Ka­tho­li­sche Kir­che darf Ehe­bre­cher nicht kün­di­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE -

STRASS­BURG (dapd) Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hat das Kün­di­gungs­recht der Kir­chen in Fäl­len von Ehe­bruch deut­lich ein­ge­schränkt. Die Straß­bur­ger Rich­ter er­klär­ten die Kün­di­gung des Chor­lei­ters und Or­ga­nis­ten Bern­hard Schlüth von der ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Lam­ber­tus in Es­sen für un­wirk­sam. Sie ver­let­ze das Men­schen­recht auf Schutz des Pri­vat­und Fa­mi­li­en­le­bens. Schlüth hat­te sich von sei­ner Ehe­frau ge­trennt und leb­te mit ei­ner neu­en Part­ne­rin zu­sam­men, die ein Kind von ihm er­war­te­te. Ihm war des­halb ge­kün­digt wor­den.

Der 1957 ge­bo­re­ne Kir­chen­mu­si­ker ar­bei­te­te seit Mit­te der 80er Jah­re in der ka­tho­li­schen Pfarr­ge­mein­de. 1994 trenn­te er sich von sei­ner Frau und leb­te ein Jahr spä­ter mit ei­ner an­de­ren Part­ne­rin zu- sam­men, die bald schwan­ger wur­de. Die Kün­di­gung durch das Bis­tum Es­sen war von den Ar­beits­ge­rich­ten und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­bil­ligt wor­den.

Die Straß­bur­ger Rich­ter be­an­stan­de­ten die Ur­tei­le, weil die Rech­te des Mu­si­kers nicht aus­rei­chend be­rück­sich­tigt wur­den. Die Ar­beits­ge­rich­te sei­en nicht der Fra­ge nach­ge­gan­gen, ob die Kir­che bei Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Chor­lei­ters ih­re Glaub­wür­dig­keit ver­lo­ren hät­te. Mit dem Ar­beits­ver­trag sei der Mu­si­ker zwar ei­ne Loya­li­täts­ver­pflich­tung ge­gen­über der ka­tho­li­schen Kir­che ein­ge­gan­gen. Sein Ar­beits­ver­trag konn­te aber nicht als Ver­spre­chen ver­stan­den wer­den, „im Fall ei­ner Tren­nung oder Schei­dung ein ent­halt­sa­mes Le­ben zu füh­ren“, hieß es in der Mit­tei­lung des Ge­richts.

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