Gibt Gut­ten­berg Hardthö­he auf?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Die le­gen­dä­re Hardthö­he in Bonn, im­mer noch ers­ter Sitz des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung, könn­te ih­re Funk­ti­on als Zen­tra­le des Mi­nis­te­ri­ums ver­lie­ren. Die­se Über­le­gung hat dem Ver­neh­men nach die von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) be­auf­trag­te Struk­tur­kom­mis­si­on un­ter der Lei­tung des Chefs der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, Hans-Jür­gen Wei­se, an­ge­stellt.

Po­li­ti­ker aus NRW be­eil­ten sich, auf das Bonn-Berlin-Ge­setz zu ver­wei­sen, das den Ver­bleib der Bun­des­mi­nis­te­ri­en am Rhein auf un­be­stimm­te Zeit ga­ran­tiert. „Das gilt“, hieß es da­zu in der Ko­ali­ti­on. Al­ler­dings ar­bei­tet die Wei­se-Kom­mis­si­on an ei­ner Ver­schlan­kungs-Per­spek­ti­ve des Mi­nis­te­ri­ums, die zwar auf ei­nen for­ma­len „Um­zug“ des kom­plet­ten Mi­nis­te­ri­ums hin­aus­läuft, den Stand­ort Bonn da­bei aber bei­na­he un­an­ge­tas­tet lässt.

Da­bei geht es nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung dar­um, Dop­pel­struk­tu­ren ab­zu­bau­en und gan­ze Füh­rungs­stä­be aus dem Mi­nis­te­ri­um her­aus­zu­lö­sen und mit Amts­stel­len der Teil­streit­kräf­te zu ver­schmel­zen. So könn­te der In­spek­teur des Hee­res mit dem Füh­rungs-

Skiz­ze: Mi­nis­te­ri­um kom­plett nach Berlin, ver­dich­te­te Äm­ter auf die Hardthö­he

stab des Hee­res das Mi­nis­te­ri­um ver­las­sen und an die Stel­le der Lei­tungs­ebe­nen des Hee­re­sam­tes und wei­te­rer Hee­res­stä­be tre­ten. Die­se her­aus­ge­lös­ten und in die Trup­pe in­te­grier­ten Ab­tei­lun­gen lie­ßen sich dann in Bonn zu­sam­men­fas­sen, wäh­rend in Berlin das stark ver­schlank­te Mi­nis­te­ri­um kon­zen­triert wür­de. Der­zeit zählt das Mi- nis­te­ri­um rund 3200 Of­fi­zie­re, Be­am­te und An­ge­stell­te, von de­nen 2700 in Bonn ar­bei­ten.

Ei­ne Um­struk­tu­rie­rung im Sin­ne der ers­ten Über­le­gun­gen in der Wei­se-Kom­mis­si­on wür­de da­zu füh­ren, dass wei­ter­hin Tau­sen­de Be­schäf­tig­te in Bonn ar­bei­ten, aber das Tür­schild „Bun­des­mi­nis­te­ri­um“ aus­ge­tauscht wird. „Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass auf der Hardthö­he in Zu­kunft nur noch Scha­fe wei­den“, sag­te CDU-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Jür­gen Hardt un­se­rer Zei­tung. Die Prä­senz ste­he im Bonn-Berlin-Ver­trag, und des­sen Zu­sa­gen sei­en ein­zu­hal­ten.

Der Lin­ken-Ver­tei­di­gungs­ex­per­te Ste­fan Lie­bich aus Berlin sag­te, ein Wech­sel des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums wä­re „ein wich­ti­ger Schritt, den Kom­plett­um­zug al­ler Mi­nis­te­ri­en end­lich in An­griff zu neh­men“. Im 20. Jahr der Ein­heit sei nicht ein­zu­se­hen, war­um im­mer noch Mi­nis­te­ri­en ge­teilt sei­en und im­men­se Kos­ten ver­ur­sach­ten.

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