„Kei­ne Kre­dit­klem­me bei Kun­den“

Die WGZ Bank hat die Kre­di­te an den Mit­tel­stand deut­lich aus­ge­wei­tet. „Im För­der­kre­dit­ge­schäft sind wir mitt­ler­wei­le die Num­mer eins in NRW“, so Vor­stands­vor­sit­zen­der Werner Böhn­ke.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EXTRA MITTELSTANDSFINANZIERUNG -

Selbst­be­wusst ist das Spit­zen­in­sti­tut der nord­rhein-west­fä­li­schen Volks-und Raiff­ei­sen­ban­ken ja schon im­mer ge­we­sen. Den­noch sind die Zah­len, die der Vor­stands­vor­sit­zen­de der WGZ Bank, Werner Böhn­ke, jetzt prä­sen­tier­te, be­mer­kens­wert. Im ers­ten Halb­jahr 2010 weist die Düs­sel­dor­fer Bank ei­nen Halb­jah­res­über­schuss nach Steu­ern von 68,3 Mil­lio­nen Eu­ro auf. „Dies ist das mit Ab­stand bes­te Halb­jah­res­er­geb­nis in der 126-jäh­ri­gen Un­ter­neh­mens­ge­schich­te“, freut sich Böhn­ke im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung.

Die­se Er­folgs­bi­lanz führt der Vor­stands­chef vor al­lem

Kon­ti­nu­ier­li­che Aus­rich­tung auf den

Mit­tel­stand

auf die kon­ti­nu­ier­li­che Aus­rich­tung auf den Mit­tel­stand, die en­ge Ko­ope­ra­ti­on mit den ge­nos­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­ten und die Ka­pi­tal­markt­ak­ti­vi­tä­ten zu­rück. „Es gab Zei­ten, in de­nen wir we­gen un­se­rer bo­den­stän­di­gen Ori­en­tie­rung durch­aus auch kri­ti­siert wur­den. Die Fi­nanz­kri­se hat ge­zeigt, dass un­se­re be­währ­te, lang­fris­ti­ge Stra­te­gie und un­ser kla­res Ge­schäfts­mo­dell rich­tig und trag­fä­hig sind.“

Deut­lich zu­ge­legt hat die WGZ Bank un­ter an­de­rem bei mit­tel­stän­di­schen Fir­men­kun­den. Hier wuchs das Kre­dit­ge­schäft im ers­ten Halb­jahr um über 300 Mil­lio­nen auf 6,83 Mil­li­ar­den Eu­ro. Re­kord­zah­len schreibt das In­sti­tut bei den För­der­kre­di­ten: Al­lein in den ers­ten sie­ben Mo­na­ten ka­men rund 20 000 An­trä­ge mit ei­nem Vo­lu­men von 1,9 Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sam­men. So­wohl bei den KfW-För­der­mit­teln für Nord­rhein-West­fa­len als auch beim Un­ter­neh­mer­kre­dit der För­der­bank sei die WGZ Bank „ein­deu­tig die Num­mer eins in NRW“.

Un­ter an­de­rem agie­re das In­sti­tut als Navigator: So füh­re die Da­ten­bank Ge­nost­ar treff­si­cher durch den Dschun­gel von im­mer­hin rund 500 För­der­pro­gram­men. Für Fir­men­kun­den wür­den zu­dem die Prä­senz vor Ort und die Ver­läss­lich­keit der Bank im­mer wich­ti­ger, lau­tet ei­ne Er­kennt­nis aus der Kri­se. Böhn­ke be­rich­tet zu­dem von stei­gen­den Kun­den­zah­len (plus zehn Pro­zent auf 2500 Fir­men­kun­den). „Vie­le nam­haf­te Mit­tel­stands­kun­den ha­ben sich uns zu­ge­wandt, zu­mal ei­ni­ge aus­län­di­sche Ban­ken sich in der Kri­se aus dem Ge­schäft zu­rück­ge­zo­gen ha­ben.“ Im­mer mehr Un­ter­neh­men wür­den zu­dem die WGZ Bank als Haus­bank aus­wäh­len.

