Dort­mund siegt mit Spaß­fuß­ball

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON THO­MAS SCHUL­ZE

DORT­MUND Jür­gen Klopp ge­nießt den Mo­ment beim Blick auf die Ta­bel­le: Mainz 05, der Ver­ein, den er in die Bun­des­li­ga ge­führt und un­ter Trä­nen ver­las­sen hat, an der Spit­ze, da­hin­ter sei­ne neue gro­ße Lie­be, Bo­rus­sia Dort­mund. „Das ist kein Pro­blem, es ist wun­der­schön“, sagt er. Mehr nicht. Kein Wort von ei­ner „Mo­ment­auf­nah­me“ oder ei­nem skep­ti­schen „Wer weiß, wie lan­ge“.

Klopp ist eben kei­ne Spaß­brem­se, son­dern lässt der Freu­de frei­en Lauf. Die Spie­ler dan­ken es ihm mit be­geis­tern­dem Fuß­ball, wie er in Dort­mund seit ei­ni­gen Jah­ren nicht mehr ge­bo­ten wur­de. Da­bei meis­ter­te die Mann­schaft auch die nicht ganz ein­fa­che Si­tua­ti­on nach dem gran­dio­sen Der­by­sieg auf Schal­ke ge­gen den Neu­ling Kai­sers­lau­tern. Nach ei­nem holp­ri­gen Start lie­fen die Bo­rus­sen zu gro­ßer Form auf und fer­tig­ten die spä­ter lamm­from­men Ro­ten Teu­fel mit 5:0 ab.

Die Zah­len sind be­ein­dru­ckend: Bes­ter Bun­des­li­ga­start des BVB in der Ver­eins­ge­schich­te, zwölf Punk­te aus vier Spie­len, wie im Meis­ter­jahr 2001/02, acht der letz­ten neun Pflicht­spie­le ge­won­nen, was Ver­eins­re­kord be­deu­tet. Eben­so groß­ar­tig aber ist die Art und Wei­se, wie die West­fa­len zu den Er­fol­gen ge­langt sind – mit spie­le­ri­scher, har­ter Ar­beit. „Un­se­re Ein­stel­lung, un­ser Wil­le und der Spaß am Fuß­ball sind der Schlüs­sel“, sagt Nu­ri Sa­hin, der als Dreh-und An­gel­punkt ei­ne über­ra­gen­de Leis­tung bot und in die tür­ki­sche Na­tio­nal­elf zu­rück­keh­ren will, nach­dem ihn Trai­ner Hid­dink auf die Tri­bü­ne ver­bannt hat­te. Von Klopp er­hält Sa­hin Un­ter­stüt­zung: „Ich bin ger­ne be­reit, Guus Hid­dink ei­ne DVD von dem Spiel zu schi­cken“, sag­te der Coach.

Na­tür­lich ist es nicht al­lein Sa­hin, son­dern das funk­tio­nie­ren­de Team, das den Er­folg ga­ran­tiert und in dem es stimmt. Ein­deu­ti­ges In­diz da­für war die Sze­ne, in der Tor­jä­ger Lu­cas Bar­ri­os den Ball durch die Bei­ne ließ, da­mit Ro­bert Le­wan­dow­ski ein Tor schie­ßen konn­te. „Der Cha­rak­ter ist das her­aus­ra­gen­de Merk­mal die­ser Mann­schaft“, for­mu­liert Klopp. „Die­ser Sieg ist ein Zeug­nis da­für, wie gie­rig die­se Mann­schaft ist. Be­ein­dru­ckend, wie wir auch in der 80. Mi­nu­te noch ver­sucht ha­ben, je­den Ball zu pres­sen.“ Wo an­de­re mo­de­rat von Er­folgs­hun­ger spre­chen, re­det er hem­mungs­los von Gier – Aus­druck von zü­gel­lo­ser Wil­lens­kraft, die un­ge­bremst zum Er­folg füh­ren will, was Sa­hin un­ter­mau­ert: „Wir sind noch nicht am Li­mit.“

Die­ses Selbst­be­wusst­sein mag für die nächs­ten Geg­ner wie ei­ne Dro­hung klin­gen: St. Pau­li, Se­vil­la, Bay­ern. Zu­vor er­war­ten die Münch­ner den Spit­zen­rei­ter Mainz. Die bei­den Lieb­lings­ver­ei­ne von Jür­gen Klopp könn­ten den Meis­ter in die Kri­se stür­zen.

FO­TO: AP

Tor­ju­bel à la BVB: Ke­vin (links) und Ne­ven Su­bo­tic.

Groß­kreutz

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