Rot-Grün star­tet Um­bau des Schul­sys­tems

Die NRW-Re­gie­rung hat die Eck­punk­te zur Grün­dung von Ge­mein­schafts­schu­len be­schlos­sen. Sie be­kom­men mehr Leh­rer und klei­ne­re Klas­sen. Kri­ti­ker spre­chen von „mas­si­ver Be­vor­zu­gung“.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON DET­LEV HÜWEL

DÜSSELDORF In Nord­rhein-West­fa­len gibt es nach An­ga­ben von Schul­mi­nis­te­rin Syl­via Löhr­mann (Grü­ne) der­zeit 25 Ge­mein­den, die an ei­ner Ge­mein­schafts­schu­le in­ter­es­siert sind. Für de­ren Aus­ge­stal­tung hat die Grü­nen-Mi­nis­te­rin ab­ge­stimm­te Eck­punk­te vor­ge­legt. Da­nach fin­det in den Klas­sen fünf und sechs ge­mein­sa­mer Un­ter­richt statt. Dies ist an­schlie­ßend auch bis Klas­se zehn mög­lich. Al­ler­dings kön­nen für die Klas­sen sie­ben bis zehn auch ge­trenn­te Bil­dungs­gän­ge an­ge­bo­ten wer­den.

Die Ge­mein­schafts­schu­le ver­pflich­tet al­le Schü­ler zum Ganz­tags­un­ter­richt und weist min­des­tens drei Par­al­lel­klas­sen pro Jahr­gang auf. Die Min­dest­grö­ße der Klas­sen liegt bei 23 bis 25 Schü­lern; bei ge­trenn­ten Bil­dungs­gän­gen gilt ei­ne Höchst­gren­ze von 29 Schü­lern. Bis zu ei­nem Drit­tel der Lehr- kräf­te soll die Be­fä­hi­gung für das Gym­na­si­um be­sit­zen. Die un­ter­schied­li­che Be­sol­dung der Leh­rer bleibt be­ste­hen, doch ha­ben al­le die­sel­be Un­ter­richts­ver­pflich­tung von 25,5 Wo­chen­stun­den. Ge­mein­schafts­schu­len er­hal­ten ei­nen Stel­len­zu­schlag von 0,5 St­un­den pro Klas­se und Wo­che, ei­nen „Ver­suchs­zu­schlag“ (0,5 Stel­len pro Schu­le und Jahr) so­wie ein „Fort­bil­dungs­bud­get“ von 2500 Eu­ro.

Löhr­mann sprach von ei­nem „at­trak­ti­ven, orts­na­hen An­ge­bot“, das mehr Chan­cen­ge­rech­tig­keit schaf­fe. Die gym­na­sia­len Stan­dards wür­den si­cher­ge­stellt. Un­ter­schied­li­che Be­ga­bun­gen der Schü­ler er­for­der­ten ei­ne „Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung“. So könn­ten et­wa bes­se­re Schü­ler im Un­ter­richt zu­sätz­li­che Auf­ga­ben be­kom­men.

Die Mi­nis­te­rin be­ton­te, sie set­ze auf Frei­wil­lig­keit: „Wir ver­ord­nen kei­ne Schul­form von oben und schlie­ßen auch kei­ne aus.“ Vor Grün­dung ei­ner Ge­mein­schafts­schu­le soll­ten mög­lichst al­le Grund­schu­lel­tern be­fragt wer­den. Au­ßer­dem muss es Ein­ver­neh­men mit den Trä­gern be­nach­bar­ter Schu­len ge­ben. Dann ha­ben die Schul­kon­fe­ren­zen und schließ­lich der Ge­mein­de­rat zu ent­schei­den, ob ein An­trag ge­stellt wird. Der wird beim Schul­mi­nis­te­ri­um zur Ge­neh­mi­gung ein­ge­reicht. Der­zeit liegt ein An­trag aus dem müns­ter­län­di­schen Asche­berg vor.

Die FDP be­fürch­tet den „Ein­stieg in die Ein­heits­schu­le“. Durch die „mas­si­ve Be­vor­zu­gung“ der ei­nen sol­le den an­de­ren Schul­for­men der Bo­den ent­zo­gen wer­den. Ähn­lich äu­ßer­te sich der Ver­band Leh­rer NRW, der Rot-Grün „lin­ke Bil­dungs­ideo­lo­gie“ vor­warf. CDUGe­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Kraut­scheid sag­te, Löhr­manns Vor­stoß kurz vor der Bil­dungs­kon­fe­renz sei ei­ne „Un­ver­schämt­heit“. Die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) be­grüß­te in­des Löhr­manns Kon­zept.

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