Traum­paar der Kon­ser­va­ti­ven

Mit ih­rem Buch ge­gen Kin­des-Miss­brauch tritt Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg end­gül­tig aus dem Schat­ten ih­res Man­nes, Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg. Das macht bei­de zu dem Po­wer-Paar der deut­schen Po­li­tik.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESELLSCHAFT - VON HANNA KOCH

BERLIN Das gro­ße Pro­blem ei­ner Mi­nis­ter­gat­tin ist, im­mer nur die Frau des Mi­nis­ters zu sein. Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg woll­te das in die­ser Wo­che ver­mei­den: Als sie in Berlin ihr Buch „Schaut nicht weg!“ prä­sen­tier­te, durf­te der Na­me Karl-Theo­dor nicht fal­len. „Frau zu Gut­ten­berg ist hier als Prä­si­den­tin des Ver­eins ,In­no­cence in Dan­ger’“, ver­kün­de­te der Mo­de­ra­tor dem Pu­bli­kum gleich mehr­fach. Die 33-Jäh­ri­ge selbst er­teil­te Fra­gen nach ih­rem Mann ei­ne Ab­sa­ge – sie sei hier, um In­hal­te zu prä­sen­tie­ren, schließ­lich set­ze sie sich schon seit Jah­ren für Miss­brauchsop­fer ein. Ei­ne gu­te hal­be St­un­de spä­ter wa­ren ih­re Vor­sät­ze pas­sé. Denn Karl-Theo­dor ließ es sich nicht neh­men, bei der Buch­prä­sen­ta­ti­on sei­ner Frau persönlich vor­bei­zu­schau­en. Ein stol­zer Blick, ein Kuss für sei­ne Frau –

Er der stram­me Mi­nis­ter, sie die en­ga­gier­te Mut­ter mit Herz

schon ging es nicht mehr um sie al­lein, son­dern um sie bei­de: das Gla­mour-Paar der deut­schen Po­li­tik.

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg und sei­ne Ste­pha­nie, ge­bo­re­ne Grä­fin von Bis­marck-Schön­hau­sen, fal­len auf im Po­li­tik­be­trieb von München bis Berlin. Sie sind jung, gut­aus­se­hend – und kon­ser­va­tiv: er der stram­me Mi­nis­ter, sie die en­ga­gier­te Mut­ter mit Herz. Bei­de be­to­nen fa­mi­liä­re Wer­te, Leis­tungs­be­reit­schaft und wer­den nicht mü­de, auf ih­re Bo­den­stän­dig­keit hin­zu­wei­sen. Gleich­zei­tig fla­nie­ren sie auf den ro­ten Tep­pi­chen der Re­pu­blik, ge­ben sich welt­of­fen und kul­tu­rell in­ter­es­siert, mo­de­be­wusst und ele­gant. Men­schen und Me­di­en lie­ben sie – auch man­gels Al­ter­na­ti­ven.

Prä­sen­te Po­li­ti­ker­paa­re wie die Gut­ten­bergs gibt es in Deutsch­land der­zeit kaum. An­ge­la Mer­kels Mann Joa­chim Sau­er tritt sel­ten an der Sei­te sei­ner mäch­ti­gen Frau auf. Der Che­mi­ker kon­zen­triert sich lie­ber auf die Wis­sen­schaft, statt po­li­ti­sche State­ments ab­zu­ge­ben. Phil­lipp Rös­lers Gat­tin Wieb­ke sieht man ab und zu auf Ga­las, ge­hört hat man von der 32-Jäh­ri­gen bis­her we- nig. Und Bun­des­prä­si­dent Chris­ti­an Wul­ff ver­sucht zwar, mit sei­ner jun­gen Frau Bettina neu­en Glanz nach Bel­le­vue zu brin­gen – aber so­lan­ge er sich in sei­nem neu­en Amt nicht zu­recht­fin­det, bleibt es auch für die ge­lern­te Mar­ke­ting­ex­per­tin schwie­rig, sich als First La­dy ein ei­ge­nes Pro­fil zu er­ar­bei­ten.

Sucht man nach pro­mi­nen­ten Po­wer­frau­en an der Sei­te deut­scher Po­li­ti­ker, rich­tet sich der Blick eher zu­rück: auf Chris­ti­na Rau zum Bei­spiel, Frau des ehe­ma­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten. Auch Lo­ki Schmidt und Han­ne­lo­re Kohl be­ka­men viel Auf­merk­sam­keit für ihr En­ga­ge­ment, die Kanz­ler­gat­tin­nen grün­de­ten Stif­tun­gen. Al­len drei Frau­en ge­mein ist, dass sie es – ge­mein­sam mit ih­ren Män­nern – an die Spit­ze deut­scher Po­li­tik ge­schafft ha­ben. Das Auf­rü­cken in die al­ler­ers­te Rei­he trau­en vie­le auch Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg zu. Und sei­ner Frau so­wie­so.

Schon jetzt run­det Ste­pha­nie zu Gut­ten­berg als so­zi­al en­ga­gier­ter Ge­gen­part ih­res po­li­tisch ak­ti­ven Man­nes das Bild des Vor­zei­gePo­wer-Paa­res ab. Und es ist wahr­schein­lich, dass die stu­dier­te Be­triebs­wir­tin ih­re Rol­le noch aus­bau­en wird: Bei der Buch­prä­sen­ta­ti­on je­den­falls moch­te sie sich zwar ge­freut ha­ben über die An­teil­nah­me ih­res Man­nes an ei­nem für sie so wich­ti­gen Er­eig­nis. Et­was an­de­res, das war dem Ge­sicht der 33-Jäh­ri­gen an­zu­se­hen, ge­fiel ihr we­ni­ger: Dass, als ihr Mann plötz­lich auf­tauch­te und al­le Ka­me­ras auf sich zog, sie ei­nen Mo­ment lang die Gat­tin war, und er der Mi­nis­ter.

FO­TO: DDP

Bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len wa­ren Ste­pha­nie berg eins der meist­fo­to­gra­fier­ten Paa­re.

und

Karl-Theo­dor zu Gut­ten-

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