Vor die­sem Hin­ter­grund be­tont Böhn­ke ein­mal mehr: „Bei den mit­tel­stän­di­schen Kun­den der Volks­ban­ken und Raiff­ei­sen­ban­ken und un­se­ren mit­tel­stän­di­schen Fir­men­kun­den gibt es kei­ne Kre­dit­klem­me.“ Er be­dau­ert, dass die öf­fent­li­che Dis­kus­si­on hier­zu sehr un­dif­fe­ren­ziert ge­führt wer­de. Die WGZ Bank selbst ha­be al­les ge­tan, um auch in Kri­sen­zei­ten ein ver­läss­li­cher Part­ner ih­rer Kun­den zu sein, und da­bei das Kre­dit­vo­lu­men so­gar aus­ge­wei­tet. „Dass sich in schwie­ri­gen Zei­ten die Be­prei­sung von Kre­di­ten än­dert, ist un­ver­meid­lich.“

Ein di­ckes Lob gibt es vom Vor­stands­chef für die Un­ter­neh­mer. Vie­le hät­ten sehr er­folg­reich in der Kri­se re­agiert. Da­bei sei es hilf­reich ge­we­sen, dass der Mit­tel­stand ins­ge­samt sei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­aus­stat­tung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich auf­ge­baut ha­be. Ent­wick­lungs­chan­cen sieht die WGZ Bank im Aus­lands­ge­schäft. Hier wer­de die Bank ihr vor­han­de­nes Leis­tungs­spek­trum of­fen­si­ver an­bie­ten. „Un­se­re Kun­den agie­ren in­ter­na­tio­na­ler, und auch wir wol­len in die­sem Be­reich stär­ker wach­sen“, kün­dig­te Böhn­ke ei­nen Aus­bau die­ses Ge­schäfts­be­reichs in den nächs­ten vier Jah­ren an.

Kri­tik gibt es vom Vor­stands­vor­sit­zen­den an der von der Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­nen Ban­ken­ab­ga­be. „Das ist ei­ne fal­sche Wei­chen­stel­lung, die schmerzt. Die Ab­ga­be trifft die Fal­schen und kann ei­ne er­neu­te Fi­nanz­kri­se nicht ver­hin­dern. Dass mit den Ge­nos­sen­schafts­ban­ken auch je­ne Ban­ken­grup­pe zur Kas­se ge­be­ten wird, die kei­ner­lei Schuld an der Fi­nanz­kri­se trägt, ist nicht nach­zu­voll­zie­hen. Hier wird Sym­bol­po­li­tik be­trie­ben.“ Al­lein sein In­sti­tut rech­net mit Kos­ten von zehn bis 15 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr nach Steu­ern. Werner Böhn­ke spricht auch von Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen

„Ban­ken­ab­ga­be ist

ei­ne fal­sche Wei­chen­stel­lung“

der be­son­de­ren Art. „In un­se­rer Bran­che sind wir da­mit kon­fron­tiert, dass es Wett­be­wer­ber gibt, die staat­lich un­ter­stützt wer­den, und sol­che, die die Aus­wir­kun­gen der Fi­nanz­markt­kri­se aus ei­ge­ner Kraft schul­tern müs­sen.“ In die­sem Zu­sam­men­hang plä­diert er für ei­nen re­spekt­vol­le­ren Um­gang mit den Ban­ken. „Die pau­scha­le Kri­tik an Ban­kern, bis hin zum Vor­wurf, Ban­ker sei­en un­mo­ra­lisch, ist in­ak­zep­ta­bel. Ban­ken un­dif­fe­ren­ziert an den Pran­ger zu stel­len, ver­letzt die­je­ni­gen, die sich nichts ha­ben zu­schul­den kom­men las­sen.“

JO­SÉ MACIAS

FO­TO: WGZ BANK

Werner Böhn­ke, Vor­stands­vor­sit­zen­der der WGZ Bank.

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