Mil­lio­nen Kon­to­da­ten ge­sam­melt

Beim Ra­tin­ger Un­ter­neh­men Ea­sy­cash wer­den Da­ten von fast al­len deut­schen Bank­kun­den ge­spei­chert. Die Fir­ma für Zah­lungs­ver­kehrs­sys­te­me soll auch Ri­si­ko­pro­fi­le von Kun­den für Ein­zel­händ­ler er­stellt ha­ben. Jetzt wol­len die Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten der Län­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON THORS­TEN BREIT­KOPF

RA­TIN­GEN Das Zah­len mit der ECKar­te ge­hört zum All­tag. Was vie­le nicht wis­sen: Klamm­heim­lich wird beim Zahl­vor­gang an der Kas­se ge­prüft, wie kre­dit­wür­dig der Kun­de ist. Die Ra­tin­ger Fir­ma Ea­sy­cash, Markt­füh­rer für Zah­lungs­ver­kehrs­sys­te­me, sam­melt täg­lich die Da­ten von Mil­lio­nen Zah­lungs­vor­gän­gen und nutzt sie auch, um dar­aus Emp­feh­lun­gen auf Zah­lungs­fä­hig­keit und Kre­dit­wür­dig­keit des Kar­ten­in­ha­bers zu er­stel­len. Das ruft nun Da­ten­schüt­zer auf den Plan. „Dass die Zah­lungs­da­ten ge­spei­chert wer­den, ist rich­tig und not­wen­dig. Dar­aus aber ein Ri­si­ko­pro­fil zu er­stel­len, das Kun­den in ver­schie­de­ne Ra­ting-Ka­te­go­ri­en ein­teilt, ist da­ten­schutz­tech­nisch sehr be­denk­lich“, sag­te ein Spre­cher des Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­tra­gen NRW auf An­fra­ge.

„Wir spei­chern beim Be­zah­len un­ter an­de­rem die Kon­to­num­mer, den Be­trag, den Zeit­punkt und den Ort“, sag­te ein Ea­sy­cash-Spre­cher. Das Un­ter­neh­men nutzt die­se Da­ten vor­wie­gend für die Zah­lungs­ab­wick­lung – aber of­fen­bar auch für die Er­fas­sung der Kre­dit­wür­dig­keit. Dass dies in der Bran­che ver­brei­tet ist, be­stä­tigt Ea­sy­cash-Kon­kur­rent In­ter­card. „Wir bie­ten un­se­ren Kun­den ein Sys­tem, dass die Bo­ni­tät an der Kas­se über­prüft“, sag­te ei­ne Spre­che­rin un­se­rer Zei­tung.

Bei we­ni­ger gu­ter Bo­ni­tät kann der Kun­de nicht mit Kar­te und Un­ter­schrift, son­dern nur durch Ein­ga­be sei­ner Ge­heim­num­mer zah­len. Da­durch wird der Kon­to­stand des Kun­den über­prüft. Ist der Kre­dit­rah­men über­zo­gen, den die Bank dem Kun­den auf dem Gi­ro­kon­to ein­räumt, ver­wei­gert das Sys­tem die Zah­lung. Die­ses PINVer­fah­ren, auch „Elec­tro­nic Cash“ ge­nannt, ist für die Ein­zel­händ­ler deut­lich si­che­rer, weil hier die Bank für die Ein­lö­sung der Rech­nung ge­ra­de­steht.

Beim preis­wer­te­ren Last­schrift­Ver­fah­ren, bei dem der Kun­de ei­nen Be­leg un­ter­schreibt, muss der Händ­ler da­ge­gen die Schul­den im Zwei­fel selbst ein­trei­ben. Ei­ne Bo­ni­täts­prü­fung fin­det nicht statt.

Kun­den von Ea­sy­cash sind laut Home­page der Fir­ma un­ter an­de­rem die VW-Bank, Re­al, WMF und Rewe. Wer von ih­nen ne­ben der blo­ßen Zah­lungs­ver­kehrs­dienst­leis­tung von Ea­sy­cash auch die Ri­si­ko­über­prü­fung in An­spruch nimmt, ist nicht be­kannt. Rewe nutz­te nach ei­ge­nen An­ga­ben bis Mai die Zah­lungs­we­ge-Emp­feh­lung, ver­zich­tet aber seit­her we­gen der Be­den­ken von Da­ten­schüt­zern auf die Bo­ni­täts­über­prü­fung.

Ea­sy­cash er­klär­te, kei­ne per­sön­li­chen Da­ten, son­dern nur kon­to­be­zo­ge­ne zu spei­chern. Au­ßer­dem wür­den kei­ne Da­ten an Drit­te wei­ter­ge­ge­ben, sag­te ein Spre­cher. Da- ten­schüt­zer kri­ti­sie­ren je­doch, dass von den Kon­to­da­ten leicht auf die da­hin­ter ste­hen­de Per­son ge­schlos­sen wer­den kön­ne. Am 12. Ok­to­ber wol­len die Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten der Län­der dar­über be­ra­ten, wie Ea­sy­cash über­prüft wer­den soll.

Die Ban­ken dis­tan­zie­ren sich vom Kun­den-Ra­ting des Un­ter­neh­mens: „Al­len Par­tei­en im EC-Sys­tem ist es ver­trag­lich durch den Zen­tra­len Kre­dit­aus­schuss un­ter­sagt, Da­ten, die im Zu­sam­men­hang mit ei­ner EC-Trans­ak­ti­on an­fal­len, für an­de­re Zwe­cke als zur Ver­ar­bei­tung der ein­zel­nen Trans­ak­ti­on zu nut­zen“, teil­te der Deut­sche Spar­kas­sen-und Gi­ro­ver­band im Auf­trag der Bank­bran­che mit.

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