Is­chi­as – der no­to­ri­sche Pla­ge­geist

Die als „He­xen­schuss“ be­kann­ten Is­chi­as-Schmer­zen las­sen sich gut mit Be­we­gung be­han­deln. Bei der rich­ti­gen The­ra­pie sind sie nor­ma­ler­wei­se in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen ver­schwun­den. Manch­mal al­ler­dings ver­ber­gen sich erns­te Ur­sa­chen wie ein Band­schei­ben­vorf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESUNDHEIT - VON CHRIS­TI­AN HEIN­RICH

AA­CHEN Mo­ni­ka Öz­man selbst hat die Be­schwer­den noch nicht ge­habt, doch sie kennt den Is­chi­as­schmerz in­zwi­schen so gut, dass sie ihn man­chem ih­rer Pa­ti­en­ten be­reits an­sieht, so­bald er das Arzt­zim­mer be­tritt. „Wenn je­mand mit ei­ner schie­fen Kör­per­hal­tung und der Hand am Rü­cken her­ein­kommt, weiß ich häu­fig schon, wo­rum es geht“, sagt Öz­man, Fach­ärz­tin für All­ge­mein­me­di­zin am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Aa­chen.

Das fol­gen­de Ge­spräch ver­läuft dann meist wie er­war­tet: Der Pa­ti­ent klagt über plötz­lich ein­set­zen­de Schmer­zen, zie­hen­de Schmer­zen, die sich über das Ge­säß oder die Leis­te bis ins Bein hin­ab er­stre­cken, ge­le­gent­lich so­gar bis in die Ze­hen. Ist der Schmerz ste­chend und brennend? Ja, und er kom­me manch­mal ganz plötz­lich, wie ein Strom­stoß. Be­trifft er nur ein Bein? Nur ei­ne Sei­te sei be­trof­fen, die lin­ke. Kommt es beim Hus­ten, Nie­sen oder Pres­sen zu ei­ner Schmerz­zu­nah­me? Ja, so­gar beim La­chen tue es häu­fig weh.

Der Schmerz kommt manch­mal ganz plötz­lich,

wie ein Strom­stoß

Wäh­rend der kör­per­li­chen Un­ter­su­chung ver­schafft sich Öz­man dann mit ver­schie­de­nen Be­we­gungs-und Sen­si­bi­li­täts­tests Ge­wiss­heit. Der Ner­vus is­ch­ia­di­cus ist der längs­te Nerv un­se­res Kör­pers. Sei­ne Wur­zeln lie­gen in der Wir­bel­säu­le, in ih­rem un­te­ren Teil tritt er aus dem Rü­cken­mark her­aus und zieht über das Ge­säß und die Hüf­te an je­dem Bein hin­un­ter. Über dem Knie teilt und ver­zweigt er sich, die Ve­räs­te­lun­gen rei­chen bis in die Fü­ße hin­ein. Dank des Is­chi­as­nervs kön­nen wir in und an un­se­ren Bei­nen erst vie­les füh­len, auch steu­ert er dort ei­ni­ge wich­ti­ge Mus­keln – oh­ne die­sen Nerv könn­ten wir nicht ein­mal lau­fen.

Dem­ent­spre­chend groß sind al­ler­dings auch die Be­schwer­den, die der Is­chi­as­nerv ver­ur­sa­chen kann. Un­ter „He­xen­schuss“ sind die cha­rak­te­ris­ti­schen Schmer­zen am un­te­ren Rü­cken­be­reich weit­läu­fig be­kannt, als Lum­ba­go, Lum­bo-Is­chi­al­gie oder ra­di­ku­lä­re Kreuz­schmer­zen wer­den sie in der me­di­zi­ni­schen Fach­spra­che be­zeich­net. Wer dar­an lei­det, kann sich manch­mal kaum noch be­we­gen. „Der Schmerz strahlt oft ins Bein aus, das ei­gent­li­che Pro­blem aber liegt nor­ma­ler­wei­se im un­te­ren Rü­cken­be­reich“, sagt Öz­man.

Häu­fig drückt ei­ne vor­ge­wölb­te oder gar ver­rutsch­te Band­schei­be auf ei­ne oder meh­re­re Wur­zeln des mäch­ti­gen Nervs; auch Mus­kel­ver­span­nun­gen kön­nen den Is­chi­as un­ter Druck set­zen. Die Fol­ge: Schmer­zen, Miss­emp­fin­dun­gen und Taub­heits­ge­füh­le in Ge­säß und Bein. „Ver­ant­wort­lich sind meist Fehl­be­las­tun­gen wie län­ge­res Sit­zen, He­ben oder Tra­gen schwe­rer Las­ten“, sagt Öz­man. Wich­tig sei es dann, den Pa­ti­en­ten zu kör­per­li­cher Ak­ti­vi­tät zu er­mu­ti­gen, was sich manch­mal als Her­aus­for­de­rung er­wei­se: „Na­tür­lich wür­den vie­le Be­trof­fe­ne lie­ber Bett­ru­he ver­ord­net be­kom­men, schließ­lich ist die kör­per­li­che Be­we­gung bei Is­chi­as-Schmerz meist auch mit Schmer­zen und An­stren­gung ver­bun­den“, so die All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin.

