„Die­se Ko­ali­ti­on scha­chert um die Ärms­ten“

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Andrea Nah­les über die neue Stär­ke der Grü­nen, die Re­gie­rung in Nord­rhein-West­fa­len als Vor­bild für den Bund, über die Kon­tro­ver­sen auf dem Par­tei­tag der SPD am Sonn­tag und zur Re­form der Hartz-IV-Re­gel­sät­ze

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

te nie­mand mehr, nach­dem die CDU sich ent­schlos­sen hat, kon­se­quent die Atom­lob­by zu be­die­nen. Da­mit ist wie­der klar, dass es in Deutsch­land al­ter­na­ti­ve po­li­ti­sche La­ger gibt.

Liegt das Ver­hält­nis zwi­schen Rot und Grün künf­tig auf Au­gen­hö­he?

Nah­les Au­gen­hö­he se­he ich mit den Grü­nen nicht. Aber die Ein­tei­lung in Koch und Kell­ner ist Schnee von ges­tern. Es herrscht nun ei­ne an­de­re Ton­la­ge. Wenn ich er­le­be, wie Han­ne­lo­re Kraft und Syl­via Löhr­mann in Nord­rhein-West­fa­len zu­sam­men­ar­bei­ten, dann se­he ich so die Zu­kunft von Rot-Grün. Den Grund­ton, den die bei­den pfle­gen, stel­le ich mir auch als Grund­ton in ei­ner rot-grü­nen Ko­ali­ti­on auf Bun­des­ebe­ne ab 2013 vor.

Ist die Zeit der Volks­par­tei­en vor­bei?

Nah­les Die Grü­nen sa­gen das ger­ne, wenn es um die SPD geht. Sie selbst wol­len kei­ne Volks­par­tei wer­den, weil es ih­re Kon­zep­ti­on ei­ner Mi­lieu-Par­tei stö­ren wür­de. Der Be­darf nach Volks­par­tei­en ist aber wei­ter da. Es braucht ei­nen fai­ren In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen de­nen, die mehr ha­ben und de­nen, die we­ni­ger ha­ben. Und es braucht Par­tei­en, die die­sen In­ter­es­sen­aus­gleich or­ga­ni­sie­ren und da­bei die In­ter­es­sen al­ler im Blick ha­ben.

Bei wel­chen The­men er­war­ten Sie kon­tro­ver­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen auf dem Par­tei­tag?

Nah­les Wir wer­den ei­ne De­bat­te zum The­ma Steu­ern und Wirt­schafts­po­li­tik ha­ben. Wir ha­ben aus den Län­dern star­ke Leu­te, die ei­ne mit­tel­stands­ori­en­tier­te Po­li­tik ma­chen, wie Kurt Beck und Han­ne­lo­re Kraft. Zu­gleich gibt es die For­de­rung, die- je­ni­gen, die die Kri­se ver­ur­sacht ha­ben, end­lich an den Fol­ge­kos­ten zu be­tei­li­gen. Über die Fra­ge, wie wir das kon­kret um­set­zen wol­len, wer­den wir dis­ku­tie­ren. Das ist üb­ri­gens ein klas­si­sches Bei­spiel da­für, dass in ei­ner Volks­par­tei un­ter­schied­lichs­te In­ter­es­sen mit­ein­an­der rin­gen und in Ein­klang ge­bracht wer­den kön­nen.

Die Ju­sos ha­ben bei der Fi­nanz­po­li­tik Klä­rungs­be­darf an­ge­mel­det und wol­len wis­sen: Sol­len die Ein­kom­men zwi­schen 50000 und 120000 Eu­ro jähr­lich be-oder ent­las­tet wer­den?

Nah­les Ich la­de die Ju­sos ein, ih­re Vor­stel­lun­gen in den nächs­ten Mo­na­ten in die De­bat­te in der Par­tei ein­zu­brin­gen. Die Ent­schei­dung über ein kon­kre­tes Mo­dell wird nicht auf die­sem Par­tei­tag fal­len. Wir wer­den den Ak­zent set­zen, dass wir den Spit­zen­steu­er­satz an­he­ben wol­len, um das Geld zum Bei­spiel in Bil­dung zu in­ves­tie­ren Dies muss aber in ein fi­nanz-und so­zi­al­po­li­ti­sches Ge­samt­kon­zept ein­ge­bet­tet wer­den. Dar­über wer­den wir ge­mein­sam dis­ku­tie­ren und dann 2011 ent­schei­den.

Ist es hilf­reich, so stark Stim­mun­gen nach­zu­ge­ben, wie es die SPD bei der Ren­te mit 67 tut?

Nah­les Wir ge­ben kei­ner Stim­mung nach, son­dern neh­men den Über­prü­fungs­auf­trag ernst, der im Ge­setz steht. Aber da­von ab­ge­se­hen: Wenn man bei ei­ner Bun­des­tags­wahl 23 Pro­zent be­kommt und das als Stim­mung ab­tut, dann hat man den Schuss nicht ge­hört. Stel­len Sie sich vor, wir hät­ten uns nach der Bun­des­tags­wahl hin­ge­stellt und hät­ten ge­sagt, wir ma­chen wei­ter wie bis­her. Das wä­re doch fa­tal ge­we­sen.

Was er­war­ten Sie von der Bun­des­re­gie­rung, wie die Re­gel­sät­ze für Hartz IV aus­fal­len?

Nah­les Es gibt den Auf­trag des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass die Sät­ze nach ei­nem trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren be­rech­net wer­den müs­sen. Sie dür­fen nicht po­li­tisch ent­schie­den wer­den. Da­mit ist Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en mei­ner Mei­nung nach schon ge­schei­tert. Ein Ko­ali­ti­ons­gip­fel soll am Wo­che­n­en­de über die­se Fra­ge ent­schei­den. Bei der Fra­ge, wie hoch das Exis­tenz­mi­ni­mum für Men­schen sein muss, die kei­ne Ar­beit ha­ben, wird al­so ge­scha­chert.

Kann der Hartz-IV-Re­gel­satz un­ter 400 Eu­ro blei­ben?

Nah­les Nein. Nach un­se­ren Be­rech­nun­gen muss der Hartz-IV-Re­gel­satz über 400 Eu­ro lie­gen. Al­les an­de­re ist künst­lich her­un­ter­ge­rech­net. Das ist Ge­scha­cher auf dem Rü­cken der Schwächs­ten.

Eva Quadbeck

FO­TO: AC­TION PRESS

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Mon­tag in Berlin.

Andrea Nah­les in der Prä­si­di­ums­sit­zung ih­rer Par­tei am

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.