Lau­mann,

Karl-Jo­sef der Vor­sit­zen­de der CDU-Frak­ti­on im Düs­sel­dor­fer Land­tag, üb­te zwar hef­ti­ge Kri­tik an der Re­gie­rungs­er­klä­rung von SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re doch sei­ne Re­de wirk­te in wei­ten Tei­len ziem­lich weich­ge­spült. „Ich bin au­ßer­or­dent­lich ge­las­se

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON DET­LEV HÜWEL

DÜSSELDORF Land­tag, ges­tern Mor­gen 10.15 Uhr. Es ist sei­ne gro­ße St­un­de. Karl-Jo­sef Lau­mann, der fünf Jah­re lang Ar­beits­mi­nis­ter in NRW war, hält sei­ne ers­te Re­de als neu­er CDU-Op­po­si­ti­ons­chef. Mit hoch­ro­tem Kopf zer­pflückt der fül­li­ge 53-Jäh­ri­ge die Re­gie­rungs­er­klä­rung von SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft vom Vor­tag. Nord­rhein-West­fa­len ha­be kei­ne star­ke Re­gie­rung, sagt er und wirft Kraft vor: „Sie ha­ben kein Kon­zept für die Zu­kunft.“

Die bis­lang höchs­te Neu­ver­schul­dung, ei­ne un­kla­re Schul­po­li­tik mit Ten­denz zur Ein­heits­schu­le und die Ge­fähr­dung in­dus­tri­el­ler Ar­beits­plät­ze – das sind zen­tra­le An­griffs­punk­te in sei­ner gut ein­stün­di­gen Re­de, die aber nur dann mit­rei­ßend ist, wenn Lau­mann das Ma­nu­skript bei­sei­te legt und los­dröhnt. „Sie sind der ein­zi­ge Fi­nanz­mi­nis­ter in ganz Deutsch­land, der kei­ne Ein­spar­vor­schlä­ge vor­legt“, herrscht er Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) an. Und setzt nach: „Wenn ich so vor­ge­hen wür­de, wür­de mir mei­ne Frau al­le Bank­voll­mach­ten weg­neh­men – und sie hät­te recht.“

Über wei­te Stre­cken hält sich Lau­mann je­doch an den vor­ge­fer­tig­ten Re­de­text. Er ver­has­pelt sich, spricht mit mo­no­to­ner Stim­me. Ein Hauch von Lan­ge­wei­le brei­tet sich aus. Der Zwi­schen­ap­plaus, an dem sich der frü­he­re Re­gie­rungs­chef Jür­gen Rütt­gers eif­rig be­tei­ligt, soll dem weich­ge­spült wir­ken­den Frak­ti­ons­chef zu ge­wohn­ter An­griffs­lust ver­hel­fen.

Als er er­regt die Schul­den­po­li­tik an­pran­gert und von der SPD zur Be­sänf­ti­gung ge­mahnt wird, blafft Lau­mann zu­rück: „Wenn Sie die Zu­kunft mei­ner Kin­der aufs Spiel set­zen, kann ich schon mal en­er­gisch wer­den.“ An­sons­ten, so lässt er we­nig spä­ter wis­sen, „bin ich für mei­ne Ver­hält­nis­se heu­te Mor­gen au­ßer­or­dent­lich ge­las­sen“.

Vi­el­leicht zu ge­las­sen. Von ei­nem Op­po­si­ti­ons­füh­rer, der zum Fron­tal­an­griff auf die neue Re­gie­rungs­che­fin ge­star­tet ist, hät­te man­cher Uni­ons­po­li­ti­ker si­cher mehr Biss er­war­tet. Lau­mann aber geht noch nicht ein­mal auf das am­bi­va­len­te Ver­hält­nis von Rot-Grün zur Link­s­par­tei ein, son­dern klam­mert die­se klamm­heim­li­che Li­ai­son ganz ein­fach aus. Statt­des­sen ap­pel­liert er zum Schluss mit sanf­ter Stim­me an die Re­gie­rung, bei der Be­hin­der­ten­po­li­tik, dem Maß­re­gel­voll­zug und der In­te­gra­ti­on das Par­tei­po­li­ti­sche hint­an­zu­stel­len und nach Ge­mein­sam­kei­ten zu su­chen – was die Red­ner von SPD und Grü­nen dank­bar quit­tie­ren, bie­tet sich hier doch die Chan­ce, mit der Uni­on ei­ne Mehr­heit zu­stan­de zu brin­gen.

