Düs­sel­dorfs neu­er Mann für Ord­nung

Ste­phan Kel­ler (CDU), de­si­gnier­ter Bei­ge­ord­ne­ter für Ord­nung, Recht und Ver­kehr, steht am 30. Sep­tem­ber im Rat zur Wahl. Der 40-Jäh­ri­ge will sich für al­le Ver­kehrs­teil­neh­mer ein­set­zen, hält Vi­deo­über­wa­chung für ein gu­tes In­stru­ment und will das Glas­flasch

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Kel­ler Ja, ei­nen VW Tou­ran, sehr fa­mi­li­en­freund­lich. Wo­chen­tags fährt ihn aber nur mei­ne Frau. Und ich nut­ze den Wa­gen nur, um am Wo­che­n­en­de die Kin­der zum Schwimm­un­ter­richt zu brin­gen. Kel­ler Ich will mich be­mü­hen, al­len Grup­pen von Ver­kehrs­teil­neh­mern ge­recht zu wer­den. Denn es macht mei­ner An­sicht nach kei­nen Sinn, ei­ne Grup­pe ge­gen die an­de­re aus­zu­spie­len. Düsseldorf kann si­cher­lich ei­nen hö­he­ren An­teil an Rad­fah­rern ge­brau­chen. Wir müs­sen nur ein ver­nünf­ti­ges An­ge­bot ma­chen. Das Glei­che gilt für den ÖPNV (Öf­fent­li­cher Per­so­nen­nah­ver­kehr, d. Red.). Wo­bei ich da we­ni­ger im Stadt­ge­biet als im Um­land Ver­bes­se­rungs­be­darf se­he. Wenn man den An­teil der Au­to­pend­ler nach Düsseldorf, täg­lich knapp 300000, sen­ken will, muss das ÖPNV-Netz in der Re­gi­on at­trak­ti­ver wer­den. Kel­ler Na­tür­lich. Ich bin mir aber nicht si­cher, ob die­se An­kün­di­gung im rot-grü­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag an­ge­sichts der fi­nan­zi­el­len Si­tua­ti­on tat­säch­lich um­ge­setzt wird. Falls doch, wer­de ich als De­zer­nent ver­su­chen, für Düsseldorf ein mög­lichst gro­ßes Stück ab­zu­tei­len. Es stün­de der Lan­des­re­gie­rung gut zu Ge­sicht, die Lan­des­haupt­stadt da nicht hän­gen­zu­las­sen. Kel­ler Ich ha­be das Ge­fühl, dass die Fahr­gäs­te in­ner­halb der Stadt gut von A nach B kom­men. Ich muss mich na­tür­lich erst ein­ar­bei­ten, ha­be aber schon das Ge­fühl, dass viel in­ves­tiert wird. Hoch­bahn­stei­ge wer­den ge­baut, die U79 wur­de nach Wers­ten ver­län­gert, was auch wich­tig für den Stadt­teil ist. Kel­ler Ich hal­te die Ent­schei­dung für ver­nünf­tig, erst zu be­ob­ach­ten, wie es mit dem 20-Mi­nu­ten-Takt läuft. Ei­ne Takt­er­hö­hung ist zwar im­mer wün­schens­wert, muss aber be­zahl­bar blei­ben. Mei­ne per­sön­li­che Er­fah­rung ist: Wenn ich mor­gens in die U 79 ein­stei­ge, ist sie al­les an­de­re als über­füllt. Kel­ler Ich hät­te mich ge­freut, wenn sie mit­ge­stimmt hät­ten. Ich hat­te mit der Frak­ti­on ein kon­struk­ti­ves, sehr of­fe­nes Ge­spräch ge­führt. Ich weiß auch, dass die Grü­nen nicht je­man­den wäh­len, nur weil er mit dem Fahr­rad zur Ar­beit fährt. Es gibt aber ei­gent­lich gu­te An­satz­punk­te für ei­ne Zu­sam­men­ar­beit. Auch mein Le­bens­lauf zeigt, dass ich für die Grü­nen wähl­bar wä­re.

Herr Kel­ler, Sie sind mit dem Fahr­rad ge­kom­men. Ha­ben Sie denn auch ein Au­to? Sie fah­ren meis­tens Rad oder Bahn, manch­mal Au­to – aus wel­chem Blick­win­kel wer­den Sie als Bei­ge­ord­ne­ter den Be­reich Ver­kehr be­ar­bei­ten? Das Land will mehr Geld für den Aus­bau des ÖPNV zur Ver­fü­gung stel­len. Wä­re es nicht sinn­voll, es für den Aus­bau in der Re­gi­on ein­zu­set­zen? Was wol­len Sie bei der Rhein­bahn ver­bes­sern? Bei der U79 wer­den be­reits Stim­men laut, den Takt von 20 auf zehn Mi­nu­ten zu ver­kür­zen... Sie ste­hen am 30. Sep­tem­ber im Rat als De­zer­nent zur Wahl. Sie be­kom­men ei­ne brei­te Mehr­heit von CDU, SPD und FDP. Är­gert es Sie trotz­dem, dass die Grü­nen sich ent­hal­ten? Ver­kehr ge­hört bis­her nicht zu Ih­ren Be­rei­chen. Wer­den Sie den­noch ein gu­ter Ver­kehrs­de­zer­nent sein?

Kel­ler Na­tür­lich. In mei­ner bis­he­ri­gen Be­rufs­tä­tig­keit konn­te ich be­wei­sen, dass ich mich auch in fach­frem­de The­men ein­ar­bei­ten kann. Zu­dem hat­ten mei­ne Fach­be­rei­che wie Stadt­ent­wick­lung und Um­welt im­mer auch den Aspekt, wie man ei­ne Stadt so aus­rich­ten kann, dass der Ver­kehr mög­lichst um­welt­freund­lich fließt.

