Wa­gen­bachs Grei­sen­le­bens­lust

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON CLAUS CLE­MENS

Klaus Wa­gen­bach fei­ert schon seit Mo­na­ten sei­nen acht­zigs­ten Ge­burts­tag. Er tut dies mit der glei­chen Lust, mit der er die ver­schie­de­nen Pha­sen sei­nes rot­bun­ten Le­bens­laufs durch­mes­sen hat. Und er be­sucht Freun­de, um von die­sem Le­ben zu er­zäh­len. Da­bei nimmt er qua­si pro­phy­lak­tisch ein ei­ge­nes Buch in die Hand, schließ­lich ist er ja Ver­le­ger.

Ei­ner sei­ner Freun­de ist Buch­händ­ler Ru­dolf Mül­ler. In des­sen aus­ver­kauf­ter Li­te­ra­tur­hand­lung konn­te man der groß­ar­ti­gen Grei­sen­le­bens­lust nach­spü­ren. Wie der jun­ge Wa­gen­bach als gänz­lich un­er­fah­re­ner Lek­tor ei­ne Jandl-Plat­te pro­du­zier­te. Wie er Kaf­ka ken­nen­lern­te. Wie er die acht­und­sech­zi­ger Jah­re in Berlin so ak­tiv er­leb­te, dass für ihn auch ei­ni­ge Ge­richts­ur­tei­le ab­fie­len. Wie er im Wes­ter­wald das Dorf sei­ner Vor­fah­ren zur Ge­ne­ra­tio­nen­wur­zel er­hob. Und wie er be­reits in den frü­hen Fünf­zi­gern sei­ne zwei­te Hei­mat Ita­li­en ent­deck­te.

In dem Buch, das der viel­fach mit Or­den und Ti­teln Ge­ehr­te in Hän­den hält, steht al­les drin. Doch er braucht es nicht, um beim ge­rings­ten Stich­wort mit sei­nen Epi­so­den­Kas­ka­den los­zu­le­gen. Das Alan- Ben­nett-Buch „Die sou­ve­rä­ne Le­se­rin“, er­schie­nen in der bi­blio­phi­len SAL­TO-Aus­ga­be des Ver­lags, brach­te Wa­gen­bach vor zwei Jah­ren so viel Geld ein wie nie zu­vor. Man konn­te al­le Schul­den be­zah­len, die sich über die Jah­re an­ge­häuft hat­ten. Und zum ers­ten Mal sah der Ver­le­ger, wie selbst die gro­ßen Buch­han­dels­ket­ten den klei­nen ro­ten Wa­gen­bach-Band an pro­mi­nen­ter Stel­le aus­leg­ten. Da­von hät­te er 1966 nicht träu­men mö­gen, als er beim Fischer-Ver­lag ent­las­sen wur­de und mit dem Ver­kauf ei­ner el­ter­li­chen Wie­se sei­ne ei­ge­ne Un­ter­neh­mens­grün­dung fi­nan­zier­te. Es folg­ten un­ru­hi­ge und span­nen­de Jahr­zehn­te. Wer nicht bei Mül­ler & Böhm auf der Bol­ker Stra­ße mit­hör­te, kann sie auf 320 Sei­ten nach­le­sen: „Die Frei­heit des Ver­le­gers“, her­aus­ge­ge­ben von sei­ner Frau Su­san­ne Schüssler und na­tür­lich er­schie­nen bei Wa­gen­bach.

RP-FO­TO: GÖTTERT

Klaus Wa­gen­bach

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