An­ti-Is­lam-Kam­pa­gne prägt Wahl in der Steiermark

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON RU­DOLF GRU­BER

STER­LING (afp) Sechs Wo­chen vor der Kon­gress­wahl in den USA ha­ben die Re­pu­bli­ka­ner ein Wahl­pro­gramm vor­ge­legt, das in zen­tra­len Punk­ten ei­ne Ab­kehr von der Po­li­tik von Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma vor­sieht. Das in Ster­ling bei Washington vor­ge­stell­te Pro­gramm sieht ei­ne Rück­nah­me der Ge­sund­heits­re­form und ei­ne star­ke Dros­se­lung staat­li­cher Kon­junk­tur­pro­gram­me vor. Als In­stru­ment zur Wirt­schafts­för­de­rung setzt der 45 Sei­ten star­ke Plan vor al­lem auf Steu­er­sen­kun­gen. De­mo­sko­pen sa­gen den op­po­si­tio­nel­len Re­pu­bli­ka­nern ho­he Zu­ge­win­ne vor­aus. WI­EN Gerhard Kurz­mann war bis vor we­ni­gen Wo­chen ein No­bo­dy. Dann stell­te der stei­ri­sche FPÖSpit­zen­kan­di­dat, an­ge­regt durch das Mi­na­rett-Ver­bot in der Schweiz, ein is­lam­feind­li­ches Com­pu­ter­spiel ins In­ter­net, das schlag­ar­tig sei­nen Be­kannt­heits­grad er­höh­te. Sei­ne An­hän­ger konn­ten nach Her­zens­lust Mi­na­ret­te ab­schie­ßen, täg­lich gab es bis zu 50000 Zu­grif­fe.

Bun­des­prä­si­dent, Kir­chen­obe­re und po­li­ti­sche Geg­ner ver­ur­teil­ten ein­hel­lig der­lei Volks­ver­het­zung, schließ­lich muss­te Kurz­mann auf- grund ge­richt­li­cher An­ord­nung den zy­ni­schen In­ter­net-Volks­sport ein­stel­len.

We­ni­ge Ta­ge spä­ter ex­plo­dier­te ein Spreng­kör­per im Ca­ri­tas-Asyl­heim der Lan­des­haupt­stadt Graz. Laut Ex­per­ten hät­te es To­te ge­ben kön­nen, glück­li­cher­wei­se wur­de nie­mand ver­letzt. FPÖ-Kan­di­dat Kurz­mann weist Vor­wür­fe ei­ner po­li­ti­schen Mit­ver­ant­wor­tung weit von sich. Gleich­wohl er­mit­telt die Gra­zer Staats­an­walt­schaft ge­gen den Ab­ge­ord­ne­ten, des­sen Im­mu­ni­tät mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­ben wur­de, we­gen Ver­het­zung und Her­ab­wür­di­gung ei­ner Re­li­gi­on.

Kurz­mann muss im Auf­trag sei­nes Bun­des­chefs Heinz-Chris­ti­an Stra­che die stei­ri­sche FPÖ wie­der in den Gra­zer Land­tag brin­gen, aus dem sie vor fünf Jah­ren, nach­dem Jörg Hai­der die Bun­des­par­tei ge­spal­ten hat­te, hin­aus­ge­flo­gen war. Die eu­ro­pa­wei­te Is­lam-De­bat­te kam der FPÖ ge­ra­de recht, denn an­de­re The­men hat die Par­tei nicht zu bie­ten, auch weil ihr da­zu die in­tel­lek­tu­el­len Res­sour­cen feh­len.

Frei­lich ließ es sich die FPÖ nicht neh­men, den deut­schen Buch­au­tor Thi­lo Sar­ra­zin als Kron­zeu­gen ih­rer aus­län­der­feind­li­chen Po­li­tik zu fei­ern. Ger­ne hät­te man Sar­ra­zin zu ei­nem Wahl­kampf­auf­tritt be­grüßt. Doch er kam nicht. Die FPÖ wird im neu­en Gra­zer Land­tag wohl wie­der ver­tre­ten sein, doch sie ist nicht mehr die­sel­be wie zu Hai­ders Zei­ten. Die Ver­lus­te der Groß­par­tei­en dürf­ten sich in Gren­zen hal­ten: Zwi­schen den So­zi­al­de­mo­kra­ten (SPÖ) und der bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven Volks­par­tei (ÖVP) ist das Ren­nen um den Lan­des­haupt­mann, wie der Re­gie­rungs­chef ei­nes Bun­des­lan­des heißt, völ­lig of­fen: Bei­de Par­tei­en lie­gen in letz­ten Um­fra­gen gleich­auf.

Am meis­ten zu ver­lie­ren hat die SPÖ, sie muss ih­ren his­to­ri­schen Sieg von 2005 (47 Pro­zent) ver­tei­di­gen. Da­mals be­kam die Steiermark mit dem Ex-Eis­ho­ckey-Na­tio­nal­spie­ler Franz Vo­ves den ers­ten ro­ten Lan­des­haupt­mann seit 1945.

Weil Schimp­fen auf Wi­en in der Pro­vinz im­mer gut an­kommt, ging der 58-Jäh­ri­ge auf Dis­tanz zu sei­ner all­zu bie­de­ren Bun­des­par­tei un­ter Kanz­ler Werner Fay­mann, prü­gel­te ver­bal Ban­ker und Spe­ku­lan­ten, for­der­te „ge­rech­te Löh­ne“ und hö­he­re Be­steue­rung von Ver­mö­gen. Mit sei­nem von den Me­di­en als „Kern­öl­so­zia­lis­mus“ ver­spot­te­ten Links­kurs blieb Franz Vo­ves aber letzt­lich nur mä­ßig er­folg­reich.

FO­TO: AFP

US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma.

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