Das neue Bahn­ver­spre­chen

Die Deut­sche Bahn will ih­ren Ser­vice ver­bes­sern. 330 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len in den kom­men­den fünf Jah­ren in­ves­tiert wer­den, vor al­lem in mehr Per­so­nal und ei­ne bes­se­re Aus­stat­tung der Zü­ge.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON HANNA KOCH

BERLIN In die­sem Som­mer sind die Image­wer­te der Bahn auf ei­nen neu­en Tief­punkt ge­sun­ken: Erst das De­ba­kel um de­fek­te Kli­ma­an­la­gen in ICE-Zü­gen, bei dem es so­gar zu ei­nem Not­arz­t­ein­satz am Bahn­steig kam, dann die Mas­sen­pro­tes­te ge­gen das Mil­li­ar­den­pro­jekt „Stutt­gart 21“. Jetzt will die Bahn ge­gen­steu­ern: Mit ei­ner „Kun­den-und Qua­li­täts­of­fen­si­ve“. 330 Mil­lio­nen Eu­ro gibt der Kon­zern da­für aus. 20,6 Mil­lio­nen Eu­ro da­von flie­ßen in den Nah­ver­kehr von NRW. Ei­nen ge­nau­en Zeit­plan gibt es al­ler­dings nicht. Laut Deut­scher Bahn sol­len die Er­geb­nis­se der Qua­li­täts­of­fen­si­ve in den kom­men­den Mo­na­ten für die Kun­den spür­bar wer­den.

„Wir wol­len für die Kun­den sym­pa­thi­scher wer­den“

Mehr Per­so­nal In den Re­gio­nal­zü­gen sol­len 120 zu­sätz­li­che Kun­den­be­treu­er ein­ge­setzt wer­den, ver­spricht DB-Vor­stands­chef Rü­di­ger Gru­be. Auf­ge­stockt wird nicht nur die Zahl der Zug­be­glei­ter, es soll auch auch mehr Si­cher­heits­kräf­te und Rei­ni­gungs­per­so­nal ge­ben. 80 Mil­lio­nen Eu­ro wer­de da­für in­ves­tiert.

An 30 Bahn­hö­fen plant der Kon­zern, 50 zu­sätz­li­che Ser­vice­kräf­te ein­zu­stel­len, die sich ge­zielt um Fahr­gäs­te mit Be­hin­de­run­gen küm­mern. Ins­ge­samt will die Bahn rund 300 neue Stel­len schaf­fen.

We­ni­ger Eng­lisch Der Spruch „Thank you for tra­vel­ling with Deut­sche Bahn“, von Bahn-Mit­ar­bei­tern gern in­to­niert als „ßänk ju for träwe­ling wis Deut­sche Bahn“, hat dem Kon­zern viel Spott ein­ge­bracht. Des­we­gen soll es die eng­li­schen Durch­sa­gen bald nur noch dort ge­ben, wo sie auch ge­braucht wer­den: an Bahn­hö­fen mit in­ter­na­tio­na­len An­bin­dun­gen und in ICEs.

Bahnchef Gru­be hat au­ßer­dem an­ge­kün­digt, dass al­le Bahn­hofs­an­sa­gen ver­ein­facht wer­den sol­len. „Um kun­den­freund­lich zu sein, brau­chen wir ei­ne kla­re, ver­ständ­li­che Spra­che“, sagt der 59-Jäh­ri­ge. Die neu­en An­sa­ge­stan­dards wer­den be­reits am Mün­che­ner Haupt­ahn­hof ge­tes­tet.

Per­sön­li­cher Ser­vice Vie­le Kun­den är­gern sich über das Call-Cen­ter der Deut­schen Bahn. Denn all­zu oft wird ih­nen dort emp­foh­len, sich schrift­lich an das Un­ter­neh- men zu wen­den – das lässt so man­chen Bahn­fah­rer an der Kom­pe­tenz der Mit­ar­bei­ter zwei­feln. Da­mit sich das än­dert, soll der Kun­den­dia­log ver­stärkt auf Rück­ru­fe set­zen. Au­ßer­dem hat die Bahn an­ge­kün­digt, auf au­to­ma­ti­sche An­sa­gen künf­tig weit­ge­hend zu ver­zich­ten und die Sprech­zei­ten der Bahncard-Hot­li­ne zu er­wei­tern. Bis De­zem­ber soll zu­dem das Be­schwer­de­for­mu­lar der Bahn ver­ein­facht wer­den.

