Be­wäh­rungs­stra­fe für un­flä­ti­gen Brief­trä­ger

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST -

(wuk) Ei­gent­lich hält er sich für ei­nen fried­li­chen Men­schen. Nur, wenn sich der Brief­zu­stel­ler (37) be­drängt oder schlecht be­han­delt fühlt, neigt er laut sei­nem Ge­ständ­nis zu un­flä­ti­gen Aus­drü­cken. Weil er Mit­ar­bei­ter des Ord­nungs­am­tes be­lei­digt hat­te, wur­de der Mann jetzt vom Land­ge­richt in der Be­ru­fung zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt, mit der Auf­la­ge, sich in ärzt­li­che Be­hand­lung zu be­ge­ben.

Es war nicht sein ers­ter Pro­zess we­gen Be­lei­di­gung: Schon sie­ben Vor­stra­fen hat­te er seit 1999 kas­siert. Zu­letzt war er we­gen Verun­glimp­fung von vier Mit­ar­bei­tern des Ord­nungs­amts zu fünf Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt wor­den. In der Be­ru­fung ur­teil­te das Land­ge­richt mil­der: Die Stra­fe wur­de ge­senkt und zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

An­ge­fan­gen hat­te der Streit, als der 37-Jäh­ri­ge mit dem Fahr­rad auf dem Bür­ger­steig er­tappt wur­de. Fünf Eu­ro Ver­warn­geld woll­te er nicht zah­len, die Per­so­na­li­en nicht an­ge­ben. Statt­des­sen be­lei­dig­te er ei­nen der Kon­trol­leu­re als „Pen­ner“, dem an­de­ren riet er: „Putz Dir die Zäh­ne, Du hast Mund­ge­ruch.“

Fünf Mo­na­te Haft im ers­ten Pro­zess

Das brach­te ihm vor Ge­richt vor ei­nem Jahr 1600 Eu­ro Stra­fe ein. Aber vor und nach die­ser Ver­hand- lung hat der Post­bo­te noch nach­ge­legt. Als er die Amts­mit­ar­bei­ter am Ge­richts­ein­gang traf, zeig­te er ih­nen den aus­ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger. Die Fol­ge: Noch ein Pro­zess we­gen Be­lei­di­gung, dies­mal mit fünf Mo­na­ten Haft als Ur­teil.

In der Be­ru­fung beim Land­ge­richt fand der Ver­tei­di­ger jetzt aber gu­te Grün­de für Nach­sicht. In ei­nem wei­te­ren Be­lei­di­gungs-Ver­fah­ren hat­te ein psych­ia­tri­scher Gut- ach­ter näm­lich fest­ge­stellt, dass der Post­bo­te an ei­ner pa­ra­no­iden Stö­rung lei­det, al­so nur ein­ge­schränkt schuld­fä­hig ist. Das Land­ge­richt fass­te Geld-und Haft­stra­fe zu­sam­men, ver­häng­te nur drei Mo­na­te Haft und setz­te die Stra­fe zur Be­wäh­rung aus. Der Staats­an­walt gab dem 37-Jäh­ri­gen noch ei­nen Tipp mit: „Bes­ser, Sie las­sen die Hän­de beim Ver­las­sen des Ge­richts jetzt in den Ho­sen­ta­schen.“

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