An­ders als Lau­mann drischt FDPFrak­ti­ons­chef Gerhard Pap­ke scho­nungs­los auf die Min­der­heits­re­gie­rung ein. Wenn sie „die Hand an er­folg­rei­che Re­al­schu­len und Gym­na­si­en legt, wird sie ei­nen Volks­auf­stand in NRW pro­vo­zie­ren“, sagt er vor­aus. Die von Kraft aus­ge­ru­fe­ne „Ko­ali­ti­on der Ein­la­dung“ sei ein „Täu­schungs­ma­nö­ver“, denn schon vor der Som­mer­pau­se ha­be Rot-Grün be­gon­nen, „er­folg­rei­che Re­form­pro­jek­te der Vor­gän­ger­re­gie­rung zu be­sei­ti­gen“. Sein Fa­zit: Krafts Re­gie­rungs­er­klä­rung sei „ein ein­zi­ger Of­fen­ba­rungs­eid“.

Bär­bel Beu­er­mann, Frak­ti­ons­che­fin der elf­köp­fi­gen Links-Frak­ti­on, drängt die Re­gie­rung zu en­er­gi­sche­rem Vor­ge­hen bei den Re­for­men. Aber Rot-Grün feh­le bis­lang „of­fen­sicht­lich der Wil­le“. Sie er­in­nert dar­an, dass oh­ne ih­re Par­tei Kraft nicht Mi­nis­ter­prä­si­den­tin ge- wor­den wä­re. Dann reibt sie der SPD selbst­be­wusst un­ter die Na­se, „als Par­tei des klei­nen Man­nes aus­ge­dient zu ha­ben“. Die Lin­ke wer­de im Land­tag für ei­nen „de­mo­kra­ti­schen So­zia­lis­mus“ kämp­fen.

Han­ne­lo­re Kraft ver­tei­digt die von der Op­po­si­ti­on at­ta­ckier­te Ab­schaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren und die Neu­ver­schul­dung, die in die­sem Jahr auf „rund neun Mil­li­ar­den Eu­ro“ klet­tern wird. Spar-Ope­ra­tio­nen und die Re­du­zie­rung des Lan­des­per­so­nals bräch­ten NRW bei der Kon­so­li­die­rung nicht wei­ter, sagt sie – wie schon am Vor­tag in ih­rer Re­gie­rungs­er­klä­rung. Auch zu Zei­ten der schwarz-gel­ben Re­gie­rung sei­en in fünf Jah­ren un­ter dem Strich le­dig­lich 2416 Stel­len weg­ge­fal­len – „da­mit kriegt man kei­nen Etat sa­niert“. Kraft setzt vor al­lem auf die Hil­fe des Bun­des.

An­ge­sichts der ste­tig stei­gen­den Be­las­tun­gen der Kom­mu­nen sieht auch Lau­mann zu­nächst den Bund in der Pflicht, be­vor das Land ein­springt. Der ge­lern­te Ma­schi­nen­schlos­ser for­mu­liert es so: „Erst muss das Loch im Ei­mer ge­stopft sein, ehe das Land wei­te­re Fi­nanz­mit­tel hin­ein­schüt­tet.“

FO­TOS: DPA

Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) ver­folg­te zum Teil amü­siert die Re­de von CDU-Op­po­si­ti­ons­chef Karl-Jo­sef Lau­mann.

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