Pro­fis auf dem Un­ter­neh­mens-Ba­sar

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EXTRA MITTELSTANDSFINANZIERUNG -

Man liest oft von den gro­ßen Deals: Volks­wa­gen schluckt Por­sche, die Au­to­zu­lie­fe­rer Scha­eff­ler und Con­ti­nen­tal ge­hen zu­sam­men. Häu­fig pas­siert dass auch im Mit­tel­stand, zum Bei­spiel wenn ein Un­ter­neh­mer kei­nen Nach­fol­ger hat oder für die Ex­pan­si­on in glo­ba­le Märk­te al­lein zu klein ist. Ge­nau in die­sem Markt­seg­ment se­hen die bei­den ge­nos­sen­schaft­li­chen Da­ch­in­sti­tu­te DZ Bank, Frank­furt, und WGZ Bank, Düsseldorf, ih­re Chan­cen, sind sie doch mit den Volks-und Raiff­ei­sen­ban­ken gut ver­netzt.

Bei­de Ge­nos­sen­schafts­in­sti­tu­te be­ra­ten schon seit Jah­ren Un­ter­neh­men bei M&A-Deals. Sie leg­ten nun ih­re Be­ra­tungs­ak­ti­vi­tä­ten auf die­sem Feld zu­sam­men und grün­de­ten die VR Un­ter­neh­mer­be­ra­tung. Die Bün­de­lung soll nicht nur den bei­den Mut­ter­ge­sell­schaf­ten Vor­tei­le brin­gen, son­dern auch den Kun­den. „Wir nut­zen jetzt die in­ter­na­tio­na­len Netz­wer­ke ge­mein­sam“, sagt Dr. Dirk Jun­gen, Ge­schäfts­füh­rer und frü­her bei der DZ tä­tig. „Zu­sam­men ver­fü­gen wir über ein brei­te­res Bran­chen-Know­how“, er­gänzt Georg Le­an­der Zer­bach, der von der WGZ kam und jetzt Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung ist.

Im Zu­ge der Fi­nanz­kri­se ha­ben Zahl und Vo­lu­men der Käu­fe und Ver­käu­fe ab­ge­nom­men, vor al­lem die ganz gro­ßen Trans­ak­tio­nen. Den­noch bie­te der Markt für die VR Un­ter­neh­mer­be­ra­tung ein „güns­ti­ges Um­feld“, sagt Jun­gen: „Die Kri­se hat un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten be­för­dert“.

Wie das? Ei­ni­ge Ban­ken hät­ten sich aus dem M&A-Ge- schäft zu­rück­ge­zo­gen, er­klärt der Be­ra­tungs­ex­per­te; zu­dem pro­fi­tier­ten die ge­nos­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­te von dem po­si­ti­ven Image, das sich Volks­ban­ken und Spar­kas­sen wäh­rend der Kri­se bei Un­ter­neh­mern er­wor­ben hät­ten. Die Be­ra­tungs­ein­hei­ten bei­der Häu­ser hät­ten ihr Ge­schäft zu­letzt mit po­si­ti­ven Zah­len ab­ge­schlos­sen, sagt Jun­gen.

Die VR Un­ter­neh­mer­be­ra­ter ver­ste­hen sich nicht als Mak­ler. „Wir sind aus­schließ­lich für ei­ne Sei­te tä­tig, ent­we­der für den Ver­käu­fer oder den Käu­fer“, sagt Zer­bach. „Da­bei ana­ly­sie­ren wir die Un­ter­neh­men in­ten­siv, ge­ben dann Emp­feh­lun­gen.“

Ein Auf­trag, der oft nicht ein­fach ist. Un­ter­neh­mer las­sen sich nicht ger­ne in die Kar­ten schau­en. Vie­le ha­ben ihr

„Wir ana­ly­sie­ren die Un­ter­neh­men

in­ten­siv“

Un­ter­neh­men selbst auf­ge­baut, oft über Jahr­zehn­te. Sie ha­ben ein Ge­spür für den Markt, die Pro­duk­te und für die Füh­rung der Mit­ar­bei­ter. Den Wert ih­res ei­ge­nen Un­ter­neh­mens ein­zu­schät­zen fällt aber manch ei­nem In­ha­ber schwer, und ei­nen Kauf oder Ver­kauf tä­ti­gen sie so sel­ten wie Fa­mi­li­en­vä­ter ei­nen Haus­kauf.

„Da kön­nen schnell Feh­ler pas­sie­ren“, warnt Jun­gen. Bei­spiel: Der Fir­men­chef äu­ßert sich zu früh und nur va­ge, dass er an ei­nen Ver­kauf denkt. Das spricht sich rum, Füh­rungs­kräf­te ge­hen, Ge­rüch­te brin­gen das Un­ter­neh­men in ei­ne schwä­che­re Po­si­ti­on, der Wert sinkt. „Wenn je­mand sein Le­bens­werk in gu­te Hän­de ge­ben will, soll­te er dies nicht auf ei­ge­ne Faust tun“, rät Jun­gen.

Im Rah­men des M&A-Ge­schäf­tes taucht auch die für den Mit­tel­stand lei­di­ge Fra­ge nach dem Ei­gen­ka­pi­tal auf. Des­halb be­ra­ten die Ex­per­ten auf die­sem Ge­biet eben­falls. Die Fra­ge brennt jetzt noch mehr als frü­her. Die Be­wer­tung von Ri­si­ken spielt nach der Kri­se ei­ne grö­ße­re Rol­le; In­ves­ti­tio­nen in Ei­gen­ka­pi­tal wer­den teu­rer. Dies ist vor al­lem für die­je­ni­gen ein Pro­blem, die aus­lau­fen­de Mez­za­ni­ne-Mit­tel re­fi­nan­zie­ren müs­sen. Für stil­le Be­tei­li­gun­gen müs­sen Mit­tel­ständ­ler heu­te mehr zah­len als frü­her, und auch Pri­va­te-Equi­ty-Fi­nan­zie­rer schau­en ge­nau­er hin.

Bleibt oft nur noch die Fu­si­on oder der Ver­kauf. „Der M&A-Be­darf nimmt zu“, sagt Jun­gen. Un­ter­neh­mer soll­ten ei­ne Ent­schei­dung nicht zu sehr auf die lan­ge Bank schie­ben, rät der Ex­per­te: „Fir­men­in­ha­ber soll­ten sich fra­gen: Wann steht das Un­ter­neh­men im Ze­nit sei­ner Ent­wick­lung? Es lässt sich bes­ser ver­kau­fen, wenn es gu­te Per­spek­ti­ven bie­tet.“ Läuft es nicht mehr so gut oder drängt gar ei­ne knap­pe Ei­gen­ka­pi­tal-Aus­stat­tung, könn­te schlimms­ten­falls ein Not­ver­kauf dro­hen.

Für die Be­ra­ter ist da­her klar: „Un­ter­neh­mer soll­ten nicht nur über ei­nen klas­si­schen Ver­kauf nach­den­ken, son­dern viel frü­her schon die Fra­ge nach der Struk­tur des Ei­gen­ka­pi­tals of­fen an­spre­chen.“

JÜR­GEN GRO­SCHE

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