Gut­ach­ter: Abra­hams grob fahr­läs­sig

Man­fred Abra­hams – frü­her Käm­me­rer in Kre­feld, jetzt in Düsseldorf – bleibt we­gen der Miss­stän­de in der Sei­den­stadt un­ter Druck: Ei­ne Köl­ner An­walts­kanz­lei wirft ihm schwe­re Pflicht­ver­let­zung vor. Die Ex­per­ten se­hen An­lass für ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren und

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON HANS ONKELBACH UND SEBASTIAN PETERS

We­ni­ge Ta­ge nach sei­nem Amts­an­tritt am 1. Ju­ni hol­ten den neu­en Düs­sel­dor­fer Käm­me­rer Er­eig­nis­se ein, die zu sei­ner Amts­zeit als Käm­me­rer der Stadt Kre­feld ak­ten­kun­dig ge­wor­den wa­ren. Vor al­lem ei­ne Fehl­bu­chung von knapp 800 000 Eu­ro an ein Un­ter­neh­men, das zur Zeit der Über­wei­sung plei­te war, ver­ur­sach­te hef­ti­gen Streit im Rat der Nach­bar­stadt. Denn das irr­tüm­lich über­wie­se­ne Geld war un­wie­der­bring­lich ver­lo­ren. Im Rah­men wei­te­rer Un­ter­su­chun­gen kam zu­dem her­aus, dass Steu­er­ak­ten zu spät oder gar nicht be­ar­bei­tet wor­den wa­ren. Zu­stän­di­ger De­zer­nent war da­mals Man­fred Abra­hams, der in die­sem Jahr nach Düsseldorf wech­sel­te. Er er­klär­te zu den Vor­fäl­len, dass er nicht ver­ant­wort­lich zu ma­chen sei, weil er als Chef nicht die Chan­ce hät­te, al­le Feh­ler in ei­ner Ab­tei­lung mit meh­re­ren Hun-

Vor al­lem ei­ne Fehl­bu­chung

über 800 000 Eu­ro ver­ur­sach­te Streit in Kre­feld

dert Mit­ar­bei­tern recht­zei­tig zu ent­de­cken. Die An­walts­kanz­lei Lenz und Joh­len in Köln sieht das an­ders. Nach ei­ner Rats­sit­zung im Ju­li hat­te es ei­nen in­ter­frak­tio­nel­len Be­schluss ge­ge­ben, ex­ter­ne Fach­leu­te mit der Un­ter­su­chung der La­ge zu be­auf­tra­gen. Die Wahl fiel auf die Köl­ner An­wäl­te, die als Fach­leu­te für Ver­wal­tungs­recht gel­ten. De­ren 46-sei­ti­ges Gut­ach­ten wur­de jetzt in Kre­feld ab­ge­lie­fert und liegt der RP vor.

Das Fa­zit: Im Kre­fel­der Rat­haus gab es im Be­reich Fi­nan­zen er­heb­li­che De­fi­zi­te bei der Or­ga­ni­sa­ti­on und Kon­trol­le. Na­ment­lich wer­den ver­schie­de­ne Sach­be­ar­bei­ter und Ab­tei­lungs­lei­ter ge­nannt und auf­ge­lis­tet, wo sie sich falsch ver­hal­ten ha­ben. Ei­ni­gen wer­den schwe­re Pflicht­ver­let­zung und gro­be Fahr­läs­sig­keit vor­ge­wor­fen. Un­ter ih­nen: der da­ma­li­ge Käm­me­rer Abra­hams. Er ha­be es vor al­lem ver­säumt, nach der Um­stel­lung der kom­mu­na­len Fi­nanz­buch­hal­tung vor über vier Jah­ren um­ge­hend für ent­spre­chen­de Kon­troll­me­cha­nis­men zu sor­gen. Das sei erst zu­letzt un­ter dem Ein­druck der Pan­nen ge­sche­hen. So­wohl Abra­hams wie auch ei­ni­gen sei­ner Mit­ar­bei­tern sei gro­be Fahr­läs­sig­keit vor­zu­wer­fen. Wenn sich das be­wahr­hei­tet, dann kann ge­gen die­se Frau­en und Män­ner, al­so auch ge­gen Abra­hams, nicht nur ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren er­öff­net, son­dern auch in ei­nem Zi­vil­ver­fah­ren auf Scha­dens­er­satz ge­klagt wer­den. Die An­wäl­te aus Köln for­dern die Stadt Kre­feld re­gel­recht auf, das auch zu tun. Bei ei­nem Be­am­ten, der in­zwi­schen in Ru­he­stand ist, emp­feh­len sie so­gar die Kür­zung sei­ner Ru­he­stands­be- zü­ge. Dass Abra­hams nicht mehr in Di­ens­ten der Stadt Kre­feld steht, son­dern jetzt für Düsseldorf ar­bei­tet, steht nach An­sicht der Fach­leu­te ei­ner Ein­lei­tung des Ver­fah­rens nicht im We­ge. Dem neu­en Di­enst­herrn – al­so Düs­sel­dorfs Ober­bür­ger­meis­ter Dirk El­bers – sei­en die ent­spre­chen­den Er­kennt­nis­se zu­zu­lei­ten, und er ha­be dann zu ent­schei­den, ob er das Ver­fah­ren ein­lei­te. Nicht klar ist, ob El­bers das tun muss – oder ob es in sei­nem Er­mes­sen liegt, dies an­zu­sto­ßen.

Als aus po­li­ti­schen Krei­sen Kre­felds die­ses An­sin­nen schon ein­mal an ihn her­an­ge­tra­gen wor­den war, lehn­te er es ab. Er ste­he hin­ter sei­nem Käm­me­rer, er­klär­te El­bers da­mals, und er ver­traue ihm. Skep­ti­scher re­agier­ten da­mals nur die So­zi­al­de­mo­kra­ten, wäh­rend sich Grü­ne und FDP eben­falls hin­ter Abra­hams stell­ten. Das je­doch ist jetzt fast zwei Mo­na­te her.

Man­fred Abra­hams ist zur Zeit auf der Ex­po in Shang­hai und war ges­tern nicht er­reich­bar.

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Käm­me­rer Man­fred Abra­hams An­fang Ju­li. Vor­wür­fe, die aus sei­ner Kre­fel­der Amts­zeit stam­men, hat­ten ihn be­reits da­mals in Be­dräng­nis ge­bracht.

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