Jets ver­spä­tet: Hu­nold macht Druck

Der Sep­tem­ber ist ei­ner der ver­kehrs­reichs­ten Mo­na­te. Die Zahl der Ver­spä­tun­gen wird wie­der zu­neh­men. Hin­ter­grund: Die Flug­si­che­rung hat zu we­nig Per­so­nal. Al­lei­ne Air Berlin spricht von 21,6 Mil­lio­nen Eu­ro Fol­ge­kos­ten. Luft­han­sa: Je­der Jet im Schnitt bis

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON HANS ONKELBACH

Pünkt­lich star­ten­de oder lan­den­de Flug­zeu­ge wer­den auch in den nächs­ten Mo­na­ten am Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen nicht die Re­gel sein. Der Spre­cher der Deut­schen Flug­si­che­rung (DFS) be­stä­tig­te ges­tern, die La­ge ha­be sich zwar in den letz­ten Wo­chen ein we­nig ent­spannt, aber jetzt wer­de der An­drang wie­der grö­ßer und da­mit sei das Ri­si­ko hoch, dass es zu Ver­spä­tun­gen kommt. Grund sind nach wie vor die per­so­nel­len Pro­ble­me der Flug- ums Mit­tel­meer und Fern­flü­ge nach Flo­ri­da oder auf die Ma­le­di­ven.

Nach Aus­sa­gen Hu­nolds ha­ben sich al­lein im ers­ten Halb­jahr 2010 in Düsseldorf die von der Flug­si­che­rung ver­ur­sach­ten Ver­spä­tungs­mi­nu­ten um 285 Pro­zent ver­viel­facht. Das ver­är­ge­re nicht nur die Flug­gäs­te, son­dern ver­ur­sa­che bei der Air­line auch enor­me Kos­ten. Al­lein bei Air Berlin lä­gen sie auf Düsseldorf be­zo­gen bei 21,6 Mil­lio­nen Eu­ro. Mit Ent­span­nung der La­ge ist frü­hes­tens im nächs­ten Jahr zu rech­nen. Dann tre­ten die ers­ten zu­sätz­lich aus­ge­bil­de­ten Flug­lot­sen ih­ren Di­enst an und kön­nen die Mann­schaft ver­stär­ken. Erst ges­tern war DFS-Spre­cher Michael Fuhr­mann auf ei­nem Abitu­ri­en­ten­tag un­ter­wegs, um für den Be­ruf des Flug­lot­sens zu wer­ben. Die Or­ga­ni­sa­ti­on be­strei­tet nicht, die Ent­wick­lung des Luft­ver­kehrs vor al­lem un­ter dem Ein­druck des An­schlags vom 11. Sep­tem­ber 2001 auf das World Tra­de Cen­ter in New York un­ter­schätzt und zu we­nig Nach­wuchs ein­ge­stellt zu ha­ben.

Das führt nun da­zu, dass in Lan­gen zwar rund 50 Ex­per­ten für den Luf­t­raum über NRW zu­stän­dig sind, sie aber in ei­ner gan­zen Rei­he von Schich­ten über den Tag ver­teilt ar­bei­ten müs­sen. Das je­doch sei sehr knapp, und wenn dann noch ein paar der Leu­te we­gen Krank­heit aus­fal­len, kann der Rest die in der Luft war­ten­den Flie­ger nicht schnell ge­nug ab­ar­bei­ten – und es ent­ste­hen War­te­zei­ten.

Luft­han­sa-Spre­che­rin Karin Weber be­stä­tig­te ges­tern die­sen Ein- druck. Die Air­line hat aus­ge­rech­net, dass der­zeit je­de Ma­schi­ne im Schnitt 15 bis 16 Mi­nu­ten Ver­spä­tung hat. Gut 40 Pro­zent die­ser Ver­spä­tun­gen ge­hen auf Pro­ble­me mit der Flug­si­che­rung zu­rück, hieß es in Frank­furt.

In Düsseldorf ver­schär­fen die­se Pro­ble­me ei­nen Kon­flikt, der eh schon seit lan­gem schwelt: den der Flug­be­we­gun­gen in den Nacht­stun­den. Da sich die Ver­spä­tun­gen über den Tag auf­bau­en, kommt es häu­fig nach 22, bzw. 23 Uhr noch zu un­er­wünsch­ten Lan­dun­gen. Das wird von den Nach­barn sorg­fäl­tig re­gis­triert und so­fort wie­der be­klagt. Ei­ner An­fra­ge des Flug­ha­fens, bei sich häu­fen­den Ver­spä­tun­gen die zwei­te Start-und Lan­de­bahn nut­zen zu dür­fen, um schnel­ler wie­der in den nor­ma­len Zeit­takt zu kom­men, wird von In­si­dern we­nig Aus­sicht auf Er­folg zu­ge­bil­ligt – die An­woh­ner fürch­ten, dass so die per­ma­nen­te Nut­zung der zwei­ten Bahn durch­ge­setzt wer­den soll.

RP-FO­TO: AP

Air-Berlin-Chef Achim Hu­nold hat jetzt dar­ge­legt, war­um die Jets sei­ner Air­line so oft ver­spä­tet wa­ren – we­gen der Flug­si­che­rung.

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