Gro­ße Nö­te klei­ner Jungs

Uro­lo­ge Pe­ter Al­bers über die Vor­haut­ver­en­gung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESUNDHEIT -

Pe­ter Al­bers Ei­ne Vor­haut­ver­en­gung ist im ers­ten Le­bens­jahr völ­lig nor­mal, so­lan­ge der klei­ne Sohn kei­ne Pro­ble­me beim Was­ser­las­sen hat – und dies ist ja schnell be­merk­bar. Die Vor­haut ent­wi­ckelt sich dann im Lauf der nächs­ten Jah­re und lässt sich am En­de des 2. Le­bens­jahrs nor­ma­ler­wei­se pro­blem­los über die Ei­chel nach hin­ten strei­fen. Ist dies dann aber nicht mög­lich oder zeigt sich nur ei­ne punkt­för­mi­ge Öff­nung, dann soll­te man dies im Rah­men der Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen (U-Un­ter­su­chun­gen) dem Kin­der­arzt zei­gen. Er wird dann in Zwei­fels­fäl­len ent­schei­den, ob ein Kin­de­ru­ro­lo­ge be­fragt wer­den soll­te.

Auf kei­nen Fall soll man die Vor­haut ge­walt­sam nach hin­ten strei­fen. Dies ver­ur­sacht nicht nur fürch­ter­li­che Schmer­zen, son­dern führt auch zu Ein­ris­sen und da­mit Nar­ben, die zu ei­ner wei­te­ren Ve­ren­gung der Vor­haut füh­ren. Bei man­chen Kin­dern liegt häu­fig auch kei­ne kom­plet­te Vor­haut­ver­en­gung

Un­ser Le­ser Sven O. (34) aus Kre­feld fragt: „Mein klei­nes Söhn­chen hat of­fen­bar ei­ne Vor­haut­ver­en­gung. Soll ich mich selbst dar­um küm­mern, wie es schon mein Va­ter bei mir ge­tan hat, oder ge­hört das si­cher­heits­hal­ber in die Hän­de ei­nes Fach­manns?“

vor, son­dern das so­ge­nann­te Vor­haut­bänd­chen ist zu kurz ge­ra­ten und führt zum Ab­kni­cken der Ei­chel, wenn die Vor­haut nach hin­ten ge­zo­gen wird. Auch dies kann schmerz­haft sein und soll­te dann ope­ra­tiv kor­ri­giert wer­den.

In je­dem Fall sind ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe – ob nun ei­ne Be­schnei­dung, ei­ne nur par­ti­el­le Be­schnei­dung oder ei­ne Ver­län­ge­rung des Vor­haut­bänd­chens – am bes­ten dann durch­zu­füh­ren, wenn der klei­ne Jun­ge noch nicht in der Ki­ta oder dem Kin­der­gar­ten ist. Je äl­ter das Kind bei ei­nem Ein­griff am äu­ße­ren Ge­ni­ta­le ist, des­to häu­fi­ger re­sul­tie­ren aus die­sen Ein­grif­fen zum Teil er­heb­li­che psy­chi­sche Schä­den bis hin zu spä­ter auf­tre­ten­den Se­xu­al­pro­ble­men. Dies gilt auch für an­de­re not­wen­di­ge Ge­ni­tal-Ein­grif­fe wie et­wa der Kor­rek­tur des Ho­den­hoch­stands oder bei so­ge­nann­ten Hy­po­s­pa­di­en (rück­ver­la­ger­te Mün­dung der Harn­röh­re, ei­ne an­ge­bo­re­ne Ano­ma­lie).

Ei­ne ein­deu­ti­ge In­di­ka­ti­on zu ei­ner Be­schnei­dung un­ab­hän­gig vom Le­bens­al­ter ist ei­ne wie­der­keh­ren­de Vor­haut­ent­zün­dung oder ein Auf­bal­lo­nie­ren der Vor­haut beim Was­ser­las­sen. Nicht im­mer muss zwin­gend ei­ne Be­schnei­dung er­fol­gen, manch­mal brin­gen auch cor­ti­son­hal­ti­ge Cre­mes Lin­de­rung und Bes­se­rung. Aber nach ein bis zweiMo­na­ten oh­ne Er­folg soll­te dann ei­ne ope­ra­ti­ve Kor­rek­tur er­fol­gen. Dies kann je nach Wunsch kos­me­tisch so ge­schickt durch­ge­führt wer­den, dass ein gro­ßer Teil der Vor­haut er­hal­ten bleibt. Bei aus re­li­giö­sen Grün­den durch­ge­führ­ten Be­schnei­dun­gen ist dies meist nicht ge­wünscht. Hier un­ter­schei­den sich die kos­me­ti­schen An­sich­ten der un­ter­schied­li­chen Re­li­gi­ons­grup­pen.

FO­TO: UKD

Pe­ter Al­bers (46) ist Pro­fes­sor für Uro­lo­gie und seit 2008 Di­rek­tor der Uro­lo­gi­schen Kli­nik am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Düsseldorf.

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