Haus­ärz­te wol­len mehr Geld für AOK-Pa­ti­en­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING

DÜSSELDORF Bei den Haus­ärz­ten in Nord­rhein gibt es ei­ne Drei-Klas­sen-Ge­sell­schaft: Für Pri­vat­pa­ti­en­ten be­kom­men sie mehr Geld als für Kas­sen­pa­ti­en­ten – und auch Kas­sen­pa­ti­ent ist nicht gleich Kas­sen­pa­ti­ent: Für ei­nen Pa­ti­en­ten, der bei der Tech­ni­ker Kas­se ver­si­chert ist, er­hal­ten sie rund 70 Eu­ro pro Quar­tal, für Ver­si­cher­te der AOK, Bar­mer oder DAK aber deut­lich we­ni­ger – im Schnitt 53 Eu­ro, wie die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV) auf An­fra­ge er­klär­te. Der Grund: Mit der Tech­ni­ker Kas­se ha­ben die Haus­ärz­te ei­nen be­son­de­ren Haus­arzt-Ver­trag ab­ge­schlos­sen und den wol­len sie nun auch mit den an­de­ren Kas­sen er­rei­chen.

„Nur ein Haus­arzt-Ver­trag si­chert die ex­zel­len­te Qua­li­tät der Ärz­te. Und nur dann kön­nen wir auch qua­li­fi­zier­ten Hel­fe­rin­nen ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­zah­lung bie­ten“, sagt Dirk Me­cking, Chef des Haus­arzt­ver­ban­des Nord­rhein. Kri­ti­ker fra­gen sich aber, ob die Haus­ärz­te der­zeit denn kei­ne ex­zel­len­te Qua­li­tät bie­ten. So sag­te Wil­fried Ja­cobs, Chef der AOK Rhein­land-Ham­burg: „Es geht den Ärz­ten bei den Haus­arzt-Ver­trä­gen nur um mehr Geld. Es ist über­haupt nicht er­kenn­bar, wie da­durch die Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten ver­bes­sert wird.“

Mo­na­te lang ha­ben AOK, Bar­mer und DAK be­reits mit den Haus­ärz­ten ver­han­delt. Dann lan­de­te der Streit beim Schied­mann, dem CDU-So­zi­al­ex­per­ten Ge­rald Weiß. Der woll­te sei­nen Schieds­spruch ei­gent­lich am Tag, be­vor das Ka­bi­nett die Ge­sund­heits­re­form be­schloss, fäl­len. Da zo­gen die Haus­ärz­te plötz­lich zu­rück und be­an­trag­ten, dass das Ver­fah­ren ru­hend ge­stellt wird. Denn zu­vor hat­te Weiß be­reits im Streit zwi­schen Ärz­ten und Be­triebs­kran­ken­kas­sen (BKK) ent­schie­den. Und die­ser Spruch ge­fiel den Haus­ärz­ten gar nicht. Da­nach sol­len sie „nur“ zwi­schen 55 und 65 Eu­ro pro Quar­tal be­kom­men, aber zu di­ver­sen Auf­la­gen ver­pflich­tet wer­den. „Die­ser Schieds­spruch ge­fähr­det die Pa­ti­en­ten-Ver­sor­gung“, be­haup­tet Me­cking. Da zu be­fürch­ten sei, dass der Schieds­mann den BKK-Spruch auch auf AOK, Bar­mer und DAK über­tra­gen woll­te, ha­be man lie­ber ver­zich­tet.

Der Schuss könn­te nach hin­ten los­ge­hen: Denn die Ge­sund­heits­re­form ver­bie­tet von nun an Haus­arzt-Ver­trä­ge, die ei­ne Be­zah­lung ober­halb der KV-Be­zah­lung be­deu­ten. Auch der Ge­setz­ge­ber zwei­felt am ge­sund­heit­li­chen Sinn sol­cher Haus­arzt-Ver­trä­ge, die die Kas­sen Mil­lio­nen ex­tra kos­ten. Nur Ver­trä­ge, die be­reits vor dem Ka­bi­nett­be­schluss ge­fällt wur­den, ge­nie­ßen Be­stands­schutz.

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