An­däch­tig: Iron& Wi­ne im Zakk

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON LESLIE BROOK

Mit zwei fast bau­glei­chen Akus­tik­gi­tar­ren be­tritt der bär­ti­ge Mann die Büh­ne. Ei­ne da­von legt er auf den Bo­den, die an­de­re hält er mit bei­den Hän­den vor dem Kör­per fest. Aber er spielt nicht dar­auf. Noch nicht. Sam Beam be­ginnt die­sen Abend a cap­pel­la – mit ei­nem sei­ner schöns­ten Songs „Flight­less Bird, Ame­ri­can Mouth“.

Der Sin­ger-Son­ger­wri­ter aus Te­xas ver­traut ganz auf sei­ne Stim­me, und das Pu­bli­kum lauscht ihm an­däch­tig. Sam Beam ali­as Iron& Wi­ne meis­tert mü­he­los den Über­gang von tie­fen zu ho­hen Tö­nen. Da­bei sieht er mit sei­nem Voll­bart, den lan­gen zu­rück­ge­leg­ten Haa­ren und dem brau­nen Sak­ko ein biss­chen aus wie ein Wan­der­pre­di­ger. Schon mehr­fach hat der 36-jäh­ri­ge Folk­sän­ger mit der Band Cale­xi­co aus Ari­zo­na zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Bei sei­nem ein­zi­gen Deutsch­land­kon­zert in die­sem Jahr, das er zu­dem erst­mals in Düsseldorf be­strei­tet, tritt er al­lei­ne auf, oh­ne Band und oh­ne Be­glei­tung. Dass Iron & Wi­ne die­ses Mal ganz oh­ne Sup­port un­ter­wegs ist, scha­det nicht.

Im Ge­gen­teil: Sam Beam al­lei­ne ge­nügt. Beam steht im ro­ten Licht der Schein­wer­fer, die Au­gen leicht ge­schlos­sen und singt von Vir­gi­nia, von der Lie­be, dem Tod und von Gott. Es ist al­les da­bei, was das Pu­bli­kum an die­sem Abend hö­ren möch­te: al­te Songs vom ers­ten Al­bum „The Creek Drank The Crad­le“, Bal­la­den, ak­tu­el­le Lie­der von den Al­ben „She­pherd’s Dog“ und „Around the Well“ bis hin zu ei­nem neu­en Song: „Half-Moon?“. An­fang 2011 soll nach drei­jäh­ri­ger Pau­se sein neu­es Al­bum „Kiss Each Other Cle­an“ er­schei­nen. Über ei­ne St­un­de lang singt Iron & Wi­ne für die vie­len Be­su­cher im teil­be­stuhl­ten Saal – und das ge­lingt ihm fan­tas­tisch. Es wird nicht ein­tö­nig: Mal fragt er nach den Wün­schen des Pu­bli­kums, die ihm Song­na­men ent­ge­gen ru­fen, oder er be­fragt sei­ne Play­list, die im Halb­dun­kel auf dem Büh­nen­bo­den liegt. „Let’s see what hap­pens“, sagt er dann und spielt ei­ne neue Me­lo­die an. Das Pu­bli­kum ju­belt. Beam in­to­niert „Je­ze­bel“.

Nach an­dert­halb St­un­den ist es vor­bei. Die Dis­ko­ku­gel dreht sich nicht mehr. Mr. Beam hat als Zu­ga­be „Each Co­m­ing Night“ ge­sun­gen – und man kann nur hof­fen, dass es nicht sei­ne letz­te Nacht in Düsseldorf ge­we­sen ist.

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