Ze­ro-Kunst in Neuss

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON HEL­GA BITT­NER

NEUSS Die Ge­schich­te der jüngs­ten Aus­stel­lung in der Lan­gen Foun­da­ti­on auf der Ra­ke­ten­sta­ti­on in Hom­broich ist auch die ei­ner lan­gen Freund­schaft. Denn dass in dem von Ta­dao An­do er­bau­ten Kunst­haus zum ers­ten Mal in die­sem Um­fang Bil­der des flä­mi­schen Ma­lers Jef Ver­he­yen ge­zeigt wer­den, ist der Be­harr­lich­keit und An­häng­lich­keit des Düs­sel­dor­fer Künst­lers Gün­ther Ue­cker zu ver­dan­ken. Seit der ers­ten Be­geg­nung Ue­ckers mit Ver­he­yen 1958 in Ant­wer­pen (ge­mein­sam mit Ot­to Pie­ne, Yves Klein und Heinz Mack) bis zu Ver­he­yens plötz­li­chem Tod im Jah­re 1984 hat es zwi­schen den bei­den ei­nen in­ten­si­ven künst­le­ri­schen und pri­va­ten Aus­tausch ge­ge­ben.

Ob­wohl der nur 53 Jah­re alt ge­wor­de­ne Jef Ver­he­yen als ei­nes der ein­fluss­reichs­ten Mit­glie­der der Künst­ler­grup­pe Ze­ro gilt, ist die Neus­ser Aus­stel­lung zur Düs­sel­dor­fer Qua­dri­en­na­le nun die ers­te in Deutsch­land, die sei­ne Ar­beit in gro­ßem Um­fang zeigt. 32 Ar­bei­ten do­ku­men­tie­ren sei­nen Wer­de­gang von den ers­ten mo­no­chro­men Bil­dern in Braun und Schwarz En­de der 50er, An­fang der 60er Jah­re bis zu den letz­ten aus den 80er Jah­ren, die vor Far­be ge­ra­de­zu ex­plo­die­ren. Und sie ver­mit­teln nach­hal­tig, was Ue­cker so for­mu­liert: „Es gibt kaum ei­nen zwei­ten Künst­ler, der so kon­zen­triert das Licht er­fasst.“

Da­bei ist noch nicht ein­mal er­forscht, mit wel­chen Far­ben Ver­he­yen an den ver­blüf­fend plas­tisch wir­ken­den „ge­mal­ten Räu­men“, wie er selbst sag­te, ge­ar­bei­tet hat. Er ha­be viel ex­pe­ri­men­tiert und Ma­te­ria­li­en ge­mischt, sagt Dirk Pör­sch­mann, der die Aus­stel­lung für die Ze­ro Foun­da­ti­on ku­ra­tiert hat, und je­des Bild sei an­ders.

Was al­le eint, ist in­des das Er­geb­nis: Ob mehr­far­big wie „The De­sert“ oder mo­no­chrom wie „Blau­we“ – je­des Bild ent­wi­ckelt ein Ei­gen­le­ben, je län­ger man hin­schaut. Die aus der Ent­fer­nung wahr­ge­nom­me­ne far­bi­ge Flä­che ver­wan­delt sich in der Nah­be­trach­tung zu ei­nem tie­fen, leuch­ten­den Raum, der von in­nen an­ge­strahlt zu sein scheint. Dann erst wer­den auch Schat­tie­run­gen sicht­bar, las­sen sich Kon­tu­ren er­ah­nen un­ter den wie im Dunst lie­gen­den Farb­schich­ten. Die Aus­stel­lung lie­fert ei­ni­ge be­ein­dru­cken­de Bei­spie­le da­für, wie nah Ver­he­yen sei­nem ei­ge­nen Ziel, ein trans­pa­ren­tes Bild zu ma­len, ge­kom­men ist.

Ver­he­yen fühl­te sich der Tra­di­ti­on der al­ten flä­mi­schen Ma­le­rei ver­haf­tet und lieb­te die Land­schaft sei­ner Hei­mat. All die­se Ein­flüs­se nahm er zwar auf, aber er ließ sie ge­wis­ser­ma­ßen durch sein In­ne­res flie­ßen und ver­wan­del­te sie in neue, abs­trak­te Bil­der. „Se­hen, das ist füh­len mit den Au­gen“, so hat er es selbst ein­mal um­schrie­ben. Oder wie sein Freund Gün­ther Ue­cker sagt: „Sei­ne Ma­le­rei ist ein Be­kennt­nis zur geis­ti­gen Wirk­lich­keit, die Jef er­fah­ren hat.“

Der ge­gen­sei­ti­gen Be­ein­flus­sung von Ver­he­yen, Ue­cker, Pie­ne, Mack, Klein, aber auch Lu­cio Fon­ta­na und vor al­lem Her­mann Go­e­pfert wird in der Neus­ser Aus­stel­lung ein ho­her Stel­len­wert ein­ge­räumt. So zei­gen 32 Ar­bei­ten sei­ner Freun­de, wie frucht­bar der künst­le­ri­sche Aus­tausch war. Von Ue­cker ist gar ei­ne Hom­mage da­bei. Sein „Him­mels­bo­gen für Jef Ver­he­yen“ ent­stand vier Jah­re nach des­sen Tod. „Ich glau­be, Jef ist im Him­mel an­ge­kom­men“, sagt Ue­cker lä­chelnd.

Info

FO­TO: S. BÜNTIG

Gün­ther Ue­cker mit sei­nem „Him­mels­bo­gen für Jef Ver­he­yen“

RE­PRO: LAN­GEN FOUN­DA­TI­ON

Ge­mäl­de von Wüs­te“

Jef Ver­he­yen:

„Die

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