St­ein­brück: Mer­kel ma­nagt Kri­se schlecht

Die Eu­ro-Kri­se ist noch nicht vor­bei, warnt der frü­he­re SPD-Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter. Er wirft der Kanz­le­rin vor, bei Grie­chen­land zu spät und zu we­nig ge­hol­fen zu ha­ben.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON ANTJE HÖNING, AN­JA INGENRIETH UND MAR­TIN KESS­LER

DÜSSELDORF Der frü­he­re Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Peer St­ein­brück (SPD) geht da­von aus, dass Grie­chen­land auf Dau­er nicht um ei­ne kon­trol­lier­te Plei­te her­um­kommt. „Grie­chen­land wird al­lein nicht aus sei­ner Schul­den­mi­se­re her­aus­kom­men. Das zu sa­gen, ist zwar ein Ta­bu­bruch, aber es stimmt“, sag­te St­ein­brück im In­ter­view mit un­se­rer Zei­tung. Vor ei­nem Jahr hat­te der Chef der Deut­schen Bank, Jo­sef Acker­mann, mit ei­ner ähn­li­chen Mut­ma­ßung schon ein­mal ei­nen Sturm der Ent­rüs­tung aus­ge­löst.

Mit dem 110 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren Ret­tungs­schirm, den die Eu­ro-Staa­ten und der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds bis zum Jahr 2012 für Grie­chen­land auf­ge­spannt ha­ben, sei nur Zeit ge­kauft wor­den. „Ei­nes Ta­ges wer­den auch die Gläu­bi­ger von Grie­chen­land ih­ren Bei­trag leis­ten müs­sen. Da­zu ge­hö­ren vie­le deut­sche Ban­ken, aber vor al- lem fran­zö­si­sche“, sag­te St­ein­brück. Ei­nen Bei­trag leis­ten heißt, dass die Zeich­ner von grie­chi­schen Staats­an­lei­hen nur ei­nen Teil ih­res Gel­des zu­rück­be­kom­men.

Zu­gleich kri­ti­sier­te der frü­he­re Fi­nanz­mi­nis­ter sei­nen Nach­fol­ger Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) und Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Auf die Fra­ge, ob die Bun­des­re­gie­rung ih­re Sa­che gut ge­macht ha­be, sag­te St­ein­brück: „Nein. Es war früh klar, dass Grie­chen­land und da­mit der Eu­ro nicht oh­ne ei­nen kräf­ti­gen deut­schen Bei­trag sta­bi­li­siert wer­den kön­nen. Die Kanz­le­rin aber ge­fiel sich lan­ge in der Rol­le der Ma­dame No oder Ei­ser­nen Kanz­le­rin.“ Sie ha­be sich von deut­schen Bou­le­vard­zei­tun­gen trei­ben las­sen, die Stim­mung ge­gen Grie­chen­land mach­ten, und ha­be ge­hofft, die gan­ze An­ge­le­gen­heit über die NRW-Land­tags­wahl im Mai ver­ta­gen zu kön­nen.

St­ein­brück fürch­tet, dass die Kri­se wie­der­kommt: Vie­le Ban­ken sä­ßen noch auf fau­len Kre­di­ten, die sie bis­lang nicht ab­ge­schrie­ben hät­ten. Ab­schrei­bun­gen auf Grie­chen­land-An­lei­hen wür­den hin­zu­kom­men. Au­ßer­dem sei es frag­lich, ob der Auf­schwung selbst­tra­gend und da­mit von Dau­er sei. Denn er ge­he im We­sent­li­chen auf ei­ne lo­cke­re Geld­po­li­tik und staat­li­che Kon­junk­tur­maß­nah­men zu­rück.

Die dro­hen­de Plei­te von Eu­ro­Staa­ten be­schäf­tig­te ges­tern auch den EU-Gip­fel, an dem Mer­kel teil­nahm. In Brüssel wird ne­ben Grie­chen­land Ir­land als nächs­ter Bitt­stel­ler für den Ret­tungs­schirm ge­han­delt. Auch Por­tu­gal ist nicht über den Berg. Die durch­schnitt­li­che Staats­ver­schul­dung in der Eu­ro-Zo­ne steigt 2011 laut EU-Pro­gno­se auf 88 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts. Zwölf von 16 Eu­ro­Staa­ten ha­ben ei­ne Ge­samt­ver­schul­dung von mehr als 60 Pro­zent ih­res So­zi­al­pro­dukts und ver­letz­ten da­mit den Sta­bi­li­täts­pakt. Im­mer­hin ge­lang es Spa­ni­en ges­tern, vier Mil­li­ar­den Eu­ro am frei­en Ka­pi­tal­markt ein­zu­sam­meln. Grie­chen­land hat da­ge­gen wei­ter kei­nen Zu­gang zum Ka­pi­tal­markt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.