„Of­fe­ner Dia­log mit der Bank“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EXTRA MITTELSTANDSFINANZIERUNG -

Die Wirt­schaft zieht an, aber Mit­tel­ständ­ler be­fürch­ten neue Hür­den bei der Kre­dit­ver­ga­be. Un­ter­neh­mer soll­ten mit ih­rer Haus­bank ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis pfle­gen; dann ge­be es kei­ne Schwie­rig­kei­ten, er­klärt Karin-Bri­git­te Gö­bel, Vor­stands­mit­glied der Stadt­spar­kas­se Düsseldorf, im Ge­spräch mit Jür­gen Gro­sche. Ist der ak­tu­el­le schwung nach­hal­tig? Noch gibt es gro­ße Zwei­fel im Markt – vor al­lem mit Blick auf die Wirt­schafts­ent­wick­lung in den USA und Groß­bri­tan­ni­en. Ost­eu­ro­pa und die Schwel­len­län­der glei­chen ei­nen Teil aus. Die Welt­wirt­schaft ent­wi­ckelt sich aber nicht völ­lig un­ab­hän­gig von den USA. Des­halb er­war­ten wir kei­ne gro­ßen Sprün­ge der Kon­junk­tur, son­dern ei­ne et­was lang­sa­me­re Ent­wick­lung als zu­letzt.

Auf- Wie steht die Re­gi­on Düsseldorf da? Sie hat sich in der Kri­se bes­ser ge­hal­ten als an­de­re Re­gio­nen in Deutsch­land. Wie zu­vor schon la­gen auch die ak­tu­el­len Stim­mungs­ba­ro­me­ter und an­de­re Kon­junk­tur­da­ten über dem Durch­schnitt. Die Un­ter­neh­men er­wei­sen sich als sta­bi­ler, als wir ge­dacht ha­ben. Ak­tu­ell be­ob­ach­ten wir ei­ne ver­bes­ser­te Aus­las­tung bei vie­len Un­ter­neh­men. Wie ist spe­zi­ell der Mit­tel­stand auf­ge­stellt? Die Kri­se hat na­tür­lich deut­li­che Spu­ren bei den mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men hin­ter- las­sen: Die Um­sät­ze gin­gen zum Teil dras­tisch zu­rück, da­mit san­ken die Er­trä­ge; das Ei­gen­ka­pi­tal wur­de zum Teil auf­ge­zehrt. Da­durch ist bei ei­ni­gen Be­trie­ben der Wachs­tums­spiel­raum be­grenzt. In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on sind wir der Pro­blem­lö­ser und zei­gen auf, mit wel­chen al­ter­na­ti­ven Fi­nanz­in­stru­men­ten Un­ter­neh­men wie­der Wachs­tums­spiel­räu­me ge­win­nen. Durch Ba­sel III – die neu­en Ei­gen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten für die Ban­ken – könn­te ei­ne neue Kre­dit­klem­me ent­ste­hen, be­fürch­ten Be­ob­ach­ter. Was er­war­ten Sie? Zu­nächst: Die oft zi­tier­te Kre­dit­klem­me gab es nicht und wird es nicht ge­ben. Die Ban­ken ver­fü­gen über ge­nü­gend Li­qui­di­tät. Al­ler­dings schau­en Ban­ken und Spar­kas­sen bei Kre­dit­an­fra­gen ge­nau­er hin. Wich­tig ist, dass Mit­tel­ständ- ler mit ih­rer Bank ei­nen of­fe­nen Dia­log füh­ren. Wenn Pro­jek­te nach­voll­zieh­bar sind, dann sa­gen die Ban­ken auch die Fi­nan­zie­rung zu. Den­noch kom­men vie­le Un­ter­neh­men schwe­rer an Geld, weil sich ihr Ra­ting ver­schlech­tert hat. Weil jetzt die Ab­schlüs­se für das schlech­te Jahr 2009 vor­lie­gen, ist in der Tat ei­ne Ver­schlech­te­rung der Ra­tings zu be­ob­ach­ten – al­ler­dings nicht im be­fürch­te­ten Aus­maß. Die Kre­dit­ge­ber fra­gen nun in­ten­si­ver nach der Plau­si­bi­li­tät der Zah­len und der Plä­ne; Un­ter­neh­mer müs­sen gu­te, be­last­ba­re Ar­gu­men­te ha­ben. Wenn sie hier über­zeu­gen, er­hal­ten sie auch die Kre­di­te. Aber zu hö­he­ren Kon­di­tio­nen als frü­her ... ... da­für gibt es kaum Spiel­raum. Der Wett­be­werb un­ter den Ban­ken ist hoch, die Nach­fra­ge nach Kre­di­ten aber im­mer noch ver­hal­ten. Al­ler­dings wer­den Kre­di­te stär­ker un­ter dem Ri­si­ko­as­pekt be­preist als frü­her. Wie ent­wi­ckelt sich Ihr Kre­dit­ge­schäft? Wir ha­ben ei­ne kla­re Wachs­tums­stra­te­gie für den lo­ka­len Markt. Ge­ra­de ha­ben wir un­ser Team für die Ak­qui­si­ti­on von Neu­kun­den auf­ge­stockt. Im Raum Düsseldorf ha­ben 80 Pro­zent der Un­ter­neh­men ein Um­satz­vo­lu­men bis zu 100 Mil­lio­nen Eu­ro. Hier se­hen wir noch Po­ten­zi­al für un­ser ei­ge­nes Ge­schäft.

FO­TO: WERNER GABRIEL

Karin-Bri­git­te Gö­bel, Vor­stands­mit­glied der Stadt­spar­kas­se Düsseldorf.

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