Neue Ban­ken-Lie­be

Die Wes­tLB und die Bay­ernLB wol­len ei­nen Zu­sam­men­schluss aus­lo­ten. Nach Jah­ren des Still­stands und der fol­gen­lo­sen An­kün­di­gun­gen könn­te jetzt wie­der Be­we­gung in den Fu­si­ons­pro­zess kom­men.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GEORG WINTERS

DÜSSELDORF/MÜNCHEN Die Ei­gen­tü­mer der Wes­tLB sind ge­brann­te Kin­der in Sa­chen An­kün­di­gun­gen. En­de 2007 kün­dig­te die da­ma­li­ge nord­rhein­west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung un­ter dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Jür­gen Rütt­gers (CDU) Fu­si­ons­ge­sprä­che mit der Lan­des­bank Hes­sen/Thü­rin­gen an. Doch die Träu­me von ei­ner gro­ßen Lan­des­bank zer­platz­ten wie ei­ne Sei­fen­bla­se, nach­dem die hes­si­schen Spar­kas­sen den Bünd­nis-Wün­schen aus Düsseldorf ei­ne Ab­sa­ge er­teilt hat­ten.

Die neue Bank wä­re die dritt­größ­te

in Deutsch­land

Jetzt gibt es ei­nen neu­en Fu­si­ons­an­lauf, dies­mal heißt der mög­li­che Part­ner Bay­ernLB. Und an­ge­sichts der Er­fah­run­gen der Ver­gan­gen­heit sind die For­mu­lie­run­gen of­fen­bar be­wusst vor­sich­tig ge­wählt: „Mit Zu­stim­mung des Ver­wal­tungs­ra­tes der Bay­ernLB und des Auf­sichts­ra­tes der Wes­tLB prü­fen die Vor­stän­de (...) in den nächs­ten Mo­na­ten ei­ne Fu­si­on bei­der In­sti­tu­te. (...) An­ge­sichts der Viel­zahl kom­ple­xer Fra­gen ist es der­zeit of­fen, ob die Ge­sprä­che zum Er­folg füh­ren.“

Im­mer­hin ist es den Ma­na­gern bei­der Ban­ken ernst mit der Ab­sicht, nach Jah­ren des Still­stands und der eben­so voll­mun­di­gen wie fol­gen­lo­sen An­kün­di­gun­gen in Deutsch­land end­lich den Start­schuss zu ge­ben für den Um­bau der Lan­des­ban­ken. Ein neu­es In­sti­tut, das die dritt­größ­te Bank in Deutsch­land nach der Deut­schen Bank und der Com­merz­bank wä­re, soll im Er­folgs­fall als Uni­ver­sal­bank mit ei­nem Schwerpunkt bei Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­run­gen ar­bei­ten und sich als wich­ti­ger Di­enst­leis­ter für die Spar­kas­sen auf­stel­len. Die sind ein Schlüs­sel­fak­tor, auch wenn sie in Bay­ern nur mit sechs Pro­zent an der Lan­des­bank be­tei­ligt sind. In bei­den Bun­des­län­dern gibt es zu­sam­men­ge­rech­net et­wa 180 öf­fent­lich-recht­li­che Geld­häu­ser, das sind 40 Pro­zent al­ler Spar­kas­sen in Deutsch­land. Falls sich ein Zu­sam­men­schluss be­triebs­wirt­schaft­lich rech­net, wer­den in München ver­mut­lich auch Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) und sei­ne Mit­strei­ter neu dar­über nach­den­ken, ob es nicht klug wä­re, dass der Frei­staat Lan­des­ban­ken-An­tei­le ab­gibt, wo­durch auch die Spar­kas­sen wie­der an Ge­wicht ge­win­nen könn­ten. Ver­mut­lich ei­ne Fra­ge des Prei­ses.

Wie nach­hal­tig die neue Ban­ken-Lie­be zwi­schen Düsseldorf und München ist, hängt in­des auch dar­an, wie die Be­las­tun­gen aus­se­hen. Wäh­rend die Wes­tLB al­les, was sich an mil­li­ar­den­schwe­ren Ri­si­ken aus der Fi­nanz­kri­se an­ge­häuft hat, schon in ei­ne „Bad Bank“ mit dem weg­wei­sen­den Na­men „Ers­te Ab­wick­lungs­an­stalt“ aus­ge­glie­dert hat, sind die Ri­si­ken bei der Bay­ernLB durch mil­li­ar­den­schwe­re Ga- ran­ti­en des Lan­des in­ner­halb der Bank ab­ge­si­chert. Trotz­dem könn­te es sein, dass die Ver­hand­lungs­füh­rer der Wes­tLB auch auf ei­ne Bad Bank in Bay­ern drin­gen, um bei­de Un­ter­neh­men ver­gleich­ba­rer zu ma­chen.

Das könn­te mög­li­cher­wei­se so­gar wich­ti­ger wer­den als die Dis­kus­si­on über den Stand­ort und die Po­si­ti­on des Spit­zen­ma­na­gers. Frü­her wa­ren Ant­wor­ten auf die­se bei­den Fra­gen es­sen­zi­ell für das Ge­lin­gen ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses, weil Po­li­ti­ker die Lan­des­ban­ken re­gel­mä­ßig als In­stru­ment der Stand­ort-Po­li­tik nut­zen und des­halb nichts auf­ge­ben woll­ten. Die Fi­nanz­kri­se hat man­ches ver­än­dert. Und vi­el­leicht kom­men die Lan­des­ban­ken am En­de oh­ne­hin da­zu, sich nicht mehr über Stand­or­te, son­dern über Auf­ga­ben zu de­fi­nie­ren: ein Stand­ort fürs Mit­tel­stands­ge­schäft, ein Stand­ort fürs Ka­pi­tal­markt­ge­schäft, ein Stand­ort für Pro­jekt­fi­nan­zie­run­gen. Und al­les im Di­ens­te der deut­schen Spar­kas­sen. So stel­len die sich das je­den­falls schon seit Jah­ren vor.

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