Fa­mi­li­en­dra­ma löst Amok­lauf aus

Ein Be­zie­hungs­dra­ma war of­fen­bar Aus­lö­ser für die Blut­tat ei­ner 41-jäh­ri­gen Rechts­an­wäl­tin in Lör­rach. Vier Men­schen ka­men da­bei ums Le­ben, dar­un­ter auch die Frau selbst. Tat­waf­fe: ei­ne Sport­pis­to­le.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESELLSCHAFT - VON JÜR­GEN STOCK

LÖR­RACH Ernst Barth hat den Amok­lauf von Lör­rach mit knap­per Not über­lebt. Auf der Stirn des 69-Jäh­ri­gen ist ei­ne ver­krus­te­te Wun­de zu se­hen. Dort traf die 41-jäh­ri­ge Amok­läu­fe­rin, die bei der Blut­tat den von ihr ge­trennt le­ben­den Ehe­mann (44), den ge­mein­sa­men Sohn und ei­nen Kran­ken­pfle­ger tö­te­te, den Rent­ner mit ei­nem Streif­schuss. „Sie hat in Kopf­hö­he auf mich ge­zielt“, be­rich­tet Barth, der zu­fäl­lig zum Op­fer wur­de. Po­li­zis­ten tö­te­ten die Tä­te­rin nach ei­nem Schuss­wech­sel.

Mit ei­ner Sport­pis­to­le und 300 Schuss Mu­ni­ti­on ins

Kran­ken­haus ge­rannt

In­zwi­schen gibt es ers­te Hin­wei­se auf ein Mo­tiv, das Aus­lö­ser des Amok­laufs ge­we­sen sein könn­te. Die Frau, die als Rechts­an­wäl­tin in Lör­rach ar­bei­te­te, ha­be, so ei­ne Be­kann­te ge­gen­über der Ba­di­schen Zei­tung, nicht ver­kraf­ten kön­nen, dass ihr Mann die Be­zie­hung zu ihr ab­ge­bro­chen und das Sor­ge­recht für den eben­falls ge­tö­te­ten fünf­jäh­ri­gen Sohn be­kom­men ha­be. Er­mitt­ler wis­sen je­doch nichts von ei­nem Sor­ge­rechts­streit. Die Tat er­eig­ne­te sich in ei­nem Haus, in der die Frau so­wohl ih­re Woh­nung als auch ih­re An­walts­kanz­lei hat­te.

Wei­te­re De­tails des Ver­bre­chens nennt Ober­staats­an­walt Die­ter In­ho­fer ges­tern Nach­mit­tag: Dem­nach starb der Ehe­mann an Schuss­ver­let­zun­gen, bei dem Kind sei da­ge­gen „die Ein­wir­kung stump­fer Ge­walt“ fest­ge­stellt wor­den. Wer die Ge­walt aus­ge­übt ha­be, so der Ju­rist, sei der­zeit nicht fest­stell­bar. Die Ob­duk­ti­on sei noch nicht ab­ge­schlos­sen. Es lie­ge je­doch na­he, dass die Frau die Tä­te­rin sei.

Die 41-Jäh­ri­ge hat­te nach der Tat ih­re Woh­nung an­ge­zün­det. „Da­bei“, so In­ho­fer, „wur­de breit­flä­chig Ni­tro­ver­dün­ner an­ge­wen­det, was die Schwe­re der Ex­plo­si­on er­klärt.“ Die Amok­läu­fe­rin hat­te das bren­nen­de Haus ver­las­sen und war um sich schie­ßend in das ge­gen­über­lie­gen­de Eli­sa­be­then-Kran­ken­haus ge­rannt. Dort tö­te­te sie auf der gy­nä­ko­lo­gi­schen Ab­tei­lung im ers­ten Stock der Kli­nik ei­nen Pfle­ger. Bei dem Mann wur­den Stich-und Schuss­ver­let­zun­gen fest­ge­stellt.

Für die Fort­set­zung des Amok­laufs in der Kli­nik, so In­ho­fer, ge­be es ein mög­li­ches Mo­tiv in der Le­bens­ge­schich­te der Frau. Die ha­be im Jahr 2004 auf der gy­nä­ko­lo­gi­schen Ab­tei­lung des Kran­ken­hau­ses ei­ne Fehl­ge­burt er­lit­ten.

Of­fen­bar hat­te die Sport­schüt­zin, die le­gal meh­re­re Schuss­waf­fen be­saß vor, noch mehr Men­schen mit in den Tod zu neh­men. Das geht je­den­falls aus den Schil­de­run­gen des Po­li­zei-Ein­satz­lei­ters Uwe Granz­zow her­vor, der die dra­ma­ti­schen Mi­nu­ten in der Kli­nik schil­dert.

Zwei Strei­fen­be­am­ten sei­en im Flur der Gy­nä­ko­lo­gie so­fort un­ter Be­schuss ge­nom­men wor­den. Da­bei er­litt ei­ner der Män­ner ei­nen Bein­schuss. Auf die Auf­for­de­run­gen der Be­am­ten an die Frau, sich zu er­ge­ben, ha­be die­se nicht rea- giert. Statt­des­sen ha­be sie ge­zielt et­wa zehn­mal auf die Tü­ren von Pa­ti­en­ten­zim­mern ge­schos­sen, hin­ter die sich Men­schen ge­flüch­tet hat­ten. Dar­auf­hin hät­ten die Po­li­zei­be­am­ten die Frau er­schos­sen. „Sie ha­ben so ei­ner Viel­zahl von Men­schen das Le­ben ge­ret­tet“, be­tont Gran­zow. Bei der Amok­läu­fe­rin wur­den rund 300 Schuss Mu­ni­ti­on, ei­ne Sport­pis­to­le des Typs Walt­her long rif­le, Ka­li­ber 22 ge­fun­den.

Die Rechts­an­wäl­tin hat­te als Sport­schüt­zin ei­ne Waf­fen­be­sitz­kar­te, auf der auch die Walt­her ein­ge­tra­gen war. Nach In­for­ma­tio­nen der Ba­di­schen Zei­tung be­saß sie vier Waf­fen und war seit 1996 Mit­glied in ei­nem Sport­schüt­zen­ver­ein. 2006 ha­be sie nach die­sen An­ga­ben beim Kin­der­schutz­bund ei­nen Kurs als Ta­ges­mut­ter be­legt und mit Zer­ti­fi­kat ab­ge­schlos­sen. Nach­barn hät­ten die Frau zu­letzt als an­ge­spannt, ver­wirrt und ver­bit­tert wahr­ge­nom­men.

FO­TO: DPA

Feu­er­wehr-und Po­li­zei­fahr­zeu­ge vor dem Eli­sa­be­then-Kran­ken­haus in Lör­rach.

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