Der My­thos Ma­gath brö­ckelt

Der Trai­ner und Ma­na­ger trägt die Ver­ant­wor­tung für die Nie­der­la­gen­se­rie von Schal­ke 04. Das Team hat kei­ne Kon­tu­ren und ist to­tal ver­un­si­chert. Die Fans sor­gen sich: Droht dem Vi­ze­meis­ter ein Ab­sturz wie Her­tha BSC?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON FRIED­HELM KÖRNER

GELSENKIRCHEN Fe­lix Ma­gath sorg­te für Ir­ri­ta­ti­on, als er die Fra­ge be­ant­wor­ten soll­te, wes­halb er im Re­vier­der­by der Fuß­ball-Bun­des­li­ga ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund (1:3) auf sei­nen spa­ni­schen Mit­tel­feld­spie­ler Jo­sé Ma­nu­el Ju­ra­do ver­zich­tet hat­te. „Er spielt des­halb kei­ne Rol­le, weil wir von Sai­son­an­fang an Un­si­cher­heit in der De­fen­si­ve zeig­ten“, sag­te Schal­kes Trai­ner und Ma­na­ger. „Ju­ra­do ist ein aus­ge­spro­che­ner Of­fen­siv­mann, der we­nig De­fen­siv­ar­beit macht. Des­halb wä­re er im Mo­ment si­cher nicht der rich­ti­ge Spie­ler in die­ser Si­tua­ti­on. Er hät­te uns nicht wei­ter­ge­hol­fen.“

Mag sein, dass Ma­gath als Fuß­ball­leh­rer für die­se Ent­schei­dung so­gar nach­voll­zieh­ba­re tak­ti­sche Ar­gu­men­te vor­brin­gen kann – im Zu­sam­men­hang mit den ho­hen In­ves­ti­tio­nen, die der Klub in die­sem Jahr für neue Spie­ler ge­tä­tigt hat, muss sich Schal­ke, muss sich ins­be­son­de­re Ma­gath aber die Fra­ge ge­fal­len las­sen, war­um man 13 Mil­lio­nen Eu­ro für den 24-Jäh­ri­gen zahl­te – die nach dem Be­trag für Klaas-Jan Hun­te­laar (14 Mil­lio­nen) zweit­höchs­te Ab­lö­se der Ver­eins­ge­schich­te. Wa­ren sei­ne Ver­pflich­tung und die des Ru­mä­nen Ci­pri­an De­ac, der im­mer­hin auch drei Mil­lio­nen Eu­ro kos­te­te, kurz vor En­de des Trans­fer­mark­tes En­de Au­gust Pa­nik­käu­fe? Schon früh im Jahr hat­te Schal­ke den Wech­sel von Chris­toph Met­zel­der zu den Kö­nigs­blau­en be­kannt ge­ge­ben. Nach den bis­he­ri­gen Leis­tun­gen des Ab­wehr­spie­lers drängt sich der Ein­druck auf, dass der 29-Jäh­ri­ge ein Fehl­ein­kauf ist. Glei­ches muss in­zwi­schen bei Raúl be­fürch­tet wer­den.

Ma­gath ar­bei­tet an der Schal­ker Zu­kunft. Doch die Mo­ment­auf­nah­me zeigt ein de­sas­trö­ses, be­droh­li­ches Bild: Der Vi­ze­meis­ter ist Schluss­licht. Oh­ne Sieg und oh­ne Punkt. Die Mann­schaft hat ei­ne brü­chi­ge Ab­wehr, ihr fehlt im Mit­tel­feld die ord­nen­de Hand, die Starein­käu­fe Raúl und Hun­te­laar wir­ken auf dem Feld noch wie Fremd­kör­per, auch, weil sie nicht rich­tig mit prä­zi­sen Päs­sen und Flan­ken in Sze­ne ge­setzt wer­den. Ma­gath hat es nicht ver­stan­den, dem Spiel Kon­tu­ren zu ge­ben. Sei­ne Mann­schaft ver­mit­telt das Bild ei­nes zu­sam­men­ge­wür­fel­ten Hau­fens, in dem die Ab­stim­mung fehlt. „Wir ha­ben zu we­ni­ge Spie­ler, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men“, sag­te Ka­pi­tän Ma­nu­el Neu­er. Das ist zwar si­cher kei­ne be­wuss­te, wohl aber ei­ne in­di­rek­te Kri­tik an Ma­gath, der für das Ver­hal­ten sei­ner Pro­fis auf dem Platz die Ver­ant­wor­tung trägt.

Die Vor­stel­lung des FC Schal­ke ge­gen Dort­mund war für sei­ne Fans um­so nie­der­schmet­tern­der, als sie in der ei­ge­nen Are­na Zeu­gen ei­nes klu­gen Ge­gen­ent­wurfs wa­ren. Der selbst­be­wuss­te und kom­bi­na­ti­ons­si­che­re Auf­tritt des gro­ßen Ri­va­len war ein schar­fer Kon­trast zur Zag­haf­tig­keit und Ve­r­un­si­che­rung der Gast­ge­ber.

An sei­nem „schlimms­ten Tag auf Schal­ke“ kün­dig­te Ma­gath an: „Wir müs­sen die Si­tua­ti­on neu be­wer­ten. Ich muss sie neu be­wer­ten.“ Doch Ma­gaths Image als Ma­gier, als star­ker, mäch­ti­ger Mann auf Schal­ke brö­ckelt. Die Qua­li­fi­ka­ti­on für die kom­men­de Cham­pi­ons-Le­ague-oder Eu­ro­pa-Le­ague-Sai­son und die da­mit ver­bun­de­nen Ein­nah­men, die der in fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge ge­ra­te­ne Klub so drin­gend braucht, rü­cken in wei­te Fer­ne. Nach vier Nie­der­la­gen hin­ter­ein­an­der dro­hen die schö­nen Träu­me, die Schal­kes An­hang in Ma­gaths Ar­beit setzt, zu ei­nem Alb­traum zu wer­den. Die ban­ge Fra­ge der Fans: Er­le­ben die Kö­nigs­blau­en ei­nen ähn­lich fa­ta­len Ab­sturz wie Her­tha BSC in der ver­gan­ge­nen Sai­son beim tie­fen Fall vom am­bi­tio­nier­ten Spit­zen­klub in die Zwei­te Li­ga? Ge­rät ein Team in ei­nen im­mer stär­ker wer­den­den Stru­del, kann die ge­fähr­li­che Dy­na­mik schlim­me Fol­gen ha­ben. Für Schal­ke wä­ren sie we­gen der ho­hen Ver­bind­lich­kei­ten wo­mög­lich fa­tal.

FO­TO: FIRO

Trai­ner Fe­lix Ma­gath: Das Re­vier­der­by wur­de für ihn zur gro­ßen Ent­täu­schung.

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