Die­bi­scher Kell­ner er­fand Raub­über­fall: Geld­stra­fe

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

(wuk) Al­le Räu­ber wa­ren mas­kiert, be­waff­net und ha­ben un­ter Ge­walt­an­wen­dung das kom­plet­te Bar­geld ei­ner Gast­stät­te in Flug­ha­fen­nä­he er­beu­tet, ins­ge­samt rund 800 Eu­ro. Das be­rich­te­te je­den­falls ein 27-jäh­ri­ger Aus­hilfs­kell­ner im März der Po­li­zei. Ges­tern Vor­mit­tag saß das „Über­fall­op­fer“ aber selbst auf die An­kla­ge­bank beim Amts­ge­richt. Der jun­ge Mann hat­te die Kas­se näm­lich ei­gen­hän­dig ge­plün­dert, hat­te den Raub da­nach nur vor­ge­täuscht. Die An­kla­ge we­gen Dieb­stahls und Vor­täu­schens ei­ner Straf­tat be­stä­tig­te er im Ver­fah­ren ganz klein­laut.

Über sei­ne Mo­ti­ve wur­de im Pro­zess nicht mehr ge­spro­chen. Zu of­fen­sicht­lich war, dass der 27-Jäh­ri­ge aus Geld­man­gel da­mals nicht nur den In­halt der ei­ge­nen Kell­ner­bör­se ein­ge­steckt, son­dern auch die Wech­sel­kas­se ge­plün­dert hat­te und ein Trink­geld-Glas. „Es tut mir leid. Es war mir klar, dass ich da­für ver­ur­teilt wer­de“, be­stä­tig­te er die An­kla­ge in al­len Punk­ten. Denn schon bei ers­ten Ver­neh­mun­gen in der an­geb­li­chen Tat­nacht war den Po­li­zis­ten auf­ge­fal­len, dass die Raub-Ver­si­on des 27-Jäh­ri­gen selt­sam ver­wor­ren war. Mehr­fach ver­wi­ckel­te sich das „Op­fer“ da­mals in Wi­der­sprü­che. Und je öf­ter der Aus­hilfs­kell­ner den ge­nau­en Ta­t­ab­lauf schil­dern soll­te, des­to mehr wich er aus, drucks­te her­um – und leg­te zum Schluss ein um­fas­sen­des Ge­ständ­nis ab. 450 Eu­ro der Beu­te hat er in­zwi­schen zu­rück­ge­zahlt, den Rest wol­le er dem­nächst auch noch ab­stot­tern.

Das Ge­ständ­nis hat ihm der Rich­ter ges­tern straf­mil­dernd an­ge­rech­net. Aber 2800 Eu­ro (ent­spre­chend 70 Ta­ges­sät­zen) muss der 27-Jäh­ri­ge als Stra­fe jetzt trotz­dem zah­len, so das Ur­teil. Denn der An­ge­klag­te ha­be mit sei­ner fin­gier­ten Ge­schich­te vom nächt­li­chen Raub­über­fall „die Po­li­zei un­nö­tig in An­spruch ge­nom­men“, und sei­ne „Ver­trau­ens­stel­lung als Kell­ner miss­braucht“, hieß es im Ur­teil. Zu­dem war der die­bi­sche Kell­ner be­reits ein­mal vor­be­straft. Der Staats­an­walt hat­te un­ter die­sen Um­stän­den so­gar ei­ne Geld­stra­fe von 4800 Eu­ro be­an­tragt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.