Auf Tuch­füh­lung mit den Bran­chen

Wer die Pro­ble­me und Stär­ken sei­ner Kun­den kennt, der kann auch bei der Mit­tel­stands­fi­nan­zie­rung bes­ser hel­fen. Nach die­sem Mot­to hat die Deut­sche Bank ih­re Be­ra­tungs­kom­pe­tenz mit Bran­chen­teams aus­ge­baut.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - MITTELSTANDSFINANZIERUNG -

Die Kri­se kam über­ra­schend und so hef­tig, wie Hans Rem­sing sie noch nicht in der Au­to­mo­bil­bran­che er­lebt hat­te. „Zum Jah­res­en­de 2008 ha­ben die deut­schen Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer ei­nen nie ge­se­he­nen Nach­fra­ge­ein­bruch ver­kraf­ten müs­sen – und dann folg­te noch ei­ne mo­na­te­lan­ge Durst­stre­cke.“ Hans Rem­sing ist Lei­ter Ex­per­ten­team Au­to­mo­ti­ve & En­gi­nee­ring bei der Deut­schen Bank und kennt die Bran­che so gut wie kein an­de­rer Bank­mit­ar­bei­ter in Deutsch­land. „Die­se mit­tel­stän­disch ge­präg­te In­dus­trie hat ih­re ei­ge­nen Struk­tu­ren: Die­se muss man erst ein­mal ver­ste­hen, um zu er­mit­teln, wel­che Po­ten­zia­le ein Un­ter­neh­men für die Zu­kunft hat.“

Die Team-Ex­per­ti­se wird ge­schätzt – so­wohl bei der ei­ge­nen Bank als auch in der Zu­lie­fer­in­dus­trie. „Der klas­si­sche Kre­dit­ana­lyst ei­ner Bank kann die­se Auf­ga­be al­lein nicht be­wäl­ti­gen, und auch ein Ver­triebs­mit­ar­bei­ter wä­re über­for­dert“, sagt Rem­sing.

Seit der Grün­dung der Bran­chen­teams im Jahr 2001 hat der Fach­mann un­zäh­li­ge Er­kennt­nis­se ge­won­nen und un­ter an­de­rem mit sei­nen Kol­le­gen ei­ne Da­ten­bank auf­ge­baut, die die Struk­tur der Au­to­mo­bil­zu­lie­fer-In­dus­trie durch­leuch­tet.

„Die Deut­sche Bank hat für ih­re Kun­den ins­ge­samt vier Bran­chen­teams auf­ge­baut, die we­sent­li­cher Be­stand­teil un­se­res Be­treu­ungs­kon­zep­tes sind“, er­läu­tert Dr. Hei­ner Le­ber­ling, Mit­glied der Ge-

Vie­le Be­trie­be ste­hen heu­te bes­ser da als vor der

Wirt­schafts­kri­se

schäfts­lei­tung für die Re­gi­on Düsseldorf und ver­ant­wort­lich für die Be­treu­ung von Fir­men­kun­den. „Durch die tie­fen Kennt­nis­se der Bran­chen kön­nen wir hier den Mit­tel­stand auf Au­gen­hö­he be­ra­ten und pass­ge­naue Fi­nan­zie­run­gen et­wa für Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en bie­ten.“ Der stärks­te wirt­schaft­li­che Ein­bruch der Nach­kriegs­ge­schich­te hat trotz über 80 In­sol­ven­zen bei den Zu­lie­fe­rern kei­ne tie­fen Fur­chen hin­ter­las­sen. Die Ge­schäfts­la­ge hat sich ak­tu­ell oh­ne­hin kom­plett ge­wan­delt. Ex­per­te Hans Rem­sing ist si­cher: „So un­glaub­lich der Ein­bruch war: Vie­le Be­trie­be ste­hen jetzt so­gar bes­ser da.“

Mit viel Fein­ge­fühl hat­te das Bran­chen­team er­mit­telt, dass sich die Un­ter­neh­men schon vor­her fle­xi­bler auf­ge­stellt und so aus den Er­fah­run­gen vor­an­ge­gan­ge­ner Kri­sen ge­lernt hat­ten. „Die Un­ter­neh­mens­füh­run­gen wa­ren auf ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en vor­be­rei­tet und ha­ben sehr schnell re­agiert – das hat in den meis­ten Fäl­len in Kom­bi­na­ti­on mit den staat­li­chen Stüt­zungs­pro- gram­men sehr gut funk­tio­niert.“ Die­se Er­kennt­nis­se ka­men auch den Kol­le­gen in­ner­halb der Bank zu­gu­te, die ja bei der Kre­dit­ver­ga­be ent­sch­ei- den müs­sen, wie es um die Zu­kunfts­fä­hig­keit ei­nes Un­ter­neh­mens steht. „Bis zu 90 Pro­zent un­se­rer Kun­den sind cash­flow-neu­tral durch die Kri­se ge­kom­men. Hier ha­ben wir un­se­re Kre­dit­en­ga­ge­ments aus­ge­baut.“ Fi­nan­ziert wer­den un­ter an­de­rem En­ga­ge­ments im Aus­land, in den boo­men­den Schwel­len­län­dern wie Chi­na, In­di­en oder Bra­si­li­en. „Die Au­to­her­stel­ler bau­en dort Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten aus. Für die Zu­lie­fe­rer liegt die Her­aus­for­de­rung dar­in, bei die­sen Aus­lands­stra­te­gi­en mit­zu­hal­ten“, so der Ex­per­te.

Just hier setzt die Deut­sche Bank mit ih­rer in­ter­na­tio­na­len Prä­senz an. „Un­se­re Ex­per­ti­se ist über­all in der Welt ab­ruf­bar“, meint Dr. Hei­ner Le­ber­ling. „Mit un­se­rer Prä­senz vor Ort kön­nen wir Mit­tel­ständ­ler auch hier kom­pe­tent be­ra­ten.“ In der Kri­se sei die Bank auch im Fir­men­kun­den­be­reich wei­ter ge­wach­sen.

Le­ber­ling ver­weist auf den 300 Mil­lio­nen Eu­ro schwe­ren Ei­gen­ka­pi­tal­fonds der Deut­schen Bank. Das In­ter­es­se dar­an sei groß, über 130 An­fra­gen ge­be es bun­des­weit mit ei­nem Vo­lu­men von über 800 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wir rech­nen bis zum Jah­res­en­de mit sie­ben bis acht Ab­schlüs­sen mit ei­nem Ge­samt­vo­lu­men von 70 bis 80 Mil­lio­nen Eu­ro“, gibt sich der Düs­sel­dor­fer Ban­ken­ver­tre­ter op­ti­mis­tisch.

JO­SÉ MACIAS

FO­TO: ALOIS MÜL­LER

Set­zen auf tief­grei­fen­de Bran­chen­er­fah­rung auch im Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer-Be­reich: Hans Rem­sing (links) und Dr. Hei­ner Le­ber­ling von der Deut­schen Bank.

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