Doch Bett­ru­he lin­de­re zwar die Sym­pto­me, ver­zö­ge­re da­bei aber nur die Ge­sun­dung. Al­len­falls bei aku­ten, be­son­ders star­ken Sch­mer- zen sei sie an­ge­zeigt. Sonst, sagt Öz­man, sei Be­we­gung der rich­ti­ge Weg zu ei­ner zü­gi­gen Bes­se­rung der Be­schwer­den. Wenn es sein muss, schickt sie die Pa­ti­en­ten da­für auch zu ei­nem Kran­ken­gym­nas­ten, da­mit er ih­nen ent­spre­chen­de Übun­gen zeigt.

Um ih­ren Pa­ti­en­ten – die meis­ten an Is­chi­as-Schmer­zen er­krank­ten Pa­ti­en­ten sind zwi­schen 45 und 65 Jah­re alt – die An­stren­gun­gen ein Stück zu er­leich­tern, ver­schreibt Öz­man ih­nen vor­über­ge­hend Schmerz­mit­tel und mus­kel­ent­span­nen­de Me­di­ka­men­te. „Da­mit las­sen sich auch die Ein­schrän­kun­gen im All­tag in Gren­zen hal­ten“, sagt Öz­man. Eben­so sei­en lo­ka­le Wär­me­an­wen­dun­gen wie Fan­go­pa­ckun­gen und Mas­sa­gen hilf­reich, um die Mus­ku­la­tur zu ent­span­nen.

„Nor­ma­ler­wei­se sind die Be­schwer­den harm­los und klin­gen mit die­sen Maß­nah­men schnell wie­der ab“, sagt Öz­man. Ob und wie lan­ge man als Be­trof­fe­ner zu Hau­se blei­ben kann, liegt im Er­mes­sen des Arz­tes. Län­ger als ei­ne Wo­che wird in der Re­gel nie­mand

Vor­über­ge­hend ver­schreibt

der Arzt ein Mit­tel zur Lin­de­rung der Schmer­zen

krank­ge­schrie­ben. „Zwei oder drei Ta­ge rei­chen nor­ma­ler­wei­se aus“, sagt die Ärz­tin.

Doch spä­tes­tens, wenn die Be­schwer­den nach ein paar Wo­chen im­mer noch be­ste­hen, müss­ten sie wei­ter und ge­nau­er ab­ge­klärt wer­den. Auch wenn sie schon am An­fang, bei der Un­ter­su­chung des Pa­ti­en­ten, Läh­mungs­er­schei­nun­gen fin­det oder klar ein­grenz­ba­re Taub­heits­ge­füh­le, ist Öz­man alar­miert. In sol­chen Fäl­len wird zu­nächst ei­ne Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT, auch Kern­spin­to­mo­gra­fie ge­nannt) der Wir­bel­säu­le in die We­ge ge­lei­tet. Sie bringt Auf­schluss dar­über, ob wo­mög­lich ein schwe­re­rer Band­schei­ben­vor­fall für die Schmer­zen ver­ant­wort­lich ist. Denn der muss stär­ker und in­ten­si­ver be­han­delt wer­den, da er in der Re­gel von selbst nicht ver­schwin­det. Im Ge­gen­teil: Die Band­schei­be kann im wei­te­ren Ver­lauf auch an­de­re Ner­ven läh­men. Die­je­ni­gen et­wa, die für die Schließ­mus­keln von Bla­se und Darm zu­stän­dig sind. Das, sagt Öz­man, sei aber ex­trem sel­ten.

Meist hin­ge­gen emp­fängt sie ih­re Pa­ti­en­ten mit Is­chi­as-Schmerz nach we­ni­gen Wo­chen wie­der im Arzt­zim­mer zur Kon­trol­le. Be­son­ders bei den­je­ni­gen, die sich re­gel­mä­ßig be­wegt ha­ben, sieht Öz­man schon an ih­rer Hal­tung, wenn sie zur Tür her­ein­kom­men, dass sich die Be­schwer­den deut­lich ge­bes­sert ha­ben. BAIERBRUNN (RP) Stark ein­ge­eng­te Beinar­te­ri­en ma­chen sich bei den meis­ten Men­schen durch zu­neh­men­de Schmer­zen beim Ge­hen be­merk­bar. Dia­be­ti­kern fehlt die­ses Warn­sys­tem oft, weil ih­re Stoff­wech­sel­krank­heit nicht nur die Ge­fä­ße, son­dern auch die Ner­ven an­grei­fen kann. Da­mit die Durch­blu­tungs­stö­rung früh­zei­tig er­kannt und be­han­delt wird, rät der Ge­fä­ß­ex­per­te Curt Diehm Dia­be­ti­kern vor­sorg­lich zu ei­nem jähr­li­chen Ar­te­ri­en-Check. „Die Dia­gno­se ist ein­fach und schmerz­los“, er­klärt er im Apo­the­ken­ma­ga­zin „Dia­be­tes Rat­ge­ber“. In der Re­gel ge­nü­ge es, den Blut­druck am Ober­arm und am Knö­chel zu mes­sen. Er soll an­nä­hernd gleich sein.

FO­TO: MÜL­LER

Test auf Blut­zu­cker.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.