Tän­zer zum Spre­chen brin­gen

Das Per­for­mance-Duo Gin­ters­dor­fer/Kla­ßen ar­bei­tet gern in Se­rie.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON MAX FLO­RI­AN KÜH­LEM

Ob­wohl man am 29. Sep­tem­ber Pre­mie­re im Fo­rum Frei­es Thea­ter hat, wird bis zum 24. Sep­tem­ber noch für ei­ne Pre­mie­re am Bochu­mer Schau­spiel­haus ge­probt. Wir tra­fen Mo­ni­ka Gin­ters­dor­fer auf der dor­ti­gen Pro­be­büh­ne. Die Re­gis­seu­rin nimmt sich aber trotz der vie­len Ar­beit noch Zeit und ant­wor­tet ru­hig, aus­führ­lich und re­flek­tiert.

Gin­ters­dor­fer/Kla­ßen wur­de von der Zeit­schrift „tanz“ zur Ko­ma­nie des Jah­res 2010 ge­wählt! Sie sind aber nicht ein­ver­stan­den?

Gin­ters­dor­fer Ich bin ein­ver­stan­den. Nur: Wir ha­ben kei­ne Kom­pa­nie in dem Sin­ne, wie man sich das vor­stellt. Es gibt zwar ein Kern­team, mit dem wir seit fünf Jah­ren zu­sam­men­ar­bei­ten. Aber wir cho­reo­gra­phie­ren nicht. Die Tän­zer ha­be ich so­fort zum Spre­chen ge­bracht. Die Fra­ge nach der Form stellt sich im­mer wie­der neu, auch durch die Or­te an de­nen wir ar­bei­ten: Das kann Per­for­mance sein, Thea­ter, bil­den­de Kunst. . .

Was un­ter­schei­det die Ar­bei­ten des Du­os Gin­ters­dor­fer/Kla­ßen von klas­si­schem Tanz­thea­ter?

Gin­ters­dor­fer Ich den­ke wie ei­ne Thea­ter­re­gis­seu­rin. Be­we­gung nut­ze ich ei­gent­lich nur als Mit­tel, um Auf­merk­sam­keit zu er­re­gen, um den Tex­ten Ge­hör zu ver­schaf­fen. Sie ver­schafft den Darstel­lern auch den Raum, um zum nächs­ten Satz zu kom­men, sie wird ein­ge­setzt für be­stimm­te In­hal­te.

So­wohl ih­re Ar­beit für das FFT „Er­lei­de mei­ne In­spi­ra­ti­on“ als auch die Bochu­mer Pre­mie­re um­krei­sen das The­ma Show und spei­sen sich aus ih­ren Er­fah­run­gen an der El­fen­bein­küs­te. Ist das ei­ne Art Ge­samt­kunst­werk?

Gin­ters­dor­fer Wir ha­ben kei­nen Werk­Be­griff in dem Sin­ne, dass am En­de das per­fek­te Kunst­werk er­reicht wird. Aber wir ar­bei­ten gern in Se­rie – al­ler­dings mit Schwer­punkt­ver­schie­bun­gen. Wir ha­ben in ver­schie­de­nen Ar­bei­ten das Show­busi­ness ana­ly­siert und stel­len in Bochum die Fra­ge nach der per­fek­ten Show. Da wird Be­we­gung auch mit Spra­che und Mu­sik kom­bi­niert, wäh­rend es in Düsseldorf Prin­zip ist, sol­che Mit­tel nicht zu ver­wen­den.

Die Auf­füh­rung im FFT speist sich un­ter an­de­rem aus Re­cher­chen in Abid­jan an der El­fen­bein­küs­te. Was ist da los?

Gin­ters­dor­fer Es gibt dort drei ge­sell­schaft­li­che re­le­van­te Be­reich: Po­li­tik, Re­li­gi­on und Nacht­le­ben. Tän­zer in Clubs und cha­ris­ma­ti­sche Per­sön­lich­kei­ten aus Po­li­tik und Re­li­gi­on ha­ben dort ähn­li­che Stra­te­gi­en, um Auf­merk­sam­keit zu er­lan­gen, sich Raum zu er­schaf­fen. Der ivo­ri­sche Tän­zer Franck Ed­mond Yao wird in „Er­lei­de mei­ne In­spi­ra­ti­on“ zum Bei­spiel das Ver­hal­ten in Nacht­clubs mit den Stra­te­gi­en des ivo­ri­schen Prä­si­den­ten kom­bi­nie­ren. Au­ßer­dem be­haup­ten wir, dass wir In­spi­ra­ti­on im Mo­ment füh­len, er­fah­ren kön­nen. Des­halb wird die Per­for­mance nicht völ­lig fest­ge­legt.

Wie kom­men Sie dann ei­nem Er­geb­nis?

Gin­ters­dor­fer Es gibt vie­le Ge­sprä­che schon vor den Pro­ben – hier kon­zen­trie­ren wir sie nur. Wir wis­sen, was die The­sen sind und was wir ma­chen wol­len und fra­gen: Wie ist das auf der Büh­ne phy­sisch er­leb­bar?

FO­TO: SCHAU­SPIEL BOCHUM

Die er­folg­rei­che Cho­reo­gra­fin Mo­ni­ka Gin­ters­dor­fer.

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