„Zwo­te“ trifft nicht oft ge­nug

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON BERND JOLITZ VON PATRICK SCHE­RER

Es ist ja schon schlimm, wenn ei­ne Fuß­ball­mann­schaft von ih­ren ei­ge­nen Fans aus­ge­pfif­fen und be­schimpft wird. Bei­na­he noch schlim­mer ist, wenn ihr nur noch Hä­me und Spott ent­ge­gen­schlägt. Zweit­li­gist Fortu­na über­schritt die­se Gren­ze am Mitt­woch­abend, beim de­sas­trö­sen 0:3 in In­gol­stadt. Rund 400 Düs­sel­dor­fer Fans hat­ten Zwar hat Fortu­nas Zweit­ver­tre­tung in der eng­li­schen Wo­che bis­her kei­ne Punk­te ho­len kön­nen, den­noch war bei der 2:1-Nie­der­la­ge beim SV Elversberg ei­ne kla­re Leis­tungs­stei­ge­rung zu den zu­letzt de­so­la­ten Auf­trit­ten in der Fuß­ball-Re­gio­nal­li­ga zu er­ken­nen. Mor­gen (14 Uhr) bei Bo­rus­sia Dort­mund II hat die Elf von Trai­ner Goran Vu­cic die Chan­ce, nach nur ei­nem Punkt aus den ver­gan­ge­nen vier Spie­len wie­der et­was Zähl­ba­res aus ei­ner Par­tie mit­zu­neh­men. „Wenn wir er­neut ei­ne Leis­tung wie in Elversberg ab­lie­fern, ste­hen die Chan­cen gut, auch Punk­te ein­zu­fah­ren“, meint Vu­cic. sich auf die fast 600 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke nach Ober­bay­ern ge­macht, und was sie als Ge­gen­leis­tung da­für be­ka­men, trieb sie in den Sar­kas­mus.

„Die Fortu­na ist wie­der da“, schall­te es nach dem Tref­fer zum 2:0 für den bis da­to Ta­bel­len­letz­ten In­gol­stadt aus der Fortu­na-Kur­ve, er­gänzt durch ein me­lo­di­sches „Oh, wie ist das schön!“ Nach dem 3:0 ging es dann rich­tig los. „Auf, auf,

Da­zu müss­te sei­ne Trup­pe al­ler­dings mal wie­der das Tor tref­fen. Nur ein Elf­me­ter­tor durch Ka­pi­tän Sebastian Mich­als­ky steht in den ver­gan­ge­nen 360 Spiel­mi­nu­ten zu Bu­che. „Ich er­war­te noch mehr Kon­zen­tra­ti­on von mei­nen Jungs im Be­reich des geg­ne­ri­schen Sech­zehn­me­ter­rau­mes. Der letz­te, ent­schei­den­de Pass muss ex­ak­ter ge­spielt wer­den“, er­klärt Vu­cic, der von sei­ner Mann­schaft aber über­zeugt ist: „Die Qua­li­tät ist da. Bei ei­ner jun­gen Mann­schaft ist das Pro­blem, Kon­ti­nui­tät in die Leis­tun­gen zu brin­gen.“

Ei­ne wich­ti­ge, weil er­fah­re­ne, Stüt­ze wird mor­gen ver­mut­lich feh­len. Stür­mer Ben Abel­ski plagt sich auf in die Cham­pi­ons Le­ague“, sang der rot-wei­ße An­hang, ge­folgt von „Ge­gen Fortu­na kann man mal ge­win­nen.“ Die Fans rech­ne­ten scho­nungs­los ab mit ih­rer Mann­schaft, die sich kampf­los, ide­en­los, ja ge­ra­de­zu leb­los in ihr Schick­sal ge­fügt hat­te.

„Ich ha­be je­den ein­zel­nen die­ser Sprech­chö­re ge­hört“, sag­te Trai­ner Nor­bert Mei­er nach dem De­ba­kel vom Au­di-Sport­park, „und je­der seit der Par­tie im Saar­land mit Ad­duk­to­renpro­ble­men her­um. „Hin­ter sei­nem Ein­satz steht ein gro­ßes Fra­ge­zei­chen“, meint der Trai­ner. Si­cher feh­len wird ne­ben Rai­mund Schmitz (Rot­sper­re), Michael Behlau (Auf­bau­trai­ning) und Do­mi­nic Ne­u­mann (Kreuz­band­riss) auch Ro­bert Ma­gos. Der 22-jäh­ri­ge Pech­vo­gel, der zu­letzt be­reits zwei län­ge­re Ver­let­zungs­pau­sen hin­ter sich brin­gen muss­te, zog sich ei­nen Mus­kel­fa­ser­riss im Ober­schen­kel zu und fällt da­mit min­des­tens vier Wo­chen aus. „Das tut mir leid für Ro­bert. Er gibt im Trai­ning im­mer hun­dert Pro­zent. Der Aus­fall schmerzt uns sehr“, be­dau­ert Vu­cic. ein­zel­ne ging un­ter die Haut. Das soll­te bei den Spie­lern eben­so sein.“ Aber war das wirk­lich so? Das Ver­hal­ten der Pro­fis nach ih­rer un­ter­ir­di­schen und fast durch­gän­gig nicht zweit­li­ga­rei­fen Vor­stel­lung lässt da Zwei­fel auf­kom­men. Auf Auf­for­de­rung des Trai­ners – nur we­ni­ge wie Youngs­ter Mar­cel Gaus wa­ren von selbst auf die Idee ge­kom­men – gin­gen sie zwar noch in die Fan­kur­ve, mar­schier­ten dann aber wort­los an den Jour­na­lis­ten vor­bei. Je­der hät­te Ver­ständ­nis ge­habt, hät­ten sie das Ge­sche­he­ne zu­nächst ein­mal sa­cken las­sen, erst ein­mal in Ru­he du­schen wol­len. Aber mit Aus­nah­me von Oli­ver Fink, auch auf dem Platz ja stets ein Kämp­fer, tauch­ten al­le dau­er­haft ab.

Mei­er brach­te das auf die Pal­me. „Du musst dich auch in ne­ga­ti­ven Si­tua­tio­nen stel­len, das ge­hört da­zu im Fuß­ball“, mein­te der Coach. Er selbst ging mit gu­tem Bei­spiel vor­an, stand Re­de und Ant­wort, wich kei­ner Fra­ge aus. Das än­der­te zwar nichts dar­an, dass auch in In­gol­stadt man­che sei­ner Per­so­nal­ent­schei­dun­gen nicht nach­voll­zieh­bar war (wie zum Bei­spiel die No­mi­nie­rung des schon ge­gen München völ­lig in­dis­po­nier­ten Ranisav Jo­va­no­vic) – es ver­dien­te in An­be­tracht sei­ner kri­ti­schen Si­tua­ti­on aber ho­hen Re­spekt.

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