Hartz IV wird neu ge­re­gelt

Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en hat ges­tern ih­ren Ge­setz­ent­wurf zu Hartz IV vor­ge­legt. Für Kin­der von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen gibt es ein Bil­dungs­pa­ket, für Ar­beits­ver­wei­ge­rer kla­re Sank­tio­nen.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON EVA QUADBECK

BERLIN Be­zie­her von Hartz-IV er­hal­ten künf­tig auch Geld für In­ter­net, die Pra­xis­ge­bühr und für Com­pu­ter-Soft­ware. Wel­che Pos­ten des täg­li­chen Be­darfs im Ge­gen­zug her­aus­fal­len, blieb ges­tern un­klar. Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) hat den Ge­setz­ent­wurf zur Neu­re­ge­lung von Hartz IV vor­ge­legt. Al­ler­dings blie­ben wich­ti­ge Tei­le au­ßen vor. Wie hoch der künf­ti­ge Hartz-IV-Satz für Kin­der und Er­wach­se­ne lie­gen wird, ließ das Mi­nis­te­ri­um eben­so of­fen wie die Fra­ge, was zum Be­darf da­zu ge­hört.

Bil­dung Ab 2011 sol­len Kin­der aus Hartz-IV-Fa­mi­li­en Sach­leis­tun­gen für Bil­dung in Hö­he von ins­ge­samt 620 Mil­lio­nen eu­ro jähr­lich er­hal­ten. Die Ar­beits­agen­tu­ren sol­len, so­fern von der Schu­le für nö­tig be­fun­den, Nach­hil­fe­un­ter­richt zah­len. Der Bund will Zu­schüs­se für ein war­mes Mit­tag­es­sen in Ki­tas und Schu­len ge­ben. Da­für ver­an­schlagt er 120 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich. Auch ein­tä­gi­ge Schul­aus­flü­ge sol­len ge­zahlt wer­den. Das Schul­star­ter-Pa­ket mit 100 Eu­ro pro Jahr bleibt er­hal­ten. Län­der und Kom­mu­nen dür­fen selbst ent­schei­den, wie sie Kin­der an Sport, Mu­sik und an­de­ren Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten teil­ha­ben las­sen. Mi­nis­te­rin von der Ley­en fa­vo­ri­siert da­für ei­ne Bil­dungschip­kar­te, sieht sie aber nur als „An­ge­bot“. Mög­lich sind auch Gut­schei­ne.

An­pas­sung Die Re­gel­sät­ze sol­len künf­tig jähr­lich an­ge­passt wer­den. Sie wer­den aber nicht mehr par­al­lel zur Ren­te stei­gen, son­dern an die Lohn-und Preis­ent­wick­lung ge­kop­pelt. Da­bei sol­len die Prei­se zu 70 Pro­zent und die Löh­ne zu 30 Pro­zent aus­schlag­ge­bend sein. Da­mit wer­den die Hartz-IV-Ein­kom­men schnel­ler als die Ren­te stei­gen. Al­le fünf Jah­re wird es wei­ter­hin ei­ne Ein­kom­mens-und Ver­brauchs­stich­pro­be ge­ben, die das Kon­sum­ver­hal­ten der un­te­ren Ein­kom­men un­ter­sucht und Grund­la­ge für die Re­gel­sät­ze bleibt.

Wohn-Kos­ten Die Kom­mu­nen sol­len künf­tig, Grenz­wer­te und Pau­scha­len für die Miet-und Heiz­kos­ten fest­le­gen. Da­hin­ter steht der Ge­dan­ke, dass Woh­nen in München bei­spiels­wei­se teu­rer ist als in der Ei­fel.

Sank­tio­nen Wer ei­ne zu­mut­ba­re Ar­beit ab­lehnt oder ab­bricht, soll un­mit­tel­bar sank­tio­niert wer­den. In ei­nem ers­ten Schritt soll der Hartz-IV-Satz für die Dau­er von drei Mo­na­ten um 30 Pro­zent ge­kürzt wer­den.

Wi­der­stand von CSU, SPD und Grü­nen gibt es ge­gen von der Ley­ens Plä­ne, die Teil­ha­be an Sport und Mu­sik für Hartz-IV-Kin­der über ei­ne Chip­kar­te zu or­ga­ni­sie­ren. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Jür­gen Trit­tin sag­te un­se­rer Zei­tung: „Das Mo­dell der Bil­dungschip­kar­te hilft nicht. Denn es han­delt sich um ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Kom­mu­nen. Das heißt, Städ­te wie Düsseldorf wer­den sie zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen. In Duis­burg und Gelsenkirchen, wo Haus­halts­not­la­ge herrscht, wird dies nicht mög­lich sein. Hier aber wird sie ge­braucht.“ Grund­sätz­lich kri­ti­sier­te Trit­tin, Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en drü­cke sich um die Fra­ge, wie hoch die Grund­hö­he der Re­gel­sät­ze tat­säch­lich lie­gen soll­ten. „Die De­bat­te um Sach­leis­tun­gen für Bil­dung und die Bil­dungschip­kar­te len­ken von dem Kern des Pro­blems ab. Der Re­gel­be­trag muss auf 420 Eu­ro an­ge­ho­ben wer­den.“

FO­TO: DAPD

Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) ges­tern in Berlin: Nach ih­ren Plä­nen sol­len Hartz-IV-Ein­kom­men künf­tig stär­ker stei­gen als Ren­ten.

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