Do­ping­af­fä­re: Ex­per­ten las­sen Ovt­cha­rov hof­fen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT -

KÖLN (sid/RP) In der Do­ping­af­fä­re um Di­mi­trij Ovt­cha­rov darf sich der Tisch­ten­nis-Na­tio­nal­spie­ler Hoff­nun­gen auf ei­ne Ent­las­tung ma­chen. Meh­re­re Me­dien­be­rich­te über Le­bens­mit­tel­ver­gif­tun­gen in Chi­na durch das Käl­ber­mast­mit­tel Clen­bu­te­rol in Fleisch­spei­sen und die Mei­nung von Do­ping­ex­per­ten stüt­zen die Ver­mu­tung des 22-Jäh­ri­gen, dass die ver­bo­te­ne Sub­stanz durch kon­ta­mi­nier­tes Fleisch wäh­rend der Chi­na Open in sei­nen Kör­per ge­langt sein könn­te.

„In Do­ping­fra­gen geht es beim Nach­weis der Un­schuld zu­meist dar­um, das po­si­ti­ve Ana­ly­se­er­geb­nis plau­si­bel er­klä­ren zu kön­nen. Das wer­den wir tun“, er­klär­te Ovt­cha­rovs Rechts­an­walt Man­fred Leh­ner ei­nen Tag nach Be­kannt­ga­be der po­si­ti­ven A-Pro­be sei­nes Man­dan­ten. Als ein­deu­ti­gen Hin­weis auf ei­ne un­schul­di­ge Ver­stri­ckung des Spie­lers in die Do­ping­the­ma­tik wer­tet Leh­ner be­son­ders An­ga­ben chi­ne­si­scher Zei­tun­gen aus der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit über Clen­bu­te­rol in Le­bens­mit­teln. Dem­nach wa­ren zu­letzt in Chi­na über 70 Men­schen nach dem Ge­nuss von mit dem Mast­mit­tel ver­seuch­tem Schwei­ne­fleisch er­krankt. 2006 war in dem Land Clen­bu­te­rol in Schwei­ne­fleisch in­fol­ge schlam­pi­ger Le­bens­mit­tel­kon­trol­len Aus­lö­ser von 336 Krank­heits­fäl­len. Leh­ner: „Un­ter den bis­lang be­kann­ten Um­stän­den wird kein Ge­richt der Welt sa­gen kön­nen, dass Di­mi­trij Ovt­cha­rov ge­dopt hat.“

Rü­cken­de­ckung er­hält Ovt­cha­rovs La­ger auch von Do­ping­ex­per­te Prof. Wil­helm Schän­zer. Dem ZDF sag­te der Lei­ter des In­sti­tuts für Bio­che­mie in Köln, dass es Hin­wei­se auf den il­le­ga­len Ein­satz von Clen­bu­te­rol bei der Mast­tier­hal­tung in Chi­na ge­be und man prin­zi­pi­ell nicht aus­schlie­ßen kön­ne, dass Clen­bu­te­rol über die Nah­rung auf­ge­nom­men wür­de. Vor den Olym­pi­schen Spie­len 2008 in Pe­king hat­te Schän­zers In­sti­tuts­kol­le­ge Hans Gey­er er­klärt: „Wenn die Stan­dards bei der Le­bens­mit­tel­kon­trol­le un­zu­rei­chend sind, kann der Ver­zehr von Fleisch­pro­duk­ten zu ei­nem po­si­ti­ven Do­ping­be­fund füh­ren, be­son­ders wenn in Hack­fleisch In­jek­ti­ons­stel­len mit­ver­ar­bei­tet wur­den. Pro­ble­ma­tisch könn­te auch der Ver­zehr von Schwei­ne-In­ne­rei­en sein, da Eber be­zie­hungs­wei­se Kei­ler ein na­tür­li­ches Hor­mon bil­den, das auf der Do­ping­lis­te steht.“ Zum Schutz vor der Do­ping­fal­le Fleisch emp­fahl er drin­gend, aus­schließ­lich in kon­trol­lier­ten und zer­ti­fi­zier­ten Be­rei­chen zu es­sen, al­so im Olym­pi­schen Dorf.

FO­TO: EKKEHART MALZ

Di­mi­trij Ovt­cha­rov

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