Rechts­po­pu­lis­ten in Schwe­den be­ju­beln Er­folg

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON MATTHIAS BEERMANN

DÜSSELDORF Fre­drik Rein­feldt ist ein er­folg­lo­ser Sie­ger: Zwar hol­te Schwe­dens Mi­nis­ter­prä­si­dent mit sei­ner Mit­te-Rechts-Ko­ali­ti­on bei den Par­la­ments­wah­len am Sonn­tag die meis­ten Stim­men. Die er­hoff­te ab­so­lu­te Mehr­heit im Stock­hol­mer Reichs­tag ver­pass­te er aber um drei Sit­ze. Schuld dar­an wa­ren die rechts­po­pu­lis­ti­schen Schwe­den­de­mo­kra­ten (SD), die es erst­mals ins Par­la­ment schaff­ten und da­mit für ein po­li­ti­sches Patt sorg­ten.

Die of­fen frem­den­feind­li­che SD un­ter ih­rem 31-jäh­ri­gen Par­tei­chef Jim­mie Aa­kes­son konn­te ihr Er­geb­nis seit der Wahl vor vier Jah­ren auf 5,7 Pro­zent ver­bes­sern und fei­er­te ih­ren Er­folg aus­ge­las­sen. Zwar er­klär­te Re­gie­rungs­chef Rein­feldt so­fort, er wol­le sich „nicht von den Schwe­den­de­mo­kra­ten ab­hän­gig ma­chen“. Doch sein Buh­len um ei­ne Ko­ali­ti­ons­be­tei­li­gung der Grü­nen stieß zu­nächst auf Ab­leh­nung. Die Öko­par­tei fühlt sich zum ei­nen wei­ter den So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­pflich­tet, mit de­nen sie ein Wahl­bünd­nis ein­ge­gan­gen war, die aber ihr schlech­tes­tes Wah­l­er­geb­nis seit 1914 ein­fuh­ren. Zum an­de­ren fie­le es wohl schwer, der grü­nen Ba­sis ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit der bür­ger­li­chen Ko­ali­ti­on zu ver­mit­teln, die erst un­längst Schwe­dens Wie­der­ein­stieg in die Kern­kraft durch­ge­setzt hat­te.

An­ge­sichts der Patt­si­tua­ti­on si­gna­li­sier­ten die Schwe­den­de­mo­kra­ten be­reits, dass sie trotz der Ab­sa­ge Rein­feldts an ei­ne Ko­ali­ti­on wei­ter auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit spe­ku­lie­ren. „Wir wol­len kei­ne Pro­ble­me ma­chen“, sag­te SD-Par­tei­chef Aa­kes­son. „Wir wer­den Ver­ant­wor­tung über­neh­men.“

Schei­tern Rein­feldts Son­die­run­gen, dürf­te die Bür­ger-Al­li­anz in Stock­holm ver­su­chen, als Min­der­heits­re­gie­rung wei­ter­zu­ma­chen – im Ver­trau­en dar­auf, dass sich lin­ke Par­tei­en und die Rechts­po­pu­lis­ten schon nicht ver­bün­den wer­den. Im­mer­hin ha­ben al­le Par­tei­en hoch und hei­lig ge­schwo­ren, sie woll­ten mit der SD nichts zu schaf­fen ha­ben. Wie viel sol­che Schwü­re wert sind, wird sich schnell er­wei­sen. So könn­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­sucht sein, ge­mein­sam mit der SD die Kap­pung des Ar­beits­lo­sen­gel­des rück­gän­gig zu ma­chen. Und die Grü­nen könn­ten mit den Rechts­po­pu­lis­ten für ei­nen Ab­zug der schwe­di­schen Sol­da­ten aus Af­gha­nis­tan stim­men. Am En­de blie­ben vi­el­leicht nur vor­zei­ti­ge Neu­wah­len – ei­ne Pre­mie­re für Schwe­den.

FO­TO: AFP

Der Rechts­po­pu­list Jim­mie ei­nen Tag nach der Wahl.

Aa­kes­son

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