Die Kunst der Gärt­ne­rin

Sie ist Künst­le­rin, aber auch Gärt­ne­rin: Fa­ri­deh Atash­kar lebt in ei­nem Ate­lier Bilk, ver­treibt aber auch Kräu­ter und Ge­mü­se. Re­stau­rants über ih­re un­ge­wöhn­lich-aro­ma­ti­sche Lie­fe­rung. Jetzt hat die Per­se­rin auch ein Mär­chen­buch ge­schrie­ben.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON AN­KE KRONEMEYER

Bei ei­nem Be­such im Ate­lier der 47-jäh­ri­gen Fa­ri­deh weiß man erst nicht, ob man ge­ra­de nicht selbst ei­ne Rol­le im Le­ben der zau­ber­haf­ten Fa­ri­deh spielt oder ei­ne Sze­ne der Mo­zart-Oper „Die Gärt­ne­rin aus Lie­be“ er­lebt. Ob man Gast in ei­ner Ga­le­rie oder bei ei­ner Ver­kos­tung von Wild­kräu­tern ein­ge­la­den ist. Die far­ben­fro­hen Bil­der wir­ken wie Mär­chen­sze­nen, die vier Kat­zen wie Le­be­we­sen von ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten. Fa­ri­deh schäumt Milch für den Kaf­fee auf und er­klärt ih­re Le­bens­wei­se. „Wür­den al­le Men­schen mehr Kräu­ter es­sen, bräuch­ten sie kei­ne Ta­blet­ten zu neh­men.“ Sie lebt in zwei Wel­ten, die für sie durch­aus ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner ha­ben.

Die ei­ne Welt ist ein 300 Qua­drat­me­ter gro­ßes, char­mant ver­wohn­tes Ate­lier an der Koper­ni­kus­stra­ße in Bilk. Die an­de­re Welt ist nur ein paar Fahr­rad­mi­nu­ten ent­fernt: die Fried­hofs­gärt­ne­rei Wolf am Dahl­acker, in der die Per­se­rin Wild­kräu­ter, faust­di­cke To­ma­ten, hell­grü­ne Gur­ken, Ar­ti­scho­cken und fest­ko­chen­de Kar­tof­feln an­baut.

Ih­re Kunst ver­kauft sie schon seit Jah­ren an ei­nen fes­ten Kun­den­stamm, aber auch an Be­su­cher der Ga­le­ri­en, in de­nen sie aus­stellt. Auch ih­re Kräu­ter fin­den im­mer mehr Ab­neh­mer, die sich freu­en, wenn die sport­li­che Künst­le­rin auf ih­rem Fahr­rad vor­bei­kommt, auf dem Ge­päck­trä­ger die Wa­re: Kräu­ter für das Ster­ne-Re­stau­rant Berens am Kai, Man­gold für das Fisch­lo­kal Patricks Se­a­food, ein­ge­leg­te To­ma­ten für die Fro­ma­ge­rie an der Neus­ser Stra­ße. Wer will, be­kommt Ho­lun­der­ge­lee oder Brom­beerMar­me­la­de da­zu.

Ent­deckt bei ei­ner Par­ty

Ei­gent­lich ist Fa­ri­dehs Le­ben durch die Kunst ge­prägt. Schon in ih­rer Hei­mat hat sie per­si­sche Mi­nia­tu­ren ge­zeich­net. Sie kam 1986 nach Deutsch­land – und das nur, weil sie kein Vi­sum für die USA be­kam. Sie schrieb sich 1989 an der Kunst­aka­de­mie ein. Bis 1996 stu­dier­te sie un­ter an­de­rem bei Fritz Sch­weg­ler, war Meis­ter­schü­le­rin bei Mar­kus Lü­pertz. Zum En­de des Stu­di­ums zog sie in das Ate­lier nach Bilk, dort zeich­net und malt sie und ent­wirft ih­re Skulp­tu­ren.

Als sie vor mehr als zehn Jah­ren in der Nach­bar­schaft Blu­men kau­fen woll­te, lan­de­te sie in der Gärt­ne­rei Wolf, kam mit den Brü­dern Gerhard und Paul Wolf ins Ge­spräch über Ge­mü­se und Kräu­ter. Mit dem Er­geb­nis, dass die zwei Pro­fi-Gärt­ner der Ama­teu­rin erst ein Ge­wächs­haus, spä­ter ein grö­ße­res Feld an­bo­ten. Seit­dem ex­pe­ri­men­tiert sie mit exo­ti­schen Sa­men, pflanzt Fen­chel, Spitz­horn­we­ge­rich, Calen­du- la, Bor­retsch, Giersch, per­si­sches oder ja­pa­ni­sches Ba­si­li­kum, ro­ten Spi­nat oder Ko­ri­an­der an, 52 Ar­ten, vie­le da­von un­be­kannt oder als Un­kraut ver­schrien.

Zu­nächst hat­te sie nur Spaß am Gärt­nern, woll­te nur ih­ren Ei­gen­be­darf de­cken. Bis sie ver­gan­ge­nes Jahr zu ei­ner Par­ty selbst ent­wor­fe­nen Wild­kräut­er­sa­lat mit­brach­te. Un­ter den Gäs­ten war Ster­ne­koch Hol­ger Berens so be­geis­tert, dass er di­rekt ei­ne Be­stel­lung auf­gab. Seit­dem ra­delt Fa­ri­deh zwei­mal in der Wo­che in den Me­di­en­ha­fen, be­lie­fert aber auch im­mer mehr an­de­re Kun­den in an­de­ren Stadt­tei­len, bei de­nen sich der aro­ma­ti­sche Ge­schmack der Kräu­ter, To­ma­ten oder Gur­ken her­um­ge­spro­chen hat. „Al­les ist hand­ge­pflückt und mit viel Lie­be ge­macht.“

RP-FO­TO: TH. BUSSKAMP

Mit dem Fahr­rad lie­fert Ma­le­rin Fa­ri­deh zwei­mal die Wo­che ih­re fri­schen Kräu­ter und Ge­mü­se un­ter an­de­rem in Re­stau­rants.

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