Bo­rus­sia: Die La­ge ist kom­pli­ziert

Der Mön­chen­glad­ba­cher Ein­spruch ge­gen den Platz­ver­weis für Mo Id­ris­sou wur­de ab­ge­lehnt. Die Dis­kus­sio­nen um die Schieds­rich­ter­leis­tung wirk­ten nach der drit­ten Nie­der­la­ge hin­ter­ein­an­der wie ein Ablen­kungs­ma­nö­ver nach ei­ner fuß­bal­le­risch schwa­chen Vors­tel

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on war an­ge­sagt, mal wie­der. Drei Nie­der­la­gen in Fol­ge hat Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach er­lit­ten, nach dem 0:4 ge­gen Frank­furt und dem 0:7 in Stutt­gart gab es nun ein 1:2 ge­gen den FC St. Pau­li, den Auf­stei­ger. „Ich wür­de die Si­tua­ti­on als kom­pli­ziert und schwie­rig be­schrei­ben“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl. Ka­pi­tän Fi­lip Da­ems sprach von ei­ner „Ne­ga­tiv­se­rie, aus der man nur schwer wie­der her­aus­kommt“. Trai­ner Michael Front­zeck sieht sein Team in ei­ner „Pha­se, wo al­les zu­sam­men­kommt. Die La­ge ist kom­pli­ziert“.

Zu­nächst mal wa­ren die Glad­ba­cher, die durch Juan Aran­gos Tor führ­ten, be­vor Ge­rald Asa­moah und Flo­ri­an Bruns per Elf­me­ter das Spiel dreh­ten, be­müht, das Po­si­ti­ve des un­schö­nen Abends her­aus­zu­ar­bei­ten. „Das Team hat viel in­ves­tiert und kämp­fe­risch al­les ge­ge­ben“, be­fand der Trai­ner. Tat­säch­lich war es kein Ver­gleich zum ka­ta­stro­pha­len Auf­tritt in Stutt­gart. „Wir ha­ben die Moral ge­zeigt, die in den letz­ten bei­den Spie­len nicht vor­han­den war“, fand Vi­ze­prä­si­dent Rai­ner Bon­hof. Und trug da­nach mit Ve­he­menz Kri­tik am Schieds­rich­ter vor. De­niz Ay­te­kin hat­te Stür­mer Mo Id­ris­sou mit Ro­tGelb be­dacht, ob­wohl der Afri­ka­ner nichts ge­tan hat­te – was die Fern­seh­bil­der zeig­ten.

Der Deut­sche Fuß­ball-Bund hat Bo­rus­si­as Ein­spruch ge­gen die Ent­schei­dung, die ein Spiel Sper­re zur Fol­ge hat, ab­ge­lehnt. „Man sieht ganz deut­lich, dass Mo von sei­nem Ge­gen­spie­ler weg­ge­schubst wird und dann weg­geht. Bei dem an­schlie­ßen­den Ger­an­gel war er nicht be­tei­ligt, er stand ei­ni­ge Me­ter ent­fernt“, hat­te Ge­schäfts­füh­rer Ste­phan Schip­pers ge­sagt, „wir sind der Mei­nung, dass der Schieds­rich­ter sich ge­irrt hat und es sich um ei­ne Ver­wechs­lung han­delt.“

Si­cher­lich lag Ay­te­kin nicht im­mer rich­tig, doch ha­ben sich die Bo­rus­sen die Nie­der­la­ge selbst zu­zu­schrei­ben – so dass die Schieds­rich­t­er­schel­te, der sich Max Eberl, Michael Front­zeck und Ro­el Brou­wers an­schlos­sen, ein we­nig wie Ablen­kungs­ma­nö­ver wirk­te.

To­bi­as Le­vels üb­te sich in­des in Selbst­kri­tik. „Wenn du 0:11 To­re in zwei Spie­len be­kom­men hast, bringst du nicht das Selbst­ver­trau­en auf den Platz wie nach drei Sie­gen, das ist klar. Aber die zwei­te Halb­zeit war nicht aus­rei­chend. Das 1:0 hat­te nicht die Wir­kung, die ich er­hofft hat­te. Wir ha­ben zwar um je­den Zen­ti­me­ter ge­kämpft, aber wir ha­ben nicht ge­nug für das zwei­te Tor ge­tan. Das ist zu Hau­se ge­gen St. Pau­li zu we­nig“, re­sü­mier­te er nach dem drit­ten Heim­spiel. Nur ein Punkt sprang da­bei her­aus.

Vier Punk­te ha­ben die Bo­rus­sen ins­ge­samt bei­sam­men und rei­sen mor­gen zum FC Schal­ke, der noch ei­nen Punkt we­ni­ger hat. Ein Kri­sen­gip­fel. Nur: Die Schal­ker ge­hen mit dem gu­ten Ge­fühl des ers­ten Sai­son­sie­ges ins Spiel, wäh­rend Bo­rus­sia zu­letzt auf je­des Er­folgs­er­leb­nis ver­zich­ten muss­te. Seit dem 6:3 in Le­ver­ku­sen scheint dem Team fast al­les ab­han­den ge­kom­men zu sein, was es an die­sem Tag so glanz­voll er­schei­nen ließ. Zwar zeig­ten die Bo­rus­sen ge­gen St. Pau­li die vom Trai­ner ge­for­der­ten „Ba­sics“, Ein­satz­wil­len und Kampf­geist, doch fuß­bal­le­risch war es ei­ne Man­gel­er­schei­nung. Ver­gan­ge­ne Sai­son gab es mal sechs sieg­lo­se Spie­le in Fol­ge – und Front­zeck rät nun sei­nen Spie­lern, was er auch da­mals sag­te: „Den Kopf oben be­hal­ten und die Ru­he be­wah­ren.“

Bei­des je­doch wird mit je­dem nicht ge­won­ne­nen Spiel schwie­ri­ger. Ver­gan­ge­ne Sai­son ge­lang ein 3:2-Sieg beim HSV, der die Wen­de brach­te. „Das wol­len wir jetzt auch in Schal­ke ma­chen“, gab Le­vels das Cre­do für die kom­men­den Wo­chen (nach Schal­ke kommt Wolfs­burg, dann geht es nach Hof­fen­heim) vor: Den Glau­ben nicht ver­lie­ren, dass es wie­der bes­ser wird. Nur: In Dan­te (ver­letzt) fällt ein er­fah­re­ner Spie­ler aus. Und Vier-Mil­lio­nen-Eu­ro-Zu­kauf Igor de Ca­mar­go ist nach zwei Ver­let­zun­gen noch nicht be­reit. „Das ist Qua­li­tät, die uns fehlt“, sag­te Front­zeck.

FO­TO: FIRO

Ge­sprächs­be­darf: Trai­ner Michael Front­zeck bei Schieds­rich­ter De­niz Ay­te­kin.

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