Schutz der Wer­te

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

DV O N LOT H A R S C H R Ö D E R ie Rü­ge des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­ho­fes lenkt reich­lich Was­ser auf die Müh­len all je­ner, die in der Kir­che ei­ne In­sti­tu­ti­on se­hen, die mit ih­ren Wert­vor­stel­lun­gen dem Mit­tel­al­ter ent­sprun­gen ist. Ehe­bruch als Kün­di­gungs­grund für ei­nen Or­ga­nis­ten? Ist das nicht un­vor­stell­bar?

Ja, aber nur aus Un­kennt­nis. Kir­chen sind „Ten­denz­be­trie­be“. Sie ver­ei­nen Men­schen mit den glei­chen Hand­lungs­wei­sen und Wert­auf­fas­sun­gen. Und da­zu ge­hört in der ka­tho­li­schen Kir­che das Sa­kra­ment der Ehe. Die Ent­las­sung des ehe­brü­chi­gen Or­ga­nis­ten aber wirft kom­ple­xe Fra­gen auf. Denn es geht nicht al­lein um das Recht auf Pri­vat­le­ben, wie der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof ar­gu­men­tiert, son­dern um das Ver­hält­nis re­li­giö­ser Vor­schrif­ten zu ei­nem sä­ku­la­ren Staat. Wo ex­akt zie­hen wir die Gren­zen der Re­li­gi­ons­frei­heit, wie weit darf der Spiel­raum der Kir­che im Rechts­staat sein? So leicht wie bei der Scha­ria – den auch frau­en­feind­li­chen Vor­schrif­ten des Koran – fin­den wir in die­sem Fall kei­ne Ant­wort. Sa­kra­men­te sind der Kern des Glau­bens. Wer sie zur recht­li­chen Ver­fü­gungs­mas­se macht, höhlt sie aus. Das frei­lich ge­schieht auch mit je­dem Fall von se­xu­el­lem Kin­des­miss­brauch durch Pries­ter. Die Kir­che muss al­so glaub­haft vor­le­ben, was sie ein­for­dert.

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