Schar­lach ist noch nicht aus­ge­rot­tet

Kin­der­arzt Tim Nie­hu­es über den rich­ti­gen Um­gang mit ei­ner In­fek­ti­ons­krank­heit

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESUNDHEIT -

Tim Nie­hu­es Der Be­griff lei­tet sich von dem ita­lie­ni­schen „Scar­lat­to“ oder dem per­si­schen „Sa­kir­lat“ ab und be­zeich­net ei­nen be­son­ders teu­ren Stoff. Schar­lach­ro­te, pur­pur­ne Stof­fe wur­den von Kai­sern und Päps­ten ge­tra­gen, wa­ren al­so et­was Be­son­de­res.

Be­son­ders ist auch die Kin­der­krank­heit Schar­lach. Sie wird durch Gif­te (To­xi­ne) von Strep­to­kok­ken ver­ur­sacht, die zu ho­hem Fie­ber füh­ren. Die Gau­men­man­deln sind stark ge­rö­tet und zei­gen häu­fig wei­ße bis gelb­li­che, stipp­chen­för­mi­ge Be­lä­ge. Der Haut­aus­schlag kommt ein bis zwei Ta­ge nach Be­ginn des

Un­se­re Le­se­rin An­ke M. aus Mettmann fragt: „Mein Sohn ist fünf Jah­re alt, und der Kin­der­arzt hat bei ihm Schar­lach dia­gnos­ti­ziert. Was ist das ei­gent­lich? Muss man das wirk­lich mit An­ti­bio­ti­ka be­han­deln? Wann kann mein Kind wie­der in den Kin­der­gar­ten?“

Fie­bers, be­ginnt am Hals. Ins­be­son­de­re in den Haut­fal­ten der Ell­bo­gen, in den Ach­sel­fal­ten und in der Leis­te fin­det man ei­ne stark ge­rö­te­te Haut, die sich wie Sand­pa­pier an­fühlt. Der Mund bleibt aus­ge­spart mit ei­nem blas­sen Drei­eck, das wie ein Milch­bart aus­sieht. Die Zun­ge kann wie ei­ne Erd­bee­re oder Him­bee­re aus­se­hen. Spä­ter fällt das Fie­ber ab, und die Haut kann sich in der zwei­ten Krank­heits­wo­che schup­pen.

Meist hat der Kin­der­arzt schon beim An­se­hen des Kin­des den Ver­dacht auf ei­ne Schar­lach-Er­kran­kung und wird mit Pe­ni­cil­lin zehn Ta­ge lang be­han­deln. Schon nach ei­nem Tag Be­hand­lung ist das Kind nicht mehr in­fek­ti­ös und kann wie­der in den Kin­der­gar­ten, wenn es sich gut fühlt. Ei­ne Ent­fer­nung der Man­deln (Ton­sil­lek­to­mie) ist nicht not­wen­dig. Wenn Schar­lach nicht mit An­ti­bio­ti­ka be­han­delt wird, ist die Ge­fahr grö­ßer, dass ei­ne der Fol­ge­er­kran­kun­gen auf­tritt: „Der Schar­lach beißt das Herz und leckt die Ge­len­ke“ heißt es – als Fol­ge von Schar­lach kön­nen im Ab­stand von ein bis zwei Wo­chen sehr schwe­re ent­zünd­li­che Ve­rän­de­run­gen an Herz (so­ge­nann­tes Rheu­ma­ti­sches Fie­ber) und Ge­len­ken (Ar­thri­tis), aber auch an Nie­ren (Glome­ru­lo­ne­phri­tis) oder am Ge­hirn (neu­ro­psych­ia­tri­sche Sym­pto­me, Tics, Zwangs­ver­hal­ten) auf­tre­ten. Das ist we­sent­lich sel­te­ner, wenn An­ti­bio­ti­ka ein­ge­setzt wer­den. Man ver­mu­tet ei­ne Kreuz­re­ak­ti­on des Im­mun­sys­tems, das die Zel­len im Herz an­greift, die in ih­rer Ober­flä­che so ähn­lich wie Strep­to­kok­ken aus­se­hen.

Ins­ge­samt ist Schar­lach längst nicht aus­ge­rot­tet, hat aber sei­ne Be­dro­hung ver­lo­ren. We­gen der ver­bes­ser­ten Le­bens­ver­hält­nis­se und des Ein­sat­zes der An­ti­bio­ti­ka sind Fol­ge­er­kran­kun­gen hier­zu­lan­de sel­ten ge­wor­den. Um die­se Ge­fahr gänz­lich zu ban­nen, wä­re ei­ne Imp­fung ide­al – dar­an wird ge­ar­bei­tet.

Tim Nie­hu­es

FO­TO: DPA

Ty­pisch für Schar­lach: die him­bee­ro­der erd­beer­far­be­ne Zun­ge.

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