Spa­nier wol­len Hoch­tief kau­fen

Re­al-Ma­drid-Prä­si­dent Flo­ren­ti­no Pé­rez hat den Es­se­ner Vor­stand kom­plett über­rum­pelt. Sein ACS-Im­pe­ri­um be­rei­tet die Über­nah­me des deut­schen Bau­kon­zerns vor. Die Hoch­tief-Ak­tio­nä­re be­kom­men ein An­ge­bot.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS REISENER

ES­SEN Sei­ne ga­lan­ten Um­gangs­for­men täu­schen. Hin­ter den Ku­lis­sen re­giert Flo­ren­ti­no Pé­rez mit ei­ser­ner Hand. Die be­kam vor ein paar Jah­ren selbst der spa­ni­sche Star­Trai­ner Vin­cen­te Del Bos­que zu spü­ren: „alt­mo­disch.“ Das war die gan­ze Be­grün­dung, mit der Re­alMa­drid-Prä­si­dent Pé­rez die Fuß­ball-Iko­ne aus hei­te­rem Him­mel feu­er­te. Auch als Chef des größ­ten spa­ni­schen Bau­kon­zerns ACS hat der ge­lern­te In­ge­nieur sich schon Fein­de ge­macht. Den spa­ni­schen Strom-Rie­sen Iber­dro­la zum Bei­spiel. Der hat ACS ge­ra­de we­gen Bi­lanz­fäl­schung an­ge­zeigt. Aus Ra­che für ur­al­te Strei­te­rei­en.

Kein Wun­der, dass Hoch­tief-Chef Her­bert Lüt­ke-Strat­köt­ter ges­tern et­was mul­mig zu­mu­te war. Am Mor­gen reich­te die ACS bei ih­rer Hei­mat­bör­se in Ma­drid ein An­ge­bot ein: Nach sei­ner ful­mi­nan­ten Kar­rie­re als Bau­un­ter­neh­mer in Spa­ni­en will Pé­rez jetzt den größ­ten Bau­kon­zern in Deutsch­land schlu­cken. 29,98 Pro­zent der Hoch­tie­fAn­tei­le hat er be­reits. Für den Rest bie­tet er den Hoch­tief-Ak­tio­nä­ren acht ei­ge­ne Ak­ti­en im Aus­tausch für fünf Hoch­tief-Ak­ti­en an.

Laut ACS be­ginnt die An­nah­me­frist nach der Ge­neh­mi­gung des An­ge­bots durch die deut­sche Bör­sen­auf­sicht Ba­Fin vor­aus­sicht­lich An­fang No­vem­ber. „ACS geht da­von aus, dass das An­ge­bot bis En­de 2010 ab­ge­wi­ckelt ist“, hieß es ges­tern in der spa­ni­schen Kon­zern­zen­tra­le. Der Hoch­tief-Kon­zern re­agier­te re­la­tiv sprach­los. „Der Vor­stand hat die An­kün­di­gung ei­ner Über­nah­me zur Kennt­nis ge­nom­men und prüft ge­gen­wär­tig die Sach­la­ge“, sag­te ein Spre­cher. Mehr nicht.

Ex­per­ten be­zwei­feln in­des, dass sich ge­nug Ak­tio­nä­re auf das An­ge­bot ein­las­sen. „Das An­ge­bot ent­spricht ei­nem Wert von 56 Eu­ro je Ak­tie“, rech­ne­te ges­tern der Hoch- tief-Ana­lyst Marc Grie­bel vom Bank­haus Lam­pe vor, „da­mit wird ge­ra­de mal der Wert der aus­tra­li­schen Hoch­tief-Toch­ter Leigh­ton ab­ge­bil­det“. Für das ers­te 29,98-Pro­zent-Pa­ket hat­te ACS selbst im Jahr 2007 schon 74 Eu­ro je Ak­tie be­zahlt.

Ist das An­ge­bot al­so ein Scherz? Ja. Aber ei­ner, der ernst ge­nom­men sein will. Die Bör­se hat­te ges­tern trotz der knau­se­ri­gen Of­fer­te kei­nen Zwei­fel dar­an, dass ACS ei­ne Be­tei­li­gung von über 50 Pro­zent und da­mit die Kon­trol­le über Hoch­tief an­strebt – schließ­lich hat­te ACS selbst das im spä­te­ren Ta­ges­ver­lauf auch noch­ein­mal per Pres­se­mit­tei­lung be­stä­tigt. „Ab 30 Pro­zent muss der Kon­zern so­wie­so ein Pflicht­an­ge­bot ma­chen“, er­klärt Grie­bel den ACS-Trick, „und das könn­te un­ter Um­stän­den we­sent­lich hö­her aus- fal­len müs­sen.“ In­dem ACS den jetzt ver­gleich­bar güns­ti­gen Hoch­tief-Kurs als Grund­la­ge für ein Über­nah­me­an­ge­bot nutzt, ge­winnt er Zeit, um die Über­nah­me in Ru­he vor­an­zu­trei­ben: Das nächs­te Pflicht­an­ge­bot muss erst beim Über­schrei­ten der 50-Pro­zent­Hür­de ge­macht wer­den.

ACS hat im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Ver­schul­dung von knapp zehn Mil­li­ar­den Eu­ro aus­ge­wie­sen, ist aber nach grö­ße­ren Ver­käu­fen jetzt wie­der flüs­sig. Der Kon­zern ist zu fast 80 Pro­zent auf den spa­ni­schen Markt kon­zen­triert. Um die ent­spre­chen­den Ri­si­ken zu sen­ken, hat ACS an­ge­kün­digt, bis 2012 die Hälf­te sei­nes Um­sat­zes au­ßer­halb Spa­ni­ens er­wirt­schaf­ten zu wol­len. Zu die­ser Stra­te­gie passt die kern­ge­sun­de Hoch­tief AG gut: Die Es­se­ner ma­chen ihr Ge­schäft zu 95 Pro­zent im Aus­land. Mit ei­ner Hoch­tie­fÜber­nah­me wür­den die Spa­nier Zu­griff auf die aus­tra­li­sche Hoch­tief-Toch­ter Leigh­ton er­hal­ten, dank der Hoch­tief auch in Asi­en präch­tig ver­dient. Über Tur­ner ist Hoch­tief zu­dem auch in Nord­ame­ri­ka gut ver­tre­ten.

Kom­men­tar

FO­TOS: IMA­GO

Die Spa­nier er­obern das Ruhr­ge­biet: Raúl (links) spielt seit kur­zem auf Schal­ke. Flo­ren­ti­no Pe­rez drid, will nun über sein Un­ter­neh­men ACS die Mehr­heit beim Es­se­ner Bau­kon­zern Hoch­tief.

(rechts), Chef von Re­al Ma-

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