Die zwei Di­ven am Rhein

Jens Prüss hat hat den Ver­such un­ter­nom­men, die Kon­kur­renz­si­tua­ti­on der bei­den Städ­te am Rhein in ei­nem sa­ti­ri­schen Ro­man zu do­ku­men­tie­ren. Der Ti­tel lau­tet: „Düsseldorf vs. Köln / Köln vs. Düsseldorf“. Ent­stan­den ist ein li­te­ra­ri­scher, ka­ba­ret­tis­tisch g

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON RAI­NER MOR­GEN­ROTH

Es be­ginnt mit ei­ner Wie­der­se­hen­s­par­ty und en­det in ei­nem Box­kampf. Das Ve­te­ra­nen­tref­fen in ei­ner Ben­ra­ther Wohn­kü­che wird von der Neu­en ge­sprengt. „Ich bin ‘ne Immi, ‘ne Köl­sche Immi“, ruft Micha­els ak­tu­el­le Flam­me Re­na­te des­sen Freun­den her­aus­for­dernd ent­ge­gen. Es kommt, wie es kom­men muss: Brat­würs­te und Scho­ko­la­den­pud­ding flie­gen durch die feucht-fröh­li­che Run­de, Bier­glä­ser wer­den über Köp­fen ent­leert.

„Die Fe­te war Teil ei­nes im­men­sen kos­mi­schen Dra­mas ge­we­sen, in dem zwei Wel­ten, näm­lich Köln und Düsseldorf, glau­ben ma­chen woll­ten, dass sie dem Su­chen­den die Er­lö­sung brin­gen“, schreibt Au­tor Jens Prüss und er­gänzt als IchEr­zäh­ler au­gen­zwin­kernd: „Ul­rich mein­te spä­ter, oh­ne Al­ko­hol wä­re das nicht pas­siert. ‚Na ja, wenn du Bier un­be­dingt dem Al­ko­hol zu­ord­nen willst.’“

Bis­her war doch al­les,

was aus Köln kam, ers­te Sah­ne ge­we­sen

Der Ka­ba­ret­tist, Jour­na­list und Schrift­stel­ler Prüss hat den Ver­such un­ter­nom­men, die Kon­kur­renz­si­tua­ti­on der bei­den Rhein-Di­ven in ei­nem sa­ti­ri­schen Ro­man zu do­ku­men­tie­ren. „Düsseldorf vs. Köln/ Köln vs. Düsseldorf“ heißt sein nun er­schie­ne­nes Werk. Ne­ben der chro­no­lo­gisch ab­ge­ar­bei­te­ten Er­eig­nis­ket­te über die his­to­ri­schen Ur­sa­chen bil­det ein li­te­ra­ri­scher Schlag­ab­tausch, „Ein Box­kampf in acht Run­den“, das hu­mo­ris­ti­sche Herz­stück des Bu­ches.

In sei­ner psy­cho­lo­gi­schen Stu­die er­kun­det Jens Prüss zu­nächst die Fra­ge, ob al­les nur „ein vir­tu­el­les Mensch-är­ge­re-dich-nicht?“-Spiel sei. Mit Hil­fe von Ge­schichts­wis­sen­schaft­lern be­gibt er sich auf Spu­ren­su­che, ana­ly­siert die Be­deu­tun­gen des mit­tel­al­ter­li­chen Sta­pel­rechts und des „Ge­met­zel von Wor­rin­gen“. Die bit­ter­bö­sen Sei­ten­hie­be er­in­nern da­bei an die sar­kas­ti­sche Ge­schichts­ly­rik von Joa­chim Fernau: „Das köl­ni­sche Auf­ge­bot lie­fer­te … ei­nen ver­bis­se­nen Kampf; ihr An­füh­rer Gerhard Over­stolz ver­aus­gab­te sich so sehr, dass er am Nach­mit­tag tot zu­sam­men­brach. Mag man gar nicht glau­ben, wenn man heu­te den 1.FC Köln so spie­len sieht.“ Mit aus­ge­spro­che­nem Wort­witz kom­men­tiert der Ka­ba­ret­tist die his­to­ri­sche Ent­wick­lung: „Bis­her war doch al­les, was aus Köln kam, ers­te Sah­ne ge­we­sen: Kölnisches Garn, kölnisches Tuch, kölnisches Salz – kurz al­les, was den Zu­satz köl­nisch trug. (Kölsch, KölnRock und Köl­ner Ring ka­men erst spä­ter und sind in ih­rer Qua­li­tät um­strit­ten.)“ Dann baut Jens Prüss den Ring auf und bit­tet die „zwei Schwer­ge­wich- te“ zum wort­ge­wal­ti­gen Du­ell. „Der ei­ne trägt ei­nen An­zug von Hu­go Boss, der an­de­re ei­nen Trai­nings­an­zug aus Fall­schirm­sei­de und ei­nen Schnau­zer.“ Nun soll hier nicht ver­ra­ten wer­den, wer die Are­na als Sie­ger ver­lässt. In bes­ter Sport­re­por­ter­ma­nier be­schreibt der Au­tor das blu­ti­ge Ger­an­gel um Ar­chi­tek­tur, Kul­tur oder Mu­sik („BAP, ein schla­gen­des Ar­gu­ment. Aber Kraft­werk funk­tio­niert, der Ha­ken hat ge­ses­sen“). In­ter­es­san­ter als das Er- geb­nis ist das Kampf­ge­sche­hen. Denn Prüss ge­lingt es, die Ab­sur­di­tät des oft zi­tier­ten Zwis­tes durch ka­ba­rett­ty­pi­sche Über­spitzt­heit zu ent­lar­ven. Wer sich über den Ein­trag im Ein­woh­ner­mel­de­amt de­fi­niert, ist be­kann­ter­ma­ßen zu faul zum Nach­den­ken.

Das Ex­pe­ri­ment hat sich ge­lohnt, weil der Au­tor die Streit­fra­ge mit feins­ter Iro­nie be­ant­wor­tet.

RP- FO­TO: THO­MAS BUSSKAMP

Jens Prüss kennt sich in Köln und Düsseldorf aus..

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