Die Welt ver­sagt im Kampf ge­gen Hun­ger

Vor zehn Jah­ren hat sich die Welt­ge­mein­schaft mit den so­ge­nann­ten Mill­en­ni­ums­zie­len da­zu ver­pflich­tet, bis 2015 die ex­tre­me Ar­mut und den Hun­ger in den Ent­wick­lungs­län­dern zu hal­bie­ren. Vor al­lem bei der Lö­sung der Er­näh­rungs­fra­ge gibt es aber ex­tre­me Pr

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON MAXIMILIAN PLÜCK

DÜSSELDORF Sie wa­ren der Ein­la­dung des da­ma­li­gen UN-Ge­ne­ral­se­kre­tärs Ko­fi Ann­an an die US-Ost­küs­te ge­folgt, um die Welt zu ei­nem bes­se­ren Ort zu ma­chen – ei­nem Ort mit we­ni­ger Hun­ger, Durst, Krank­heit, An­alpha­be­tis­mus, Dis­kri­mi­nie­rung und Um­welt­ver­schmut­zung. Sie, das wa­ren die Staats-und Re­gie­rungs­chefs von 189 Län­dern, die bei der UN-Voll­ver­samm­lung in New York im Herbst 2000 die „Mill­en­ni­ums­er­klä­rung“ un­ter­zeich­ne­ten, qua­si ei­ne Char­ta zur Welt­ver­bes­se­rung. Acht Zie­le wur­den fi­xiert. Sie gal­ten schon da­mals als am­bi­tio­niert. Von ei­ner Er­fül­lung ist die Welt noch weit ent­fernt. Die UN spre­chen da­von, dass „oh­ne ei­nen gro­ßen Vor­stoß vie­le der Mill­en­ni­um­sZiel­vor­ga­ben in den meis­ten Re­gio­nen wohl ver­fehlt wer­den“. Seit ges­tern be­rät die UN-Voll­ver­samm­lung, wie sie fünf Jah­re vor Frist­ab­lauf das Ru­der her­um­rei­ßen kann.

Ziel 1 „Be­sei­ti­gung der ex­tre­men Ar­mut und des Hun­gers“. Ein Ziel war es, die Zahl der Men­schen, die von we­ni­ger als ei­nem Dol­lar am Tag le­ben müs­sen, von 1990 bis 2015 auf 920 Mil­lio­nen zu hal­bie­ren. Dies könn­te laut UN und Welt­bank trotz der Rück­schlä­ge durch die Wirt­schafts­kri­se noch er­reicht wer­den. Schlech­ter sieht es da­ge­gen beim Kampf ge­gen den Hun­ger aus: Es gibt im­mer mehr Un­ter­ernähr­te. Ei­ne Mil­li­ar­de Men­schen hat­ten 2009 nicht ge­nü­gend Nah­rung. Durch stei­gen­de Le­bens­mit­tel­prei­se und kri­sen­be­dingt ge­sun­ke­ne Ein­kom­men hat sich die Si­tua­ti­on noch ver­schärft. Im Ver­gleich zur Ge­samt­be­völ­ke­rung ging die Zahl der Hun­gern­den von 1990 bis 2007 zwar von 20 auf 16 Pro­zent zu­rück – dies liegt aber an der wach­sen­de Welt­be­völ­ke­rung. Bis 2015 müss­te der An­teil der Un­ter­ernähr­ten laut Ziel­wert bei zehn Pro­zent lie­gen.

Ziel 2 „Ver­wirk­li­chung der all­ge­mei­nen Grund­schul­bil­dung“. Al­le Kin­der welt­weit soll­ten bis 2015 le­sen, schrei­ben und rech­nen ler­nen kön­nen. In den Ent­wick­lungs­län­dern wur­de die Ein­schu­lungs­quo­te an den Grund­schu­len auf 89 Pro­zent ver­bes­sert. Das rei­che aber nicht, um 100 Pro­zent bis 2015 zu er­rei­chen, schreibt die Uno.

Ziel 3 „För­de­rung der Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter und Er­mäch­ti­gung der Frau­en“. Tat­säch­lich sieht es so aus, als könn­ten bis 2015 eben­so vie­le Mäd­chen wie Jun­gen ei­ne Schul­bil­dung er­hal­ten. Wäh­rend in der Wirt­schaft die Mehr­zahl der Spit­zen­po­si­tio­nen im­mer noch fest in Män­ner­hand ist, be­haup­ten sich die Frau­en in Ent­wick­lungs­län­dern lang­sam bes­ser in der Po­li­tik – meist we­gen Quo­ten­re­ge­lun­gen.

Ziel 4 „Sen­kung der Kin­der­sterb­lich­keit“. Zwi­schen 1990 und 2015 soll­te die Sterb­lich­keits­ra­te von Kin­dern un­ter fünf Jah­ren um zwei Drit­tel ge­senkt wer­den. Die­ser Wert wird wohl nicht er­reicht. 1990 star­ben in den ar­men Län­dern der Welt von 1000 ge­bo­re­nen Kin­dern 100 vor dem sechs­ten Le­bens­jahr, bis heu­te wur­de die­se Zahl ge­ra­de ein­mal auf 72 ge­senkt. Früh­ge­burt und Er­sti­cken sind die häu­figs­te To­des­ur­sa­che bei Klein­kin­dern.

Ziel 5 „Ver­bes­se­rung der Ge­sund­heit von Müt­tern“. Die Sterb­lich- keits­ra­te der Müt­ter soll­te von 1990 bis 2015 um drei Vier­tel sin­ken. Auch die­ses Ziel wird wohl nicht er­reicht. Da­bei wä­ren die Haupt­ur­sa­chen, Blu­tun­gen und Blut­hoch­druck, bei an­ge­mes­se­ner me­di­zi­ni­scher Aus­stat­tung ver­meid­bar.

Ziel 6 „Be­kämp­fung von HIV/ Aids, Mala­ria und an­de­ren Krank­hei­ten“. Vor al­lem die HIV-Epi­de- mie be­rei­tet den UN im­mer noch Sor­ge. Zwar scheint die Aus­brei­tung ins­ge­samt nicht wei­ter zu­zu­neh­men. Pro­blem­re­gio­nen blei­ben aber Ost­eu­ro­pa, Asi­en und Afri­ka. Die Neu­in­fek­ti­ons­ra­te dort wächst schnel­ler als das Be­hand­lungs­an­ge­bot.

Ziel 7 „Si­che­rung der öko­lo­gi­schen Nach­hal­tig­keit“. Re­gen­wald- ab­hol­zung, aus­ster­ben­de Ar­ten und kein aus­rei­chen­der Zu­gang zu sau­be­rem Trink­was­ser – viel Hand­lungs­be­darf bis 2015.

Ziel 8 „Auf­bau ei­ner welt­wei­ten Ent­wick­lungs­part­ner­schaft“. EUEnt­wick­lungs­kom­mis­sar An­d­ris Pie­balgs räum­te ges­tern ein, dass sich schon die 27 EU-Staa­ten nicht ge­nü­gend bei der Hil­fe ab­stim­men.

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