Zol­litsch: Kir­che hat bei Miss­brauch ver­sagt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

FUL­DA (RP) Der Vor­sit­zen­de der deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Ro­bert Zol­litsch, hat schwe­re Feh­ler der ka­tho­li­schen Kir­che im Um­gang mit Miss­brauchs­fäl­len ein­ge­räumt. „Wir wis­sen, dass wir ver­sagt ha­ben“, sag­te er vor Be­ginn der Herbst-Voll­ver­samm­lung der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz in Ful­da. Das The­ma Kin­des­miss­brauch ist ei­ner der Schwer­punk­te der noch bis Don­ners­tag dau­ern­den Ver­samm­lung.

„Man sagt über die Kir­che – und meint oft kon­kret uns Bi­schö­fe –, wir wür­den zu sehr als Wis­sen­de und Leh­ren­de und zu we­nig als Ler­nen­de auf­tre­ten“, sag­te Zol­litsch in sei­nem Er­öff­nungs-Re­fe­rat. „Man sagt, un­se­re ei­ge­ne Le­bens­welt sei zu weit ent­fernt von der Le­bens­welt der Men­schen.“ Die Kir­che müs­se sich fra­gen: „Ha­ben wir nicht das Bild un­se­rer selbst und der Pries­ter so sti­li­siert, dass der mensch­li­che Ab­grund über­se­hen wur­de, vor dem auch der ge­weih­te Mensch steht?“

Die Bi­schö­fe wol­len sich vo­r­erst nicht auf kon­kre­te Sum­men für ei­ne Ent­schä­di­gung von Op­fern fest­le­gen. Die Kir­che sei grund­sätz­lich auch zu fi­nan­zi­el­len Ent­schä­di­gun­gen be­reit, wol­le aber ein ge­mein­sa­mes Vor­ge­hen mit an­de­ren Grup­pen am Run­den Tisch der Bun­des­re­gie­rung er­rei­chen. Die von Op­fer-Ver­tre­tern ge­for­der­ten 83000 Eu­ro Ent­schä­di­gung pro Per­son be­zeich­ne­te der Erz­bi­schof als „schlecht vor­stell­bar“.

Ziel der Herbst­voll­ver­samm­lung sei es, ei­nen Weg nach vorn zu fin­den, sag­te Zol­litsch. Zu­gleich wol­len die Bi­schö­fe und Weih­bi­schö­fe aus 27 Diö­ze­sen in Ful­da ei­ne Rah­me­n­ord­nung zur bes­se­ren Vor­beu­gung ver­ab­schie­den. Dar­in wer­den un­ter an­de­rem po­li­zei­li­che Füh­rungs­zeug­nis­se für kirch­li­che Mit­ar­bei­ter in der Kin­der-und Ju­gend­ar­beit ge­for­dert.

In der durch Bun­des­bank-Vor­stand Thi­lo Sar­ra­zin an­ge­sto­ße­nen In­te­gra­ti­ons­de­bat­te warn­te Zol­litsch vor Pau­schal­ur­tei­len ge­gen be­stimm­te Grup­pen von Mi­gran­ten. Auch für „bio­lo­gis­ti­sche An­sät­ze“ ge­be es kei­ne Recht­fer­ti­gung. Den­noch sei es gut, dass die Ge­sell­schaft er­neut über In­te­gra­ti­on dis­ku­tie­re. Zol­litsch ver­wies dar­auf, dass Deutsch­land schon vie­le Er­fol­ge bei der In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen und Aus­län­dern vor­wei­sen kön­ne.

Die Bi­schö­fe wol­len in Ful­da auch ei­ne Lö­sung für den „Rhei­ni­schen Mer­kur“ fin­den. Die ka­tho­li­sche Kir­che er­wägt ei­nen Ver­kauf der in Bonn er­schei­nen­den Wo­chen­zei­tung. Die Ge­sell­schaf­ter woll­ten vor der Voll­ver­samm­lung der Bi­schofs­kon­fe­renz zu­sam­men­kom­men, um über die Zu­kunft des Blat­tes zu be­ra­ten. Der „Rhei­ni­sche Mer­kur“, der un­ter ei­ner stark sin­ken­den Auf­la­ge lei­det, ge­hört neun ka­tho­li­schen Bi­stü­mern, ei­nen ge­rin­gen An­teil hält die Bi­schofs­kon­fe­renz. Die Mehr­heit liegt bei den Bi­stü­mern aus NRW.

„Zu weit ent­fernt von der Le­bens­welt

der Men­schen“

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