Zug­tech­nik Für 100 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den vor al­lem S-Bahn-Zü­ge mit Sand­streu­an­la­gen nach­ge­rüs­tet. Im Herbst ge­ra­ten all­jähr­lich die Fahr­plä­ne aus den Fu­gen, weil die Zü­ge auf schmie­ri­gen Glei­sen län­ge­re Brems­we­ge ha­ben. Die­ser Ef­fekt lässt sich mit ge­zielt ge- streu­tem Sand sehr deut­lich re­du­zie­ren. Wie be­reits vor Mo­na­ten an­ge­kün­digt, sol­len die In­ter­ci­ty-Zü­ge und die vor al­lem im Berlin-Ver­kehr ein­ge­setz­ten ICE 2 für mehr als 100 Mil­lio­nen Eu­ro mo­der­ni­siert wer­den.

Sau­ber­keit 40 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den in ein bes­se­res Er­schei­nungs­bild der Zü­ge in­ves­tiert. Ge­plant sind ei­ne Sa­nie­rung der Toi­let­ten­an­la­gen, Lack­auf­fri­schun­gen an Zü­gen und ein ver­stärk­ter Graf­fi­tiSchutz.

Bes­se­re In­fo­tech­nik Zehn Mil­lio­nen Eu­ro will die Bahn für zu­sätz­li­che elek­tro­ni­sche Schrift­an­zei­gen aus­ge­ben, die bis 2011 in­stal­liert sein sol­len. Wei­te­re 1800 sol­cher An­zei­ger will die Bahn auf­stel­len – für die ist aber die Fi­nan­zie­rung nicht ge­si­chert. Dar­über müs­se mit den Län­dern ver­han­delt wer­den, so Bahnchef Gru­be.

Ge­plant sei zu­dem, künf­tig auch im Re­gio­nal­ver­kehr „tech­ni­sche Zug­be­glei­ter“ ein­zu­set­zen, die klei­ne­re Stö­run­gen un­ter­wegs re­pa­rie­ren kön­nen. Zu­dem sol­len das Bord­per­so­nal und die Ser­vice­kräf­te am Bahn­steig mit Smart­pho­nes aus­ge­stat­tet wer­den, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Zug-und Bahn­hofs­mit­ar­bei­tern zu ver­bes­sern. Bis En­de 2010 will die Bahn 9000 Ge­rä­te an ih­re Be­schäf­tig­ten aus­ge­ben.

Ver­bes­ser­te Bahn­hö­fe Fast al­le 5400 Bahns­ta­tio­nen sol­len bis 2013 ei­nen Wet­ter­schutz ha­ben. 23 Mil­lio­nen Eu­ro wird das kos­ten. Die Bahn spricht da­von, die „Auf­ent­halts­qua­li­tät“ ver­bes­sern zu wol­len. Ins De­tail ge­hen die Plä­ne aber nicht. „Das kann vom Ei­mer Far­be bis zur Dach­sa­nie­rung rei­chen“, sagt Gru­be.

Ge­lie­he­ne Zü­ge Mo­men­tan ge­be es we­gen der Ach­sen­Tausch-Ak­ti­on bei den ICE kei­ne Fahr­zeu­g­re­ser­ven, sagt Gru­be. Des­halb wür­den bis auf wei­te­res ein fran­zö­si­scher TGV-Hoch­ge­schwin­dig­keits­Zug und zwei In­ter­ci­ty-Zü­ge aus der Schweiz aus­ge­lie­hen. Die durch den Achs­bruch ei­nes ICE in Köln im Ju­li 2008 aus­ge­lös­te Kri­se bei den deut­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­gen wird nach Gru­bes Wor­ten erst in drei Jah­ren be­ho­ben sein. Ge­ra­de tech­ni­sche Pro­ble­me sei­en „schlicht­weg nicht von heu­te auf mor­gen lös­bar“.

Prei­se Ei­nes hät­te die Bahn­kun­den wohl am meis­ten ge­freut: die Aus­sicht auf nied­ri­ge­re Ti­cket­prei­se. Doch Bahnchef Gru­be will sich nicht ein­mal dar­auf fest­le­gen, dass die Prei­se in die­sem Jahr nicht an­ge­ho­ben wer­den. Da­zu kön­ne er „kei­ne kon­kre­te Aus­sa­ge ma­chen“. Und das ob­wohl Gru­be mehr­fach be­tont: „Wir wol­len für die Kun­den sym­pa­thi­scher wer­den.“

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