Düsseldorf: Thea­ter wird zur Ge­schichts­stun­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON ANNETTE BOSETTI

DÜSSELDORF Die Düs­sel­dor­fer Spiel­zeit ist er­öff­net, es ist Amé­lie Nier­mey­ers letz­te, und die In­ten­dan­tin hat das Leit­mo­tiv „Wir hier drin­nen, ihr da drau­ßen“ ge­setzt. Das tra­di­tio­nel­le Schau­spiel­haus wird sa­niert, so lief die se­hens­wer­te „Mö­we“ im Cen­tral. Sonn­tag­abend folg­te die Urauf­füh­rung von „Die Brü­cke über die Dri­na“ nach Ivo And­ric´ im klaus­tro­pho­bi­schen Stu­dio. Ein po­li­tisch-har­ter Stoff des No­bel­preis­trä­gers – we­gen sei­ner Sprach­bil­der we­ni­ger büh­nen­taug- lich, eher als Hör­spiel ge­eig­net. Aus dem Ro­man des No­bel­preis­trä­gers hat Re­gis­seur Ni­ki­ta Mi­li­vo­je­vic Sze­nen her­aus­ge­schnit­ten und dra­ma­ti­siert.

Der gro­ße Fluss hängt ku­rio­ser­wei­se als il­lu­mi­nier­tes Lauf­band an der De­cke, die Hoch­guck­büh­ne ist ex­trem, so dass die Ge­fahr des Ab­stur­zes ge­gen­wär­tig wird, doch vie­les nicht gut zu ver­ste­hen ist. Das En­sem­ble (vier Män­ner, ei­ne Frau) ackert, setzt Men­schen in Sze­ne, die an Gren­zen sto­ßen, Re­li­gio­nen ver­tre­ten, an­de­re fol­tern oder bos­haf­te Spie­le trei­ben. Phan­tas­tisch: die Zer­knül­lungs­tech­ni­ken der Bühnen. Ekel­er­re­gend-schau­rig: die Fol­ter­sze­ne. Aus­nahms­wei­se lus­tig: die Ös­ter­reich-Ein­la­gen. An­dert­halb St­un­den zieht sich der schwar­ze Po­lit­spuk, der am En­de we­ni­ger Thea­ter als Ge­schichts­un­ter­richt ist. Man darf ge­spannt sein, ob das Pu­bli­kum die­ses Stück se­hen will. Ein Spiel­plan vol­ler Ri­si­ko.

FO­TO: HOP­PE

Sze­ne aus der „Brü­cke über die Dri­na“ in Düsseldorf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.