Was wol­len Sie zu­erst an­pa­cken?

Kel­ler Ich will mir erst ei­nen Über­blick ver­schaf­fen und mich mit den Mit­ar­bei­tern zu­sam­men­set­zen, um zu hö­ren, was sie für wich­tig hal­ten, und dann ent­schei­den, wo ich mei­ne Schwer­punk­te set­ze. An­ge­sichts der vie­len Bau­stel­len, die sich stän­dig ver­än­dern, liegt der Hand­lungs­be­darf auf der Hand.

Wie wich­tig ist die Wehr­hahn-Li­nie für Düsseldorf?

Kel­ler Das war für die Stadt die rich­ti­ge Ent­schei­dung. So las­sen sich Nah­ver­kehrs­strö­me len­ken und mit der Ober­flä­chen­ge­stal­tung er­ge­ben sich neue Spielräu­me.

Und die U 81, die Flug­ha­fen, Mes­se und Links­rhei­ni­sches ver­bin­den soll?

Kel­ler Das fällt für mich in die Ru­brik bes­se­re An­bin­dung ans Um­land.

Düsseldorf will Kar­ne­val ein Glas­fla­schen­ver­bot ver­hän­gen. In Köln hat dies das Ver­wal­tungs­ge­richt ge­kippt. Hal­ten Sie es den­noch für rich­tig?

Kel­ler Ja, aber es muss um­setz­bar und kon­trol­lier­bar sein. Ich muss die Ur­teils­be­grün­dung noch le­sen, ob die Rich­ter das Ver­bot ins­ge­samt für rechts­wid­rig hal­ten oder nur Nach­bes­se­run­gen for­dern. Es nutzt nichts, ein Ver­bot ein­zu­füh­ren, wenn die Stadt dann vor Ge­richt schei­tert. Düsseldorf könn­te aber auch den An­stoß ge­ben, dass die Rechts­grund­la­ge ver­än­dert wird. In Ham­burg ist das ge­sche­hen. Ich könn­te mir vor­stel­len, dass Düsseldorf sich da mit an­de­ren Kom­mu­nen zu­sam­men­schlie­ßen könn­te.

Über die Düs­sel­dor­fer Stra­ßen­sat­zung, die et­wa den Um­gang mit Stra­ßen­mu­si­kern, Bett­lern oder ag­gres­si­ven Grup­pen re­gelt, wird oft dis­ku­tiert. Muss sie ver­schärft wer­den?

Kel­ler Ich glau­be, die Stra­ßen­ord­nung hat sich be­währt. Des­halb se­he ich kei­nen An­lass, sie zu ver­än­dern. Wich­ti­ger ist, dar­auf zu ach­ten, dass Mit­ar­bei­ter, die die Sat­zung durch­set­zen, das mit der ge­bo­te­nen Sen­si­bi­li­tät tun.

Ein spe­zi­el­les Pro­blem sind die so ge­nann­ten Wild­pink­ler. Müs­sen die Geld­bu­ßen er­höht wer­den?

Kel­ler (lacht) Die Stadt Ha­gen will mit ho­hen Buß­gel­dern für Wild­pink­ler so­gar ih­ren Haus­halt sa­nie­ren. Nein, im Ernst. Das ist ein un­er­wünsch­tes Phä­no­men, das man auch ord­nungs­recht­lich an­ge­hen soll­te. Der­zeit ist aber nicht ge­plant, die Stra­fen zu er­hö­hen.

Auch die Vi­deo­über­wa­chung ist im­mer wie­der ein po­li­ti­sches The­ma. Bis­her wird in Düsseldorf nur der Bol­ker Stern mit Ka­me­ras über­wacht. Dis­ku­tiert wur­de da­für aber auch der Burg­platz ...

Kel­ler Ich hal­te Vi­deo­über­wa­chung grund­sätz­lich für ein taug­li­ches Mit­tel zur Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on und ha­be die Be­den­ken da­ge­gen nie nach­voll­zie­hen kön­nen. Ich hät­te mich ge­freut, wenn der Lan­des­ge­setz­ge­ber in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode die Rechts­grund­la­ge da­für er­wei­tert hät­te. Der Burg­platz könn­te mei­ner An­sicht nach da­für ein ge­eig­ne­ter Stand­ort sein. In Zei­ten, in de­nen sich Bür­ger nach mehr Si­cher­heit seh­nen, und sei es nur ge­fühl­te, ist Vi­deo­über­wa­chung ein ge­eig­ne­tes In­stru­ment.

Sie wer­den auch für den Kri­mi­nal­prä­ven­ti­ven Rat zu­stän­dig sein, der zum Bei­spiel dar­auf ach­tet, dass bei Bau­pro­jek­ten kei­ne Angst-Räu­me ent­ste­hen. Wer­den Sie mit Ih­rem städ­te­bau­li­chen Fach­wis­sen des­sen Ar­beit stär­ker ins Zen­trum rü­cken?

Kel­ler Das wä­re mir ein An­lie­gen. Ich ha­be be­ob­ach­tet, dass un­ter dem Vor­gän­ger im Amt, Werner Le­on­hardt, der Kri­mi­nal­prä­ven­ti­ve Rat Düs­sel­dorfs bun­des­weit zum Vor­bild wur­de. Des­halb wür­de es mich freu­en, das Ge­wicht des Ra­tes wei­ter zu stär­ken.

RP-FO­TO: THO­MAS BUSSKAMP

Das Rü­cken scho­nen­de Rad der Mar­ke „rie­se und mül­ler“ ist im All­tag das liebs­te Fahr­zeug von Ste­phan Kel­ler (CDU).

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