Fortu­na: Druck auf Mei­er wächst

Sechs Spie­le, sechs Nie­der­la­gen – die Si­tua­ti­on bei den Düs­sel­dor­fern spitzt sich nach der pein­li­chen Nie­der­la­ge in In­gol­stadt zu. In Ru­di Bom­mer, Jörn An­der­sen und Ralf Loo­se brin­gen sich Nach­fol­ge­kan­di­da­ten für den Auf­stiegs­trai­ner ins Ge­spräch.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON BERND JOLITZ

IN­GOL­STADT Nor­bert Mei­er hat sich stets vor sei­ne Mann­schaft ge­stellt. Nicht nur in den Ta­gen des „ro­twei­ßen Rauschs“, als Fortu­na Düsseldorf den Wie­der­auf­stieg in die 2. Fuß­ball-Bun­des­li­ga schaff­te und in ih­rer Come­back-Sai­son den groß­ar­ti­gen vier­ten Platz in der Ab­schluss­ta­bel­le be­leg­te. Mei­er hat sei­ne Spie­ler auch ver­tei­digt, wenn es mal nicht so toll lief. Am Mitt­woch­abend aber war es vor­bei mit der öf­fent­li­chen Va­ter­rol­le.

Der Trai­ner war sau­er, stink­sau­er so­gar nach der 0:3-Bla­ma­ge in In­gol­stadt ge­gen Auf­stei­ger FCI, der vor der Par­tie in der Zwei­ten Li­ga noch kei­nen ein­zi­gen Punkt hat­te ge­win­nen kön­nen. „Und jetzt darf ich noch zu die­sen Och­sen in den Bus stei­gen, die mir to­tal auf die Ner­ven ge­gan­gen sind“, sag­te der 52-Jäh­ri­ge – mit ei­nem Au­gen­zwin­kern zwar, aber doch sicht­lich ent­täuscht.

Mei­er ist lang ge­nug im Ge­schäft. Er weiß, wie es im Fuß­ball läuft. Die gro­ßen Ver­diens­te, die er sich um Fortu­na er­wor­ben hat, ste­hen zwar für im­mer in den An­na­len – ei­ne kurz­fris­ti­ge Be­schäf­ti­gungs-Ga­ran­tie ge­ben sie ihm nicht. Sechs Pflicht­spie­le ha­ben die Düs­sel­dor­fer in die­ser Sai­son ab­sol­viert, al­le ha­ben sie ver­lo­ren. Mit die­ser Bi­lanz ge­rät ein Trai­ner in die Dis­kus­si­on, völ­lig un­ab­hän­gig von den Qua­li­tä­ten, die er be­sitzt.

Denn auch die Per­so­nen in der Klub­füh­rung, die zu ihm ste­hen, ha­ben die pein­li­che Vor­stel­lung Fortu­nas in In­gol­stadt ge­se­hen, die selt­sam un­be­tei­lig­te und kampf­lo­se Art, mit der die Mann­schaft sich aus­ein­an­der­neh­men ließ. „Ich ha­be mir mehr­fach ge­dacht: Das ist ja un­glaub­lich“, be­schrieb Mei­er. Ge­nau die­se un­ge­nü­gen­de Ein­stel­lung ist es, die al­le Be­tei­lig­ten so enorm un­ter Druck setzt – mehr noch als die un­be­frie­di­gen­den Er­geb­nis­se.

Der Zorn der Fans, die in In­gol­stadt zu ih­rem schlimms­ten ver­ba­len Mit­tel – Hä­me – grif­fen, kann nie­man­den un­be­rührt las­sen. Erst recht nicht Mei­er, der im­mer dar­auf be­dacht ist, dass die Zu­schau­er ei­nen Ge­gen­wert für ihr En­ga­ge­ment be­kom­men. Aber was ist denn bloß mit der Fortu­na pas­siert, die noch im Mai al­le in Düsseldorf be­geis­ter­te?

Ganz ge­nau weiß es nie­mand. Cha­os in der Ab­wehr, Harm­lo­sig­keit im Sturm. Der Trai­ner wech­sel­te auf ei­ni­gen Po­si­tio­nen, konn­te sich aber noch nicht da­zu durch­rin­gen, dem ei­ge­nen Nach­wuchs mehr Ver­trau­en zu schen­ken – ein Re­zept, das der­zeit an vie­len Bun­des­li­gaStand­or­ten er­folg­reich prak­ti­ziert wird.

Da­für braucht es na­tür­lich ent­spre­chen­de Ta­len­te, aber so ganz arm ist Fortu­na dar­an auch wie­der nicht: Kai Schwert­fe­ger drück­te je­doch trotz vie­ler Feh­ler sei­ner er­fah­re­nen Ab­wehr­kol­le­gen wie­der die Bank, Stür­mer Mar­cel Gaus kam erst beim Stan­de von 0:3. Da­für griff Mei­er schon am fünf­ten Spiel­tag zu ei­nem der letz­ten Mit­tel, das ein Trai­ner zur Ver­fü­gung hat: Er wech­sel­te den Tor­hü­ter. Mit dem Er­folg, dass Michael Mel­ka kei­nen Deut bes­ser spiel­te als sein Vor­gän­ger Michael Ra­ta­jcz­ak. Beim 0:3 un­ter­lief ihm ein kras­ser Feh­ler.

„Jetzt sind die Tu­gen­den ge­fragt, die uns im Vor­jahr aus­ge­zeich­net ha­ben“, for­dert der Coach vor dem Spiel ge­gen Bochum am Mon­tag. Kampf, Ein­satz, Lei­den­schaft. Und wenn es wie­der nicht klappt? „Trai­ner­dis­kus­si­on? Das sind nicht mei­ne Ge­dan­ken“, ver­si­chert Mei­er.

Sei­ne nicht – eher die von Ru­di Bom­mer, Jörn An­der­sen oder Ralf Loo­se. Ehe­ma­li­ge Fortu­na-Spie­ler, die si­cher nicht un­gern bei ih­rem al­ten Klub als Trai­ner ar­bei­ten wür­den. In In­gol­stadt sa­ßen sie schon auf der Tri­bü­ne.

Sie wa­ren si­cher ganz zu­fäl­lig in der Nä­he.

„Jetzt darf ich noch zu die­sen Och­sen in

den Bus stei­gen“

FO­TO: DPA

Rat­lo­sig­keit auf der Bank: Arzt Dr. Ul­rich Keil, Chef­coach Nor­bert Mei­er, Tor­wart­trai­ner Michael Stahl (v.l.)

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