Streit um Beuys und Moy­land

Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Stif­tung Mu­se­um Schloss Moy­land und dem Beuys-Nach­lass geht wei­ter. Statt die gro­ßen Beuys-Aus­stel­lun­gen in Düsseldorf und Moy­land zu fei­ern, trifft man sich vor Ge­richt.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON MATTHIAS GRASS

DÜSSELDORF/MOY­LAND Das Werk von Jo­seph Beuys wird ge­fei­ert in den Mu­se­en des Rhein­lands. In Düsseldorf sind die gro­ßen In­stal­la­tio­nen zu se­hen, wie das Schlit­ten­ru­del aus Kas­sel. Die Stif­tung Mu­se­um Schloss Moy­land zeigt die zar­ten Zeich­nun­gen, auf de­nen Beuys den „Ener­gie­plan“ sei­nes spä­te­ren Schaf­fens skiz­ziert ha­ben soll. Doch statt in Moy­land die Wer­ke zu fei­ern, trifft man sich vor Ge­richt. Der lan­ge schwe­len­de Streit zwi-

„Eva Beuys ist bei uns je­der­zeit

will­kom­men“

schen dem Beuys-Nach­lass und der Stif­tung lo­dert mal wie­der.

„Na­tür­lich ha­ben wir Eva Beuys ein­ge­la­den. Sie ist je­der­zeit will­kom­men, un­se­re Aus­stel­lung ,Ener­gie­plan’ zu be­su­chen“, sagt Bettina Paust, Di­rek­to­rin des Mu­se­ums. Doch Eva Beuys kommt nicht. Im Ge­gen­teil: Sie miss­traut der aus­ge­streck­ten Hand, fühlt sich von ei­ner Rei­he von Ver­fah­ren be­droht. Moy­land ha­be ei­nen ag­gres­si­ven Weg ein­ge­schla­gen, sagt Gerhard Pfen­nig von der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Bild-Kunst, der auch Eva Beuys ver­tritt. Die Stif­tung kom­mu­ni­zie­re nur noch mit ju­ris­ti­schen Schrift­sät­zen ih­rer Ber­li­ner An­wäl­te, statt das Ge­spräch zu su­chen: „Was ist das für ein Um­gang? Da muss sich auch die Lan­des­re­gie­rung fra­gen, ob sie die­sen Stil so wei­ter­füh­ren und vor al­lem so wei­ter­fi­nan­zie­ren will“, mit die­sen Wor­ten at­ta­ckiert Pfen­nig die Moy­län­der. Man dür­fe sich nicht über die Rech­te der Wit­we an den Wer­ken ih­res Man­nes hin­weg­set­zen, son­dern müs­se ih­re Mit­ar­beit su­chen. „Frau Beuys möch­te nicht ein­mal mehr ei­nen Sitz im Ku­ra­to­ri­um“, sagt jetzt Pfen­nig. Aber man müs­se ihr schon den Ein­blick in die Werk­lis­ten ge­ben, mit ihr klä­ren, wel­che Wer­ke und Ar­chi­va­li­en tat­säch­lich wem ge­hö­ren.

Denn Eva Beuys be­män­gelt, dass ihr die Lis­te mit al­len Wer­ken, die Beuys zu­ge­schrie­ben wer­den, ver­wehrt wird. Sie be­strei­tet seit Jah­ren nicht nur, dass die Wer­ke in Moy­land wirk­lich al­le von Beuys stam­men, son­dern auch, dass un­zäh­li­ge Ar­chi­va­li­en und Do­ku­men­te aus dem Moy­län­der Beuys-Ar­chiv gar nicht im Be­sitz der Samm­ler Hans und Franz-Jo­seph van der Grin­ten ge­we­sen sei­en. Beuys ha­be man­che Wer­ke und vor al­lem die Ar­chi­va­li­en, so die Les­art der Wit­we, den Brü­dern nur zur Auf­be­wah­rung ge­ge­ben. Und das möch­te sie an­hand der Lis­te über­prü­fen. Was die Stif­tung ihr ver­wehrt: Frau Beuys sol­le doch die Wer­ke be­nen­nen, die der Stif­tung nicht ge­hö­ren, sag­te der Spre­cher des Stif­tungs­vor­stan­des, Franz Ru­dolf van der Grin­ten. Klagt Pfen­nig über die ag­gres­si­ven Kla­ge­An­dro­hun­gen von Moy­land, so be­schwert man sich im Was­ser­schloss post­wen­dend über die har­ten Ban­da­gen des Beuys-Nach­las­ses: Man ha­be le­dig­lich auf des­sen dro­hen­de Kla­gen re­agiert. Paust: „Der Nach­lass er­hebt öf­fent­lich Ei­gen­tums­for­de­run­gen, oh­ne die ein­zel­nen Wer­ke zu be­nen­nen, möch­te das Moy­län­der Beuys-Ar­chiv nach Düs- sel­dorf ha­ben und droht uns da­mit, ei­ne ent­spre­chen­de Kla­ge sei in Vor­be­rei­tung. Die­se Atta­cken lau­fen seit 2009. Den Um­gangs­stil hat Pro­fes­sor Pfen­nig vor­ge­ge­ben. Ei­ne Ein­sicht in die di­gi­ta­le Be­stand­lis­te ist für Frau Beuys bei uns mög­lich.“

Bettina Paust hat seit ih­rem An­tritt als Di­rek­to­rin frü­he­re Streit­punk­te schon aus dem Weg ge­räumt: Das Schloss wird um­ge­baut, die en­ge Moy­län­der Hän­gung ist Schnee von ges­tern, und die BeuysSamm­lung soll ganz neu prä­sen­tiert wer­den. Schließ­lich will Moy­land ein in­ter­na­tio­nal an­er­kann­tes Beuys-Zen­trum wer­den.

Den­noch sieht sich Paust ei­ner „Blo­cka­de­hal­tung aus­ge­setzt“, sagt sie. So un­ter­sag­te ihr der BeuysNach­lass, den von ei­nem gu­ten Dut­zend an­er­kann­ter Wis­sen­schaft­ler er­ar­bei­te­ten Ka­ta­log zur ak­tu­el­len Aus­stel­lung „Jo­seph Beuys. Ener­gie­plan“ zum Früh­werk des Künst­lers als Ver­lags­aus­ga­be zu ver­kau­fen. Doch nicht nur Pu­bli­ka­tio­nen aus dem Moy­län­der Mu­se­um wer­den blo­ckiert; Pro­ble­me ha­be es auch beim Ka­ta­log zur Aus­stel­lung „Lehmbruck – Beuys“ in Duis­burg ge­ge­ben, sagt Paust.

We­gen des Streits um die Rech­te an Beuys-Fo­to­gra­fi­en, der vor dem Land­ge­richt Düsseldorf aus­ge­foch­ten wird, at­tes­tier­te Pfen­nig der Di­rek­to­rin gar ei­nen Fehl­start. Die Kla­ge am Land­ge­richt reich­te die VG Bild-Kunst ein. Moy­land kon­tert mit ei­ner Auf­sichts­be­schwer­de beim Deut­schen Pa­tent-und Mar­ken­amt, weil Pfen­nig so­wohl die Bild-Kunst als auch Frau Beuys ver­tritt. Das Mar­ken­amt ging der Be­schwer­de nicht nach. Und auch bei dem von Moy­land in­iti­ier­ten Beuys-For­schungs­preis gab es Zwist um die Na­mens­rech­te. Und ju­ris­ti­schen Schrift­ver­kehr.

Vi­el­leicht soll­ten sich die Par­tei­en in den Beuys-Aus­stel­lun­gen tref­fen. Nur dies steht fest: Am 29. Sep­tem­ber will das Land­ge­richt Düsseldorf ein Ur­teil im zur­zeit lau­fen­den Ur­he­ber­rechts­streit spre­chen. Dar­in geht es um die Fra­ge, ob ei­ne be­stimm­te Rei­he von Fo­to­gra­fi­en, die Ak­tio­nen von Beuys do­ku­men­tie­ren, aus­ge­stellt wer­den darf.

FO­TO: GETLINGER

Eva und Jo­seph Beuys im Tier­gar­ten Kle­ve – Fritz Getlinger por­trä­tier­te die bei­den im Som­mer 1958.

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