Hun­de­trai­ner ge­ben Er­zie­hungs­tipps

Wenn Hun­de Jog­ger ja­gen oder nicht hö­ren, so­bald Herr­chen ruft, dann ist Nicole Rad­zu­wait zur Stel­le. Die Düs­sel­dor­fe­rin ver­bes­sert die Che­mie zwi­schen Zwei- und Vier­bei­nern. Ihr wich­tigs­ter Rat schmerzt man­chen Hal­ter: Der Hund kann sich nur ver­än­dern, w

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SERIE / ROMAN - VON MARTINA STÖ­CKER

DÜSSELDORF „Lum­pi“ hat ei­nen sehr ei­ge­nen Kopf – und das nicht nur äu­ßer­lich. Der Shar-Pei, ein chi­ne­si­scher Fal­ten­hund, macht sei­nem Na­men im Ge­sicht al­le Eh­re. „Und er ist ein klei­ner Stur­kopf“, sagt Be­sit­ze­rin Yvon­ne Ka­menz, „meist hört er nicht so, wie wir das ger­ne möch­ten.“ Mitt­ler­wei­le ist Lum­pi (be­nannt nach dem Spitz­na­men des Fortu­na-Fuß­bal­lers Andre­as Lam­bertz) 16 Mo­na­te alt und da­mit im bes­ten Fle­gel­al­ter. Er ge­horcht zwar auf die wich­tigs­ten Kom­man­dos wie „Sitz“, „Bleib“ und „Stopp“ – doch nur wenn kei­ne an­de­ren Hun­de in sei­ner Nä­he auf­tau­chen.

„Er fin­det an­de­re Hun­de viel span­nen­der als

sei­ne Men­schen“

Dann stellt er sei­ne Schlapp­oh­ren auf Durch­zug. Und Yvon­ne Ka­menz kann so viel ru­fen, wie sie will.

Des­halb ge­hen die Düs­sel­dor­fe­rin, ihr Mann Dirk oder Schwie­ger­va­ter Pe­ter re­gel­mä­ßig zum Hun­de­trai­ning bei Nicole Rad­zu­wait. Die 33-Jäh­ri­ge ar­bei­tet auf ei­nem Ge­län­de im Stadt­teil Holt­hau­sen nach den Grund­sät­zen von TV-Hun­de­coach Mar­tin Rüt­ter, bei dem sie ei­ne zwei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung ab­sol­vier­te. Nicole Rad­zu­wait hat Lum­pis Ver­hal­ten und Be­zie­hung zu sei­nen Be­sit­zern be­ob­ach­tet. „Er fin­det an­de­re Hun­de viel span­nen­der als sei­ne Men­schen. Au­ßer­dem ist er sehr in­ter­es­siert an Hün­din­nen. Des­halb hört er nicht“, stellt sie fest.

Auf Fa­mi­lie Ka­menz war­tet ei­ni­ges an Ar­beit. „Ein Shar-Pei ist sehr selbst­stän­dig und ernst­haft und nicht so na­iv und lus­tig wie zum Bei­spiel ein La­b­ra­dor“, be­tont die Ex­per­tin. „Je­der Hund hat ei­nen Cha­rak­ter, den man for­men kann.“ Wer dies nicht macht, tut sich selbst, sei­nem Hund und dem An­se­hen von Tier­hal­tern kei­nen Ge­fal­len. Denn Hun­de, die nicht hö­ren oder Jog­ger ja­gen, schü­ren Ängs­te und ver­ur­sa­chen Kon­flik­te im Park oder in der Nach­bar­schaft.

Lum­pi und sei­ne Be­sit­zer ma­chen beim Trai­ning gro­ße Fort­schrit­te, weil Yvon­ne Ka­menz fest­ge­stellt hat: „Es liegt an uns.“ Nur in die­ser Er­kennt­nis liegt der Grund­stein für ein er­folg­rei­ches Trai­ning. Denn Nicole Rad­zu­wait voll­bringt we­der Wun­der­din­ge noch ist sie ei­ne „Hun­de­flüs­te­rin“. Viel­mehr hilft sie den Be­sit­zern da­bei, ihr Tier und des­sen Ver­hal­ten zu ver­ste­hen. „Ich lei­te sie an, in wel­chen Si­tua­tio­nen sie ein­grei­fen müs­sen und wie sie ein­grei­fen.“

Des­halb wird ge­nau ana­ly­siert und ge­fragt: Was macht der Hund, und war­um macht er es? Ist ein Hund zum Bei­spiel ter­ri­to­ri­al ver­an­lagt, das heißt, er ver­fügt über ein gro­ßes Schutz-und Kon­troll­be­dürf­nis, dann darf sein Lie­ge­platz nicht an ei­ner ex­po­nier­ten Stel­le im Haus sein – sonst bellt er oft. „Nur wenn er nicht al­les im Blick hat, kann sich der Hund auch ent­span­nen.“ Für die rich­ti­ge Beur­tei­lung greift Nicole Rad­zu­wait auf vier­bei­ni­ge Mit­ar­bei­ter zu­rück: Ih­re Hun­de Ron­ja (Misch­ling, elf Jah­re), Gaia (vier­ein­halb Jah­re) und Ron­ja (bei­de wei­ße Schä­fer­hun­de, zehn Mo­na­te) sind im­mer da­bei, und be­son­ders Gaia hilft bei der Ar­beit. „Sie kann gut ein­schät­zen und mir dann zei­gen, ob ein an­de­rer Hund wirk­lich ag­gres­siv ist oder nur blufft.“

Die Er­kennt­nis­se ge­fal­len nicht je­dem Be­sit­zer. „Wir dok­tern nicht an Sym­pto­men her­um, son­dern ver­än­dern das Ver­hal­ten und Struk­tu­ren zu Hau­se“, sagt die 33-Jäh­ri­ge. Die Ma­xi­me lau­tet: Der Mensch muss sich ver­än­dern. Erst dann kann sich auch der Hund ver­än­dern. Das ist für vie­le ein schwie­ri­ger Schritt. Nicole Rad­zu­wait weiß das. „Man kann nicht im­mer aus sei­ner Haut raus.“ Erst recht, wenn ein Hund die Er­satz­rol­le für ein Kind oder ei­nen Part­ner ein­nimmt. Den­noch gilt: „Der Be­sit­zer soll­te nicht um den Hund buh­len und nicht so viel re­den, son­dern sich rar­ma­chen“, be­tont Rad­zu­wait. Das imi­tie­re das Ver­hal­ten im Ru­del, in dem die rang­höchs­te Hün­din eben­falls die an­de­ren igno­rie­re.

Der häu­figs­te Grund für un­ge­woll­tes Ver­hal­ten ist Lan­ge­wei­le. Nur den Fut­ter­napf hin­ge­stellt zu be­kom­men oder ein her­um­lie­gen­des Spiel­zeug an­zu­knab­bern, macht das Hun­de­le­ben nicht span­nen­der. „Schon gar nicht soll­ten Fut­ter und Spiel­zeug frei ver­füg­bar sein, dann meint der Hund, ihm ge- hö­re al­les.“ Bei sport­li­chen An­ge­bo­ten wie Agi­li­ty, Fähr­ten su­chen, Treib­ball oder Rei­z­an­geln be­kommt je­der ein pas­sen­des An­ge­bot. „Hun­de brau­chen ei­ne Auf­ga­be, bei ih­nen gibt es kei­ne Couch­Po­ta­tos .“

Die St­un­de für Lum­pi ist vor­bei. Nicole Rad­zu­wait bringt Vier-und Zwei­bei­ner zur Pfor­te. Oh­ne Lei­ne sol­len sich nur Hun­de auf der Wie­se be­geg­nen, die gut mit­ein­an­der aus­kom­men. Auf dem Bür­ger­steig vor dem Trai­nings­ge­län­de war­ten die nächs­ten Kun­den. Als die bei­den Rho­de­si­an Rid­ge­backs den an­de­ren Hund se­hen, sprin­gen sie vor Be­geis­te­rung hoch und stem­men sich in die Lei­ne. „Das soll­te na­tür­lich nicht so sein“, sagt Nicole Rad­zu­wait lä­chelnd. Es wird ge­wiss nicht mehr lan­ge dau­ern, dann sind auch die­se Flau­sen Ge­schich­te. Den Blick über das wei­te Land schwei­fen las­sen und sich mit an­de­ren Hun­de­hal­tern aus­tau­schen – das kann man un­ter fach­kun­di­ger Wan­der­lei­tung in ei­ner bun­ten Hun­de­trup­pe. Mo­ni­que Sprün­ken bie­tet am Nie­der­rhein sechs Tou­ren an über Rhein, Maas, Schwalm und ein Stück des Ja­kobs­wegs. Im Preis von 47 Eu­ro (Ta­ges­wan­de­rung) ist ein Abend­es­sen ent­hal­ten. www.nie­der­rhein­hund.de R um­lie­gen und Fau­len­zen sind nichts für Liz­zy (8). Die Bel­gi­sche Schä­fer­hün­din ist ein Ar­beits­tier. Das Ord­nungs­amt hat sie vor zwei Jah­ren ins Tier­heim ge­bracht. Liz­zy ist ein treu­er und an­häng­li­cher Typ, zu­dem sehr wach­sam, schnell und in­tel­li­gent. Der neue Be­sit­zer darf da­her kein An­fän­ger in Sa­chen Hun­de­hal­tung und soll­te kör­per­lich fit sein. Au­ßer­dem braucht Liz­zy auf­grund ih­res We­sens ei­ne Auf­ga­be. Das kann zum Bei­spiel ei­ne Hun­de­aus­bil­dung sein oder re­gel­mä­ßi­ge Fähr­ten­su­che. Denk­bar wä­re auch, dass sie ein gro­ßes Grund­stück be­wacht.

FO­TO: A. BRETZ

Nicole Rad­zu­wait be­rät Hei­di Bäun­ker (r.) da­bei, wie sie mit Lu­cy, ei­nem vier Mo­na­te al­ten Ca­va­lier-King-Charles-Wel­pen, von An­fang an al­les rich­tig macht.

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