Kre­feld star­tet mit Iran-Stück

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON PE­TRA DIEDERICHS

KRE­FELD Es gab kei­ne Si­cher­heits­kon­trol­len und kei­nen Eklat. Fast un­auf­fäl­lig er­eig­ne­te sich ei­ne Sen­sa­ti­on auf der Stu­dio­büh­ne des Kre­fel­der Thea­ters: die Urauf­füh­rung des im Iran ver­bo­te­nen Stücks „Bah­man-Bag­dad“.

Sh­ab­nam To­lou­ei und ihr CoAu­tor Amir Ag­haee er­zäh­len von der Un­mög­lich­keit der Lie­be in den Zei­ten des Krie­ges. 2003 war das Stück we­ni­ge Ta­ge vor der ge­plan­ten Pre­mie­re in Teheran vom „Mi­nis­te­ri­um für kor­rek­te is­la­mi­sche Er­zie­hung“ ab­ge­setzt wor­den. Oh­ne Be­grün­dung. Sh­ab­nam To­lou­ei, die heu­te im Pa­ri­ser Exil lebt, hat ihr Stück erst­mals mit ei­nem deut­schen En­sem­ble an ei­nem deut­schen Thea­ter in­sze­niert – in ei­ner Spra­che, die sie selbst nicht spricht. Es ist ein pa­cken­der Abend ge­wor­den, der ira­ni­sches Le­ben in der ge­schütz­ten In­ti­mi­tät der Woh­nung zeigt: Yal­da ist ei­ne mo­der­ne Frau. Vor ih­rem ge­walt­tä­ti­gen Ehe­mann ist sie ins Ap­par­te­ment ih­rer Freun­din ge­flüch­tet. Drau­ßen folgt sie den is­la­mi­schen Ge­set­zen, trägt Kopf­tuch und be­deckt den Kör­per. Drin­nen tanzt sie in Blue Je­ans und zeigt Haut. Der Au­ßen­welt ent­kommt sie nicht, stän­di­ger Lärm zerrt an ih­ren Ner­ven, ein wild wu­chern­der Baum drängt durchs Fens­ter – und dann nervt auch noch Nach­bar Ha­med, des­sen freund­lich ge­mein­te Ges­ten in den un­er­wünsch­tes­ten Mo­men­ten ih­re Ge­duld stra­pa­zie­ren. Ha­med lebt streng nach den Re­geln des Is­lam, sieht die frem­de Frau nie­mals di- rekt an. Doch er sucht im­mer wie­der den Kon­takt, re­det sich Er­leb­nis­se aus dem Iran-Irak-Krieg von der See­le.

Es­t­her Keil und Ron­ny To­mis­ka zei­gen in je­der Be­we­gung die Span­nung die­ses Ver­hält­nis­ses, das nie eins wer­den soll. Im­mer wie­der pral­len sie an ih­ren un­ter­schied­li­chen Le­bens­ein­stel­lun­gen ab. Sie scho­ckiert ihn mit un­be­dach­ten Ta­bu­brü­chen, wenn sie in sei­nem Bei­sein Wä­sche auf­hängt. Wie sich ih­re Bli­cke im­mer häu­fi­ger tref­fen, sich vor­sich­tig-ver­bo­te­ne Zu­nei­gung ent­spinnt, das ver­schlägt dem Pu­bli­kum den Atem. Denn es weiß längst, was Yal­da Ha­med ver­schweigt – den Ehe­mann. Als der auf­taucht, kommt es zur Ka­ta­stro­phe. Und dann fliegt auch Ha­meds Lü­ge auf. Auch wer nicht al­le (Sprach-)Bil­der der ira­ni­schen Kul­tur ent­schlüs­selt, er­lebt ein­drucks­voll die Tra­gik der Dop­pel­mo­ral in ei­nem Ge­walt­re­gime, das die­ses Stück auf den In­dex setz­te.

FO­TO: MATTHIAS STUTTE

Ron­ny To­mis­ka und der Büh­ne in Kre­feld

Es­t­her Keil

auf

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