt­li­chen bei den Ju­gend­li­chen auf Ab­leh­nung sto­ßen könn­ten. „Wir hat­ten Angst, dass die uns als Spaß­brem­se se­hen wür­den“, er­zählt Bot­scher. Das Ge­gen­teil war aber der Fall. „Wir sind bis­her noch nie­mals Hä­me be­geg­net.“ Statt des­sen hät­ten vie­le der An­ge­spro­che­nen das Pro­jekt be­grüßt und die Eh­ren­amt­li­chen so­gar da­für ge­lobt. „Und das Quiz macht ih­nen oft rich­tig Spaß. Bei grö­ße­ren Grup­pen ent­ste­hen da­durch rich­ti­ge Dis­kus­sio­nen“, er­zählt Bot­scher.

FO­TO: GE­RALD BIE­BERS­DORF

Die Dia­ko­nie-Eh­ren­amt­li­che Jil­lWort­mann (l.) macht mit ei­ner Ju­gend­li­chen das Quiz zum Al­ko­hol.

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