Mahn­wa­che der Leh­man-Op­fer

Der Jah­res­tag der Plei­te der In­vest­ment­bank jähr­te sich ges­tern zum zwei­ten Mal. Rent­ner, die durch die In­sol­venz gro­ße Tei­le ih­res Ver­mö­gens ver­lo­ren, zo­gen in ei­nem sym­bo­li­schen Trau­er­zug zur Haupt­stel­le der Targo­bank.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON JAN SCHNETTLER UND THO­MAS BUSSKAMP (FO­TOS)

„20 000 Eu­ro ver­lo­ren“

Sie sind nicht mehr die Jüngs­ten, aber sie las­sen sich nichts ge­fal­len: Rund 40 Se­nio­ren, die im Zu­ge der In­sol­venz der ame­ri­ka­ni­schen In­vest­ment­bank Leh­man Bro­thers gro­ße Tei­le ih­rer Er­spar­nis­se ver­lo­ren, pro­tes­tier­ten ges­tern vor der Targo­bank an der Scha­dow­stra­ße und mar­schier­ten von dort als Trau­er­zug zur Haupt­stel­le der Bank an der Ka­ser­nen­stra­ße. Es war der zwei­te Jah­res­tag der Leh­man-In­sol­venz, und be­son­ders die Targo­bank (frü­her Ci­ti­bank) und die Com­merz­bank (frü­her Dresd­ner Bank) wer­den be­schul­digt, ih­re Op­fer nicht aus­rei­chend ent­schä­digt zu ha­ben. Zu ei­ner sym­bo­li­schen Lei­chen­schau leg­ten sich meh­re­re De­mons­tran­ten auf den As­phalt, an­de­re wa­ren als To­ten­grä­ber oder als Sen­sen­mann ver­klei­det. Vie­le tru­gen Schil­der mit ver­frem­de­ten Wer­be­sprü­chen („So geht Bank heu­te Nicht“) und skan­dier­ten Pa­ro­len.

Re­na­te L. und ihr Mann Gerhard aus Un­ter­rath ver­lo­ren 18 000 Eu­ro, „weil wir in der Dresd­ner Bank an der Kal­ku­mer Stra­ße falsch be­ra­ten wur­den“. Seit zwei Jah­ren geht das Ehe­paar, das sei­nen Nach­na­men nicht nennt, weil bald ge­klagt wer­den soll, zu je­der De­mons­tra­ti­on der Leh­man-Ge­schä­dig­ten. „Wir ha­ben ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung ver­sucht, aber die Bank be­haup­tet wei­ter, wir sei­en gut und rich­tig be­ra­ten wor­den“, sagt Re­na­te L. „Da­bei wur­de so­gar das Wort ,Leh­man’ deutsch aus­ge­spro­chen. Hät­ten sie das eng­lisch be­tont, wä­ren wir doch so­fort hell­hö­rig ge­wor­den.“

Mar­lies Kroll aus Dort­mund ver­lor 20 000 Eu­ro, „eben­falls durch die Dresd­ner Bank“. Die Bank be­haup­te, sie ha­be im Vor­feld gut über al­le Ri­si­ken auf­ge­klärt. „Dann hät­te man mir ei­nen über 100 Sei­ten di­cken Ver­kaufs­pro­spekt in­ner­halb von we­ni­gen Mi­nu­ten am Te­le­fon er­klä­ren müs­sen“, sagt Kroll. Ru­dolf Hol­le aus Duis­burg möch­te nicht über die Sum­me spre­chen, die sei­ne Frau und er ver­lo­ren. „Da­von hät­te ich mir ein tol­les Au­to kau­fen kön­nen“, sagt er le­dig­lich: „Wir ha­ben un­se­rem Bank­be­ra­ter ver­traut, man kann­te sich seit Jah­ren.“ Wäh­rend vie­le der De­mons­tran­ten auf den Ber­li­ner Ban­kenom­buds­mann hof­fen, setzt Hol­le auf den bel­gi­schen Ak­tio­närs­dienst­leis­ter De­mi­nor, der Gläu­bi­ger von Leh­man Bro­thers zu­sam­men­führt.

Bis es mög­li­cher­wei­se so weit ist, wol­len die De­mons­tran­ten wei­ter­strei­ten: „Wir ha­ben den Krieg über­lebt und den Wie­der­auf­bau mit­ge­macht. De­mons­triert ha­ben wir vor­her noch nie. Aber es kann nicht sein, dass die Ban­ken auf Ver­jäh­rungs­fris­ten hof­fen – und dar­auf, dass wir ein­fach weg­ster­ben.“

„Die­se Bank geht über Lei­chen“: Vor der Targo­bank an der Scha­dow­stra­ße leg­ten sich meh­re­re De­mons­tran­ten für ei­ni­ge Mi­nu­ten auf den As­phalt. Die ehe­ma­li­ge Ci­ti­bank steht mit der Com­merz­bank im Zen­trum der Kri­tik.

Mar­lies Kroll 20 000 Eu­ro.

(76) aus Dort­mund ver­lor

Ru­dolf Hol­le (71) aus Duis­burg gibt die Hoff­nung nicht